Viele Skigebiete werden sich aufgrund der Auswirkungen des Klimawandels, der höhere Temperaturen und Schneemangel mit sich bringen wird, nicht mehr auf den Wintersport konzentrieren können. Aber auch diejenigen, die sich dagegen wehren, werden ihr Geschäftsmodell überdenken müssen.
Nur noch wenige Wochen vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Mailand–Cortina am 6. Februar sind die Pisten rund um die „Perle der Dolomiten“ mit Schnee bedeckt. Doch der für den Bergwinter typische weiße Mantel begleitet Touristen und Skifahrer längst nicht mehr selbstverständlich.
Heute ist es vielerorts üblich, sich mit Schnee zu begnügen, der sich auf die Skipisten beschränkt. Und selbst dort wird er zunehmend durch künstliche Beschneiung gesichert. Das treibt sowohl die wirtschaftlichen als auch die ökologischen Kosten in die Höhe und wirkt sich zunehmend auf die Preise für Skipässe aus. Skifahren wird damit immer mehr zu einem Sport, der jenen vorbehalten ist, die sich die für viele Europäer kaum noch bezahlbaren Preise leisten können.
Infolge des Klimawandels werden die meisten Skigebiete, in denen bereits Olympische Winterspiele ausgetragen wurden, künftig nicht mehr in der Lage sein, solche Großereignisse auszurichten.
Selbst in bekannten Skigebieten der Provinz Belluno führen steigende Temperaturen und seltenerer Schneefall bereits zu Problemen. Davon ist der gesamte Alpenraum betroffen. Auch das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat die Folgen der globalen Erwärmung erkannt, die vor allem durch die Verbrennung von Kohle, Öl und Gas verursacht wird.
Das bleibt nicht ohne Folgen für die geografische Verteilung der Olympischen Winterspiele. Seit 1924 wurden sie an 21 Orten ausgetragen. Eine in der Fachzeitschrift Taylor & Francis veröffentlichte Studie von Forschern der Universität Waterloo in Kanada kommt zu dem Ergebnis, dass ohne schnelle und umfassende Maßnahmen gegen den Klimawandel bis zur Mitte des Jahrhunderts nur noch vier dieser Austragungsorte geeignet sein werden.
Dabei handelt es sich um Lake Placid in den Vereinigten Staaten sowie Lillehammer und Oslo in Norwegen und Sapporo in Japan. Für alle anderen früheren Austragungsorte würde es aufgrund steigender Temperaturen und fehlenden Schnees unmöglich, die Olympischen Winterspiele erneut auszurichten, sollte die globale Durchschnittstemperatur um vier Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau steigen. Bis zum Jahr 2080 könnte dann sogar nur noch der japanische Wintersportort Sapporo dazu in der Lage sein.
Doch selbst bei Einhaltung des Pariser Klimaabkommens – also einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf maximal zwei Grad Celsius – wäre die Auswahl stark eingeschränkt. Im Jahr 2050 könnten demnach nur noch neun frühere olympische Austragungsorte die Winterspiele erneut ausrichten, bis 2080 wären es nur noch acht.
Wintersportwirtschaft im Alpenraum
Die Olympischen Winterspiele finden zwar nur alle vier Jahre und lediglich für wenige Wochen statt. Für viele Regionen, deren Wirtschaft vom Wintersport abhängt, sind die Folgen des Klimawandels jedoch bereits heute spürbare Realität.
Die Alpen bilden das Zentrum des europäischen Wintertourismus. Nach Angaben des EU-Aktionsplans für den Alpenraum leben dort rund 80 Millionen Menschen – etwa 15 Prozent der Bevölkerung der Europäischen Union. Die Alpenregion umfasst 48 Regionen in fünf EU-Mitgliedstaaten – Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Slowenien – sowie die beiden Nicht-EU-Staaten Liechtenstein und Schweiz. Zudem beherbergt sie eine der wichtigsten Wasserressourcen Europas sowie eine außergewöhnlich hohe biologische Vielfalt.
Nach Prognosen des Forschungsinstituts Demoskopica, auf die sich der Branchenverband Assosport beruft, werden für die Wintersaison 2025/2026 rund 30 Millionen internationale Ankünfte und mehr als 93 Millionen Übernachtungen in italienischen Skigebieten erwartet. Die direkten touristischen Ausgaben werden dabei auf knapp 15 Milliarden Euro geschätzt.
In Frankreich sind die Zahlen ähnlich. Dort erwirtschaftet die Wintersportbranche einen Umsatz von rund 10 Milliarden Euro, der Skilifte, Unterkünfte, Gastronomie und den Verleih von Ausrüstung umfasst. Zudem sichert der Sektor direkt und indirekt mehr als 120.000 Arbeitsplätze.
Auch in den Skigebieten am Alpenrand ist die wirtschaftliche Abhängigkeit groß. Im Durchschnitt stammen dort rund 75 Prozent des Umsatzes der Hoteliers aus dem Wintersport. Bei Sportgeschäften liegt der Anteil bei etwa 85 Prozent, bei Skiliften sogar bei rund 95 Prozent.
In Österreich erzielt der Wintertourismus nach Schätzungen einen Umsatz von etwa 12,6 Milliarden Euro und beschäftigt bis zu 250.000 Menschen. Das entspricht rund 7,6 Prozent der gesamten nationalen Beschäftigung. Auch in der Schweiz spielt der Wintersport eine bedeutende Rolle: Dort ist er Teil einer Sportwirtschaft, deren Gesamtwert auf rund 17 Milliarden Franken, umgerechnet etwa 18,3 Milliarden Euro, geschätzt wird.
Wo gibt es die meisten Skigebiete in Europa?
Mit Blick auf die Zahl der Skigebiete ist Deutschland laut Daten des Portals Statista das europäische Land mit den meisten Anlagen. Demnach gibt es hier 498 Skigebiete, gefolgt von Italien mit 349 und Frankreich mit 317.
Die weiteren Plätze belegen Österreich mit 253 Skigebieten, Schweden (228), Norwegen (213), die Schweiz (181), Finnland (76), Slowenien (44) und Spanien (32).
Was die Anzahl der Pistenkilometer für den alpinen Skisport betrifft, so hält Sestriere in der Provinz Turin mit insgesamt 400 Kilometern den Rekord. An zweiter Stelle liegen zwei Schweizer Skiorte: Zermatt mit 360 Kilometern und St. Moritz mit 350 Kilometern.
Deutschland hat die meisten Skifahrer, gefolgt von Frankreich und Italien
Deutschland hält einen weiteren Rekord: die Zahl der Skifahrer. Nach den für die Wintersaison 2020/2021 aktualisierten Daten sind es beeindruckende 14,6 Millionen Menschen. Das ist deutlich mehr als in Frankreich (8,5 Millionen), Italien (7,2 Millionen) und Großbritannien(6,3 Millionen).
Die Zahlen ändern sich jedoch deutlich, wenn man sie in Abhängigkeit von der Bevölkerungszahl betrachtet: Liechtenstein hat mit 36 % den höchsten Anteil, gefolgt von der Schweiz mit 35 %. An dritter Stelle liegt Österreich mit 34 Prozent, noch vor einer Reihe skandinavischer Länder. Dahinter folgen Frankreich (13 %), Italien (12 %), Belgien (11 %), das Vereinigte Königreich (10 %), Spanien (5 %) und Portugal (nur 2 %).
Österreich ist der größte Exporteur von Sportgeräten
Eine weitere Zahl, die einen klaren Einblick in das Gewicht der Wintertourismusbranche gibt, ist der Export von Sportausrüstungen. Die neuesten verfügbaren Zahlen für 2019 zeigen, dass Österreich mit 334 Millionen Euro eindeutig das Land mit dem höchsten Export ist. Frankreich liegt bei 100 Millionen, Deutschland bei 91 Millionen und Italien bei 54 Millionen.
Aus diesem Grund dürften die Folgen des Klimawandels die Wintersportwirtschaft besonders stark belasten. Eine Studie, die 2023 in der Fachzeitschrift Nature Climate Change veröffentlicht wurde, kommt zu dem Ergebnis, dass von den insgesamt 2.234 bestehenden Skigebieten in Europa 53 Prozent selbst bei einer globalen Erwärmung von nur zwei Grad Celsius nicht mehr mit ausreichend Schnee rechnen können. Besonders betroffen wären die französischen Alpen: Dort gilt rund ein Drittel der Skigebiete als nicht mehr dauerhaft tragfähig. In den Pyrenäen sind es sogar 89 Prozent.
Sollte die globale Durchschnittstemperatur im Vergleich zum vorindustriellen Niveau um vier Grad Celsius steigen, könnten fast alle europäischen Skigebiete nicht mehr auf ausreichende Schneemengen zählen – bis zu 98 Prozent wären betroffen.
Klimawandel setzt Gebirgsökosysteme und Bergwirtschaft unter Druck
„Es gibt deutliche Unterschiede von Region zu Region, aber wir können in Europa drei große Kategorien von Gebirgsmassiven unterscheiden“, erklärt François Hugues, Forscher am französischen Nationalinstitut für Landwirtschaft, Ernährung und Umwelt (Inrae), gegenüber Euronews. Eine Gruppe verfüge noch über vergleichsweise günstige Höhenlagen und Bedingungen – dazu zählten etwa die inneralpinen Regionen in Frankreich, der Schweiz und Österreich.
„Eine zweite Gruppe umfasst Gebiete mit deutlich höherer Anfälligkeit für klimatische Veränderungen, etwa die slowenischen Alpen oder die Pyrenäen“, so Hugues weiter. „Und schließlich gibt es Regionen, die durch die Klimakrise bereits an ihre Grenzen gestoßen sind – etwa die Gebirge der Iberischen Halbinsel oder der Apennin in Italien.“ Während die zweite Gruppe noch über einen gewissen Handlungsspielraum verfüge, sei es für die zuletzt genannten Regionen schwierig, weiterhin positive wirtschaftliche Erträge zu erzielen, sofern der Fokus auf dem Wintersport bleibe – selbst unter Berücksichtigung möglicher regionaler Fördermaßnahmen.
In vielen Skigebieten wird bereits versucht, den Schneemangel durch künstliche Beschneiung auszugleichen. Schon eine OECD-Studie aus dem Jahr 2007 verwies dabei auf die sogenannte „Hundert-Tage-Regel“. Demnach gilt ein Skigebiet nur dann als wirtschaftlich tragfähig, wenn es mit mindestens 100 Öffnungstagen pro Saison rechnen kann, an denen mindestens 30 Zentimeter Naturschnee liegen. Andernfalls wird es schwierig, die angestrebte Rentabilität zu erreichen.
Kunstschnee: nur eine Teillösung
Künstlich erzeugter Schnee kann die natürlichen Defizite zwar teilweise abfedern, ist jedoch kein vollständiger Ersatz – und geht mit erheblichen wirtschaftlichen und ökologischen Kosten einher. „Für die Beschneiung einer Skipiste mit einer Länge von einem Kilometer, einer Breite von rund 50 Metern und einer Schneehöhe von 40 Zentimetern liegen die Kosten bei etwa 30.000 bis 40.000 Euro“, berichtet die Nachrichtenagentur Agi.
Demnach liegen die Kosten für die Herstellung von Kunstschnee je nach Temperatur und Luftfeuchtigkeit zwischen 2 und 3,8 Euro pro Kubikmeter. Bei diesen Werten entspricht ein Kubikmeter Wasser etwa 2,5 Metern erzeugtem Schnee. Die Kosten für die Beschneiung belaufen sich damit auf rund 15.000 Euro pro Hektar Pistenfläche.
„Die Kosten für die künstliche Beschneiung selbst sind im Verhältnis zu den Gesamtkosten eines Skigebiets vergleichsweise gering“, betont François Hugues. Zugleich verweist er jedoch auf die ökologischen Folgen, insbesondere mit Blick auf die Wasserressourcen und deren Verfügbarkeit. Häufig müssten künstliche Speicherteiche angelegt werden, um ausreichend Wasser bereitzustellen. Diese Infrastrukturmaßnahmen seien mit erheblichen zusätzlichen Kosten verbunden. „Auch in Regionen, die weniger stark vom Klimawandel betroffen sind, müssen die Geschäftsmodelle überdacht und an die Folgen der globalen Erwärmung angepasst werden“, so Hugues.
Hoher Wasser- und Energiebedarf
Der WWF weist seit Jahren auf die Auswirkungen der künstlichen Beschneiung auf die Wasserressourcen hin. „Für die Grundbeschneiung einer Skipiste von einem Hektar mit etwa 30 Zentimetern Schnee werden mindestens eine Million Liter Wasser benötigt, also rund tausend Kubikmeter“, erklärt die Umweltorganisation. Die anschließende Nachbeschneiung könne – je nach Witterung – einen deutlich höheren Wasserverbrauch erfordern, der in der Größenordnung des Jahresverbrauchs einer Stadt mit rund 1,5 Millionen Einwohnern liege.
Vor diesem Hintergrund betonte die Europäische Union bei der Überarbeitung ihres Aktionsplans für den Alpenraum in einer Mitteilung vom 11. Dezember 2025 die Bedeutung einer koordinierten Bewirtschaftung der Wasserressourcen. Angesichts des zunehmenden Drucks durch die Klimakrise sei eine gemeinsame und grenzüberschreitende Steuerung der Wasserläufe entscheidend, um Wasserressourcen und Ökosysteme zu schützen, zu erhalten und wiederherzustellen.
Hinzu kommt der hohe Energiebedarf der Beschneiungsanlagen. Der Betrieb von Schneekanonen und Lanzen erfordert große Mengen Strom, was den Energieverbrauch erhöht und zusätzliche Treibhausgasemissionen verursacht. Damit entsteht ein Kreislauf, der die Klimakrise weiter verschärft. Berechnungen zufolge werden für die künstliche Beschneiung im gesamten Alpenraum rund 600 Gigawattstunden Strom benötigt – das entspricht dem Jahresverbrauch von etwa 130.000 Vier-Personen-Haushalten.
Skipässe deutlich teurer
Diese Kosten wirken sich zunehmend auch auf die Preise für Wintersportler aus. Die Ausgaben für das Skifahren in Europa sind seit 2015 im Durchschnitt um 34,8 Prozent gestiegen und damit deutlich stärker als die Inflation. Besonders ausgeprägt ist der Preisanstieg in der Schweiz, in Österreich und in Italien. In vielen großen Skigebieten sind Skipässe für einen Großteil der Touristen inzwischen kaum noch bezahlbar.
„Skifahren wird zu einem Sport für Wohlhabende“, sagt Christophe Clivaz, Dozent an der Universität Lausanne, gegenüber Valori.it. Tatsächlich sei dieser Prozess bereits im Gange – und werde sich weiter verstärken. Die Kosten für den Betrieb und die Instandhaltung der Pisten stiegen, hinzu kämen Ausgaben für Ausrüstung wie Skier, Skischuhe sowie Winterbekleidung. Schon heute könne sich in einem Land wie der Schweiz ein großer Teil der Bevölkerung das Skifahren nicht mehr leisten, insbesondere Familien.
Nach Angaben des italienischen Verbraucherschutzverbandes Assoutenti kostet ein Tagesskipass für das Gebiet „Dolomiti Superski“, das Zugang zu zwölf Skiregionen in den Dolomiten bietet, inzwischen bis zu 86 Euro. Im Jahr 2021 lag der Preis noch bei 67 Euro.
Auch in anderen Skigebieten sind die Preise deutlich gestiegen. In Roccaraso in den Abruzzen kostet ein vergleichbarer Skipass aktuell rund 60 Euro. 2021 waren es 47 Euro, im vergangenen Jahr 58 Euro. Besonders stark fiel der Anstieg in Livigno nahe der Schweizer Grenze aus: Dort erhöhte sich der Preis von 52 Euro im Jahr 2021 auf 72 Euro im Jahr 2025 – ein Plus von rund 38 Prozent.
Clivaz zufolge bemühen sich viele Skigebiete gezielt darum, eine wohlhabendere europäische Kundschaft anzusprechen. Damit gehe jedoch ein Anstieg der verkehrsbedingten Emissionen einher.
Auch François Hugues sieht diesen Trend kritisch. Skigebiete im Alpenraum, in denen Wintersport weiterhin möglich sei, würden zunehmend wohlhabende Gäste aus weiter entfernten Ländern anziehen – etwa aus dem Vereinigten Königreich, Spanien oder Griechenland, wo Skifahren aufgrund klimatischer Veränderungen immer schwieriger werde. „Das mag aus wirtschaftlicher Sicht positiv erscheinen“, so Hugues, „aus ökologischer und klimatischer Perspektive wird es jedoch problematischer“. Der zunehmende Reiseverkehr erhöhe die Treibhausgasemissionen des Tourismus und trage damit weiter zur Erderwärmung bei.