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Islamist im Kanzleramt? Kurden fordern Haft für Syriens Präsident

Syriens Übergangspräsident Ahmad al-Sharaa bei einer Pressekonferenz in Ankara, Türkei, 4. Februar 2025
Syriens Übergangspräsident Ahmad al-Sharaa bei einer Pressekonferenz in Ankara, Türkei, 4. Februar 2025 Copyright  Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved
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Von Laura Fleischmann & Donogh McCabe
Zuerst veröffentlicht am
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Hunderte Demonstranten fordern von Kanzler Friedrich Merz (CDU), den verschobenen Besuch von Syriens Machthaber al-Scharaa abzusagen. Im Fokus der Gespräche steht die Rückführung etwa 700.000 syrischer Flüchtlinge.

Über Bundeskanzler Friedrich Merz’ (CDU) geplanten Empfang des syrischen Übergangspräsidenten Ahmad al-Scharaa in Berlin kann Ali Ertan Toprak nur den Kopf schütteln.

Er ist Bundesvorstand der Kurdischen Gemeinde und fordert seit Monaten die Verhaftung al-Scharaas. Kurzfristig verschob Syriens Machthaber zwar das für Montag geplante Treffen. Doch aufgeschoben ist nicht aufgehoben.

Der ehemalige al-Qaida-Kämpfer ist für Toprak ein "Diktator". Bleibt al-Scharaa an der Macht, könnte in Syrien ein zweites Iran entstehen, befürchtet er. "Diese Islamisten sehen den Westen als Feinde an. Das ist nur für eine Übergangsphase, in der sie dem Westen wieder einmal etwas vorgaukeln."

Etwa 2,5 Millionen Kurden leben in Syrien. Sie machen rund zehn Prozent der Bevölkerung aus. Immer wieder kommt es in den vergangenen Monaten zu Auseinandersetzungen zwischen syrischen Regierungstruppen und der kurdischen Miliz "Syrische Demokratische Kräfte", kurz SDF.

Zuletzt nahm die Armee der syrischen Regierung die Stadt Aleppo im Nordwesten des Landes ein, in der bislang viele Kurden lebten. Bei den Gefechten sollen mindestens 22 Menschen getötet worden sein. Mehr als 150.000 Menschen wurden vertrieben, so Assam al-Gharibes, Gouverneur von Aleppo.

Kurden wollen Waffen behalten

Auch im Nordosten reiht sich ein Konflikt an den nächsten. Dort liegt das autonome kurdische Gebiet "Rojava". Seit 2012 baut die kurdische Selbstverwaltung dort demokratische Strukturen auf.

Soldaten der syrischen Regierungstruppen transportieren nach Auseinandersetzungen mit kurdischen Milizen einen toten Zivilisten in Tabqa, Syrien, 18. Januar 2026
Soldaten der syrischen Regierungstruppen transportieren nach Auseinandersetzungen mit kurdischen Milizen einen toten Zivilisten in Tabqa, Syrien, 18. Januar 2026 Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Seit dem Machtwechsel in Damaskus im Dezember 2024 hat sich die Lage der Kurden in Nord- und Ostsyrien dramatisch verschärft. Türkische Streitkräfte und Milizen wie die HTS, deren Chef bis Januar 2025 al-Scharaa war, griffen kurdisch verwaltete Gebiete an, vertrieben Zehntausende und zerstörten zivile Infrastruktur.

Dennoch seien die Kurden bereit, sich zu integrieren, sagt Toprak zu Euronews, "aber nicht um den Preis". Sie wollen entgegen der Forderungen al-Scharaas ihre Waffen behalten. "Alle, die ihre Waffen abgelegt haben, wie zum Beispiel die Alawiten zu Beginn nach dem Sturz Assads, wurden massakriert, und deswegen brauchen die Kurden Sicherheit."

Hunderte Angehörige in Syrien unterdrückter Minderheiten demonstrierten am Montag vor dem Brandenburger Tor. Sie fordern, dass Kanzler Merz den Besuch al-Scharaas final absagt. "Wir wollen nicht hinnehmen, dass ein Verbrecher im Kanzleramt empfangen wird", sagt Toprak, der selbst CDU-Mitglied ist.

Demonstranten vor dem Brandenburger Tor, Berlin, 19.01.2026
Demonstranten vor dem Brandenburger Tor, Berlin, 19.01.2026 Donogh McCabe, Euronews

Gespräche über Wiederaufbau und Rückführungen

Für Merz scheinen die Vorwürfe höchstens ein Randthema zu sein. Bei dem verschobenen Treffen mit dem syrischen Machthaber soll es vor allem um Rückführungen syrischer Flüchtlinge sowie den Wiederaufbau Syriens gehen. Im November hatte Bundeskanzler Merz al-Scharaa nach Deutschland eingeladen.

Demonstration gegen einen Besuch von Ahmad al-Scharaa in Berlin, 19.01.2026
Demonstration gegen einen Besuch von Ahmad al-Scharaa in Berlin, 19.01.2026 Donogh McCabe, Euronews

Mehr als 700.000 Schutzsuchende leben in Deutschland, so Zahlen des Statistischen Bundesamtes von Ende 2024. "Das Land braucht jetzt alle Kräfte, vor allem braucht es Syrerinnen und Syrer zum Wiederaufbau", schrieb Merz im November auf X. Kanzleramts-Chef Thorsten Frei (CDU) hat bis Redaktionsschluss nicht auf eine Anfrage von Euronews reagiert.

Dem Koalitionspartner SPD stößt das sauer auf. "Ich halte die Einladung des Kanzlers an Ahmed al-Scharaa für falsch. Die letzten Monate haben gezeigt, dass Syrien nicht befriedet ist. Minderheiten werden unterdrückt und getötet. Wahlen finden nicht frei und demokratisch statt", sagt die migrationspolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Bundestag, Rasha Nasr, zu Euronews. "Es ist nicht richtig nach Syrien abzuschieben. Ich spreche mich für einen absoluten Abschiebestopp nach Syrien aus."

Al-Scharaa hat den Termin verschoben, weil seine regierungstreuen Truppen sich offenbar mit den kurdischen Milizen auf eine Waffenruhe geeinigt haben. Das hatte die staatliche Nachrichtenagentur Syriens Sana erklärt. Bislang hat die SDF die Waffenruhe noch nicht bestätigt. Ein neues Datum für al-Scharaas Berlin-Besuch steht noch nicht fest.

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