Wer mit dem Auto in die Stadt fährt, muss sich oftmals auf Wartezeiten einstellen. Die umfassende Verkehrserhebung des TomTom Traffic Index vergleicht, welche Städte einer besonders hohen Verkehrsbelastung ausgesetzt sind. Die erste deutsche Stadt liegt auf Platz 90.
Europäische Städte führen die weltweite Rangliste der Verkehrsüberlastung an. Unter mehr als 500 Städten aus 62 Ländern belegte beispielsweise die polnischen Städte Łódź den vierten und Lublin den sechsten Platz.
Das bedeutet, dass die Autofahrer in diesen Städten während der Hauptverkehrszeit häufiger und länger im Stau stehen als in den meisten großen Metropolen der Welt.
In Deutschland zählt Nürnberg als Stadt mit der größten Verkehrsbelastung - international kommt die fränkische Hochburg erst auf dem 90. Platz. Dahinter folgen Hamburg, Leipzig, Hannover und Kassel. Die Hauptstadt Berlin liegt auf Platz 7.
Der Bericht basiert auf einer Analyse anonymisierter GPS-Daten über die Geschwindigkeiten und Fahrzeiten der Autofahrer im Laufe des Jahres. Der Stauindex gibt an, wie viel länger die Fahrt in der Rushhour im Vergleich zum fließenden Verkehr dauert.
Mehrere Tage im Jahr mit Stau verbracht
Der Wert von 73 Prozent in Łódź bedeutet, dass eine Strecke, für die man auf leeren Straßen X Minuten bräuchte, in der Rushhour durchschnittlich 73 Prozent länger dauert. In Lublin liegt der Wert bei 70 Prozent. In Nürnberg, der ersten deutschen Stadt im Ranking dauert eine Route etwa 50 Prozent länger.
In der Praxis brauchen Autofahrer für eine 10 km lange Strecke, die ohne Stau in 20-25 Minuten zurückgelegt werden kann, während der Hauptverkehrszeit sogar mehr als eine halbe Stunde, in einigen Städten sogar noch länger.
Jährlich verschwenden die Einwohner von Łódź 135 Stunden im Stau und 117 Stunden in Lublin. Im deutschen Nürnberg sind es 99 Stunden.
Das sind etwa vier bis fünf Tage im Jahr, die man im Stau verbringt!
Polen im internationalen Vergleich - schlimmer als in vielen Weltmetropolen
Normalerweise werden Staus mit Riesenstädten in Asien oder Lateinamerika in Verbindung gebracht - wie Mexiko-Stadt, Bengaluru oder Dublin, die das aktuelle Ranking anführen.
An der Spitze stehen nach wie vor große Metropolen mit einem hohen Fahrzeugaufkommen und komplexen Straßennetzen, aber die Präsenz von Lodz und Lublin in den TOP 10 der Welt zeigt, dass das Problem der Staus nicht nur die größten Ballungsräume der Welt betrifft.
Łódź und Lublin liegen vor vielen der bevölkerungs- und flächenmäßig viel größeren Metropolen der Welt.
Ein Vergleich mit Städten in Russland, China und Südkorea liegt uns leider nicht vor, da TomTom die Erhebung von Verkehrsdaten in diesen Ländern Anfang 2024 eingestellt hat.
Europa im Stau
Dublin führt die Rangliste der am stärksten verstopften Städte Europas an, Bukarest (5.), Istanbul (6.) und Budapest (7.) vervollständigen die Top Ten.
Verkehrsstaus als Barometer für den Zustand der Städte
Die steigende Zahl der in den Städten zugelassenen Fahrzeuge führt zu einer immer stärkeren Überlastung der Straßeninfrastruktur. Das Tempo des Straßenbaus und der Verbesserung des Verkehrsflusses kann oft nicht mit der Zunahme der Zahl der Fahrzeuge Schritt halten.
Nach der Pandemie ist der Pendlerverkehr wieder zurückgekehrt, ebenso wie der Verkehr zwischen der Stadt und den Vorstädten. Weniger Pendlerverkehr bedeutet mehr Verkehr zur Hauptverkehrszeit - ein Schlüsselfaktor für die Entstehung von Staus.
Straßenerneuerungen und -erweiterungen in den Städten sind oft mit langwierigen Renovierungsarbeiten verbunden, die kurzfristig zu einer weiteren Verschärfung der Verkehrsüberlastung führen können, bevor die Investition abgeschlossen ist.
Anstieg der weltweiten Stauquote von 20 auf 25 Prozent
Dies ist ein deutliches Zeichen dafür, dass die Städte weltweit zunehmend überlastet sind und neue Verkehrs- und Logistiklösungen erfordern.
Staus sind eine echte Zeitverschwendung für Autofahrer und Unternehmen. Mehr Zeit im Stau bedeutet mehr Abgase, mehr Belastung durch Umweltverschmutzung und Stress. Verkehrsstaus beeinträchtigen die Attraktivität von Investitionen und den Wohnkomfort.
Die 15. Ausgabe des TomTom Traffic Index 2025 ist eine Warnung an die Städte - ohne Änderungen in der Verkehrspolitik werden die Staus noch schlimmer werden.
Ralf-Peter Schäfer, Vice President von TomTom Traffic and Travel Information, kommentiert die Ergebnisse des Berichts:
"Der beobachtete Aufwärtstrend erfordert dringende Maßnahmen für eine intelligentere Mobilitätsplanung, Investitionen in öffentliche und gemeinsam genutzte Verkehrsmittel, verbesserte Verkehrsmanagementtechnologien und eine koordinierte Politik. Unsere Verkehrsdaten ermöglichen es Stadtplanern und Entscheidungsträgern, diese miteinander verknüpften Themen besser zu verstehen und fundierte Entscheidungen zu treffen, die sicherstellen, dass Städte trotz zunehmender Verkehrsüberlastung lebenswert, effizient und nachhaltig bleiben."