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Szenario: Iran-Krieg bis September? "Rezession mit 5 Millionen Arbeitslosen wäre möglich"

Als Folge des Iran-Krieges steigen Sprit- und Gaspreise in Deutschland.
Als Folge des Iran-Krieges steigen Sprit- und Gaspreise in Deutschland. Copyright  AP Photo
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Von Zara Riffler
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Wie schlimm wären die wirtschaftlichen Folgen bei einem längeren Iran-Krieg? Christian Kreiß, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Hochschule Aalen, zu Euronews: "Deutsche können sich wegen des Iran-Kriegs" nicht nur "weniger leisten". Sondern sogar Rezession und Börsencrash könnten entstehen.

Seit die USA zusammen mit Israel einen Militärschlag gegen das Mullah-Regime begonnen haben, hält der Konflikt im Nahen Osten an. Zuvor betonte US-Präsident Donald Trump, der Krieg dauere "4 bis 5 Wochen". Zuletzt sagte er: "Ich habe kein Zeitlimit".

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Das US Central Command vom Pentagon soll zusätzliche Offiziere des Militärnachrichtendienstes angefordert haben, um die Iran-Operationen für mindestens 100 Tage zu unterstützen, womöglich bis September. Dies berichten US-Medien unter Berufung auf interne Dokumente.

Indes klettern in Deutschland die Energiepreise in die Höhe (Öl, Benzin, Diesel, Gas). Der Anstieg entsteht durch die Unsicherheiten wegen der militärischen Konflikte sowie durch die Blockierung der Seestraße Hormuz. Sollte der Krieg tatsächlich länger dauern, könnte dies für Deutschland schwere Folgen haben. Was bedeutet es für die Brieftaschen und Arbeitsplätze der Deutschen?

Der Volkswirtschaftsprofessor Christian Kreiß betont bei Euronews: "Wir sollten jetzt auf keinen Fall in Panik verfallen!" Doch die Lage werde durchaus ernst, wenn die Konflikte sich verschärfen und bis September anhalten würden. "Dann wäre es möglich, dass Deutschland in eine Rezession gerät und fünf Millionen Menschen arbeitslos sind."

Wie gefährlich wird es für die deutsche Wirtschaft wirklich, wenn der Iran-Krieg bis September dauert?
Wie gefährlich wird es für die deutsche Wirtschaft wirklich, wenn der Iran-Krieg bis September dauert? AP Photo

"Deutsche können sich mit Iran-Krieg weniger leisten"

Bereits eine Woche nach dem Angriff auf den Iran ist der Rohölpreis rasant gestiegen, auf zwischenzeitlich über 85 US-Dollar pro Fass. Diesel-Kraftstoff hat längst die 2-Euro-Marke überschritten. Experten rechnen damit, dass mittelfristig die Preise für Gas, Strom, Lebensmittel und weitere Konsumgüter ansteigen werden.

"Die Erdgas- und Ölpreise sind schon jetzt fast doppelt so hoch wie vor 2021, also vor dem Ukraine-Krieg", sagt Professor Christian Kreiß. Dies betreffe auch die Gaspreise für die Industrie.

Auch schon jetzt sei Deutschland in der Situation, sich "seit sechs Jahren in der Stagnation" zu befinden. "Wir sind wirtschaftlich seit sechs Jahren auf dem Stand von 2019. Das betrifft längst die Reallöhne, die Menschen haben bereits fünf Cent weniger pro Stunde in der Tasche als vor sechs Jahren."

Professor für Volkswirtschaftslehre Christian Kreiß
Professor für Volkswirtschaftslehre Christian Kreiß Christian Kreiß

Der Wirtschaftshistoriker erklärt: "Das bedeutet, wenn nun obendrauf die Energiepreise weiter steigen, geht es Deutschlands Wirtschaft einfach dreckig. Es entsteht ein gefährlicher Cocktail aus Trumps Zöllen, ideologischer Energiepolitik, leidender Industrie und Deutschlands Stagnation, also fehlendem Wachstum." Auf all das käme nun der Iran-Krieg.

"Wenn der Iran-Krieg deutlich länger wird, werden die Deutschen etwas ärmer werden"
Christian Kreiß
Wirtschaftshistoriker

Die Folge für die Deutschen: "Dann können sich die Deutschen mit einem Iran-Krieg viel weniger leisten, was man zum Leben braucht. Sie werden real weniger in der Tasche haben, da sie mehr bezahlen müssen. Wenn der Iran-Krieg deutlich länger wird, werden die Deutschen etwas ärmer werden", prognostiziert Kreiß. Somit hätten Bürger auch von Lohnsteigerung real nichts.

Die Deutschen haben real viel weniger in der Tasche. Die Reallöhne fließen in teureren Sprit, mittelfristig in höhere Gas- und Stromrechnungen.
Die Deutschen haben real viel weniger in der Tasche. Die Reallöhne fließen in teureren Sprit, mittelfristig in höhere Gas- und Stromrechnungen. AP Photo

"Bei Sprit gibt es keinen Grund für Panik"

Der Reallohn, also was man sich wirklich kaufen kann, sinke, weil er in teureren Sprit, Gas und Strom fließe. Folglich würden die Deutschen auch weniger einkaufen, wodurch es den Restaurants und Geschäften automatisch schlechter erginge. Allerdings setzte sich ein Großteil der deutschen Benzinpreise aus Steuern zusammen.

Wie lange wird die Preiserhöhung beim Sprit anhalten?
Wie lange wird die Preiserhöhung beim Sprit anhalten? AP Photo

"Bei Sprit gibt es überhaupt keinen Grund für Panik", sagt Kreiß. "Wenn der Konflikt sich tatsächlich im Iran vergrößern würde, dann würde der Sprit niemals auf einen Wert über 3 Euro klettern." Dieser bleibe womöglich weit über 2 Euro.

Zinsproblem: "Rezession mit 5 Millionen Arbeitslosen"

Das brisante Problem für Deutschland und den Euroraum hinsichtlich dieses Konflikts läge viel mehr bei den Zinsen. "Bei einem längeren Krieg, was jetzt offenbar der Fall sein wird, muss die EZB-Bank die Zinsen aufgrund der Inflation anheben. Doch beim Anheben der Zinsen, entsteht in der Folge eine Rezession", prognostiziert Kreiß, der seit 2002 als Professor an der Hochschule Aalen Volkswirtschaftslehre unterrichtet.

Denn die Kredite werden teurer. "Das betrifft dann die Immobilienbranche, Baubranche, Industrie und Autobranche – es wird weniger investiert, weil alles teurer wird."

In diesem Moment wäre dann eine "Schrumpfung der Wirtschaft" denkbar, sagt der ehemalige Investmentbanker Christian Kreiß. "Arbeitsplätze fallen dann weg und die Arbeitslosigkeit steigt." Stand jetzt hat Deutschland drei Millionen Arbeitslose.

Werden die Zinsen angeboben, könnte für viele Branchen ein wirtschaftliches Desaster eintreten.
Werden die Zinsen angeboben, könnte für viele Branchen ein wirtschaftliches Desaster eintreten. AP Photo

"Schon seit Monaten kommen meine Studenten in Baden-Württemberg ja gar nicht mehr in der Autoindustrie unter. Es gibt immer mehr Einstellungsstopps." Aufgrund der bereits angeschlagenen Wirtschaft: "Könnte Deutschland in eine Rezession mit fünf Millionen Arbeitslosen geraten."

Das Problem der Rezession: Weniger Steuereinnahmen und damit weniger Staatseinnahmen. "Deshalb bekommt der Bundeskanzler Friedrich Merz bei solch einem Szenario zunehmende Finanzprobleme." Für den deutschen Staatshaushalt wäre das ein Desaster. Die Arbeitslosigkeit wäre chronisch und ginge weiter hoch.

Der deutschen Autoindustrie geht es seit Jahren schlecht - nun könnte der Iran-Krieg die Situation zusätzlich verschlechtern.
Der deutschen Autoindustrie geht es seit Jahren schlecht - nun könnte der Iran-Krieg die Situation zusätzlich verschlechtern. AP Photo

Doch: "Wir sind Stand jetzt noch weit weg von den historischen Arbeitslosenzahlen. Das ist gut. Drei Millionen Arbeitslose sind völlig verkraftbar. Doch fünf Millionen wären historisch gesehen nicht gut für den inneren Frieden. Wir wissen von Zeiten wie 1924, dass mit hoher Arbeitslosigkeit Unruhen, Konflikte und Kriminalität entstehen." Wirtschaftshistoriker Kreiß: "Die Stimmung könnte kippen."

"Börsencrash wahrscheinlicher als jemals zuvor"

Möglich wäre auch, dass "die amerikanischen Kapitalmärkte eine Bereinigung erleben", also "die Kurse an den Börsen abstürzen – die Börsen crashen", erklärt Christian Kreiß, der neun Jahre als Bankier, davon sieben Jahre als Investmentbanker, arbeitete. Dann entstünden relativ schnell Unternehmensinsolvenzen. Börsenkurse könnten bis zu 30 Prozent abstürzen. Fällt der Markt um mehr als 20 Prozent, spricht man von einem Crash.

Der Ex-Investmentbanker meint: "Momentan sind die Börsen so teuer wie nahezu noch nie in der Geschichte. Die Wahrscheinlichkeit, dass es zu einer Bereinigung, also einem Crash, kommt, wäre mithin höher als jemals zuvor."

Noch nie war es so wahrscheinlich, dass es an der Börse "crashen" könnte.
Noch nie war es so wahrscheinlich, dass es an der Börse "crashen" könnte. AP Photo

Mit einem längeren Iran-Krieg, nicht gesenkten Zinsen, Problemen an den Finanzmärkten: "Spätestens mit einem Finanzcrash und steigenden Energiepreisen käme das Land dann relativ schnell in die Situation von 5 Millionen Arbeitslosen."

Massen-Arbeitslosigkeit für ganze Euroraum denkbar

Und es betreffe nicht nur Deutschland. Der Volkswirtschaftsprofessor sagt: "Der massive Anstieg an Arbeitslosigkeit könnte den ganzen Euroraum betreffen. Ganz besonders Italien und Frankreich." Für sie könnte es "schlimmer werden" als für Deutschland. Auch Österreich würde es treffen. „Wenn Amerika Schnupfen hat, hat Europa eine Lungenentzündung“, sagt Kreiß.

Wahrscheinlichkeit eines Börsencrashs wäre höher als je zuvor. Wenn Amerika Schnupfen hat, kriegt Europa eine Lungenentzündung."
Christian Kreiß
Wirtschaftsprofessor
Ein Zeichen für Unsicherheit: Der Goldpreis verzeichnet Anfang 2026 einen massiven Anstieg, angetrieben durch hohe geopolitische Unsicherheiten.
Ein Zeichen für Unsicherheit: Der Goldpreis verzeichnet Anfang 2026 einen massiven Anstieg, angetrieben durch hohe geopolitische Unsicherheiten. AP Photo

Tatsächlich stehen aktuell die Aktienmärkte aufgrund des Iran-Krieges unter Druck. Seit Kriegsbeginn haben US‑Börsen wie der S&P 500 und der Dow Jones Verluste von bis zu zwei Prozent pro Tag erlitten, mit einem Rückgang von über 1200 Punkten am Dow an einem Tag, der sich auf 400 Punkte am Ende belief. Globale Märkte haben binnen 48 Stunden über 3,2 Billionen US-Dollar an Wert verloren. Während Brent-Öl auf fast 85 US-Dollar pro Barrel, also pro Fass, klettert. Bis September könnten die Preise womöglich dreistellig werden.

Das Crash-Potenzial wäre gegeben, wenn der Konflikt eskalieren sollte. Historisch führen längere Öl-Schocks zu 20 Prozent Rückgängen. Doch auch historisch gesehen: erholen sich Märkte schnell von geopolitischen Schocks. In der Regel nach 45 Tagen. Sollte sich der Krieg deeskalieren, stabilisieren sich automatisch die Märkte.

Könnte der Krieg doch früher enden?

Mittlerweile fordert der US-Präsident Donald Trump die "bedingungslose Kapitulation" des iranischen Regimes. Das macht Verhandlungen aktuell unwahrscheinlich. USA und Israel führen täglich Luft- und Raketenangriffe durch, darunter B-2-Bomber-Einsätze, die Irans Raketenstartanlagen zerstören.

US-Präsident Donald Trump schließt bisher Bodenunterstützung nicht aus.
US-Präsident Donald Trump schließt bisher Bodenunterstützung nicht aus. AP Photo

Die Raketenangriffe seitens des Mullah-Regimes auf Israel und US‑Ziele sind bereits deutlich zurückgegangen. Dennoch feuert der Iran weiterhin Drohnen und Raketen ab, was zu Bränden in Israel und Angriffen auf Schiffe im Persischen Golf führt. Das iranische Regime hält derzeit durch, trotz signifikanter Verluste. Dies könnte darauf hinweisen, dass der Iran noch mindestens einige Wochen widerstehen könnte.

Der Konflikt hat sich inzwischen auf 11 Länder ausgeweitet und hat schwere regionale Auswirkungen. US-Präsident Donald Trump möchte offenbar im Iran einen "Regime Change" anstreben. Der Ausgang des Krieges ist bisher ungewiss, da der Konflikt erheblich dynamisch ist.

Der Iran-Krieg hat sich ausgeweitet auf die Hisbollah im Libanon, die das Mullah-Regime unterstützt. Israel übt Luftangriffe auf die Hibsollah in Beirut aus.
Der Iran-Krieg hat sich ausgeweitet auf die Hisbollah im Libanon, die das Mullah-Regime unterstützt. Israel übt Luftangriffe auf die Hibsollah in Beirut aus. AP Photo

Fest steht, dass in den nächsten Tagen intensive Luft- und Seeangriffe durch die USA und Israel fortgesetzt werden. Mit dem Ziel, Irans militärische Kapazitäten zu zerstören. USA und Israel möchten offenbar sofortige Bodeninvasionen taktisch vermeiden.

Die Kriegsstrategie ist bisher eine anhaltende Bombardierung, bis der Iran so schwach ist, dass er zu Verhandlungen und bis zur Kapitulation gezwungen wird. Eine Bodeninvasion, die bisher grundsätzlich seitens Trump nicht ausgeschlossen wird, könnte den Krieg auf Monate verlängern.

Aber: Sollte der Iran durch Bombardierung schneller militärisch geschwächt werden, der Krieg nicht regional weiter eskalieren und der Iran keine Unterstützung erhalten – zum Beispiel durch Hisbollah, Russland oder China –, dann wäre ein deutlich längerer Krieg unwahrscheinlicher. Sehr gezielte Angriffe auf Bunker und Waffendepots könnten eine Kapitulation beschleunigen.

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