Durch Donald Trumps Verhandlungen mit dem Kreml sehen die Menschen in Russland die USA weniger als ein feindliches Land als zuvor. Die Umfrage des Lewada-Instituts für die Sacharow-Gesellschaft zeigt auch, wie stark die Einstellungen der Russen und Russinnen von der Propaganda geprägt sind.
Einst war Deutschland für Russen und Russinnen das russlandfreundlichste der westlichen Länder. Doch fast vier Jahre nach dem Angriffskrieg von Wladimir Putin gegen die Ukraine sieht eine Mehrheit der Menschen in Russland Deutschland als "Feind". Das ist das Ergebnis einer Studie des Lewada-Zentrums Moskau für die Deutsche Sacharow Gesellschaft.
Besonders aufgrund der Propaganda des Kreml erreichten bereits im Mai 2022 die negativen Bewertungen Deutschlands in der russischen Öffentlichkeit 66 Prozent – ähnlich hoch wie die der USA und Großbritanniens, heißt es in der Untersuchung.
Nach Donald Trumps Ankündigung eines "Deals” mit Russland nahm die offene Feindseligkeit gegenüber Washington der Studie zufolge ab, die Einstellungen der Befragten gegenüber Deutschland und Großbritannien blieben aber unverändert.
Wer sind die Feinde Russlands?
Der Leiter der Studie, der russische Soziologe Lew Gudkow vom unabhängigen Lewada-Zentrum Moskau erklärt in Berlin, viele Russen und Russinnen meinen, ihr Land sei "von Feinden umzingelt, während sie sich selbst als Opfer sehen".
In der Liste der "Feinde" steht Deutschland laut Umfrage hinter Polen, Litauen und Großbritannien an vierter Stelle - gefolgt von Schweden, den USA und Israel.
Für die Studie befragt wurden 1.612 repräsentativ aus der erwachsenen russischen Bevölkerung ausgewählte Personen aus 137 Ortschaften der Russischen Föderation im Februar 2025 sowie August und Oktober/November 2025.
Auch unter den Staaten, die die Befragten als "reale Gefahr" für Russland ansehen, steht Deutschland auf Platz 4.
Am negativsten gegenüber Deutschland eingestellt sind laut der Untersuchung ältere Befragte (70 Prozent), Moskauer (75 Prozent), diejenigen, die Putins Arbeit als Präsident gutheißen (62 Prozent), und diejenigen, die dem TV als Informationsquelle vertrauen (69 Prozent).
Am positivsten gegenüber Deutschland eingestellt sind junge Menschen unter 25 Jahren (48 Prozent), diejenigen, die glauben, dass die Dinge im Land falsch laufen (34 Prozent), diejenigen, die Putins Arbeit als Präsident nicht gutheißen (38 Prozent), sowie diejenigen, die alternative Informationsquellen nutzen (vor allem Telegram).
Laut der Umfrage wird von Russen und Russinnen der Wunsch geäußert, dass "Ausländer sich nicht in unsere Angelegenheiten einmischen sollen“ (66 Prozent) und "aufhören sollen, uns ihre Ideen aufzuzwingen“ (81 Prozent; 2024).
Auch Neid gegenüber dem Westen
Der Studie zufolge wird der Westen zugleich missbilligt und beneidet. Neid besteht gegenüber den wohlhabenden Ländern Europas und den USA.
Zwar sind Russen und Russinnen bereit, gewisse Einschränkungen für den Krieg gegen die Ukraine zu akzeptieren, doch diese Bereitschaft kommt aufgrund der hohen Verluste inzwischen an ihre Grenzen.
Zuletzt gab es in Russland einen Skandal, nachdem eine Bekleidungsfirma Influencer und Pressevertreter zu einer VIP-Reise in den einst bei Russen beliebten französischen Nobel-Skiort Courchevel geladen hatte.
Die Verbündeten: Nordkorea, China und Iran
Die Sacharow-Studie kommt zu dem Schluss, dass "das Prinzip Die Feinde meiner Feinde sind meine Freunde perfekt funktioniert". Denn: "Diktatorische oder autoritäre Regime wie Nordkorea, China und Iran erscheinen im kollektiven russischen Bewusstsein als Verwandte, da sie gleichfalls westliche Kultur, Demokratie und Liberalismus ablehnen. Ihre antiamerikanische Haltung macht sie in der öffentlichen Meinung sofort zu Verbündeten Russlands im Krieg gegen die Ukraine – denn die Mehrheit der Russen glaubt, dass der Krieg von den USA provoziert wurde."
Nordkorea hat Russland im Angriffskrieg gegen die Ukraine auch mit Soldaten unterstützt, der Iran liefert Shahed-Drohnen und China weigert sich, den Krieg zu verurteilen.
Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine, der seit dem Einmarsch der russischen Truppen am 24. Februar 2022 die Beziehungen des Westens zu Moskau überschattet, bestimmt immer stärker das Leben der Russen und Russinnen.
Studienautor und Soziologe Lew Gudkow sieht in Russland vorherrschend "antiliberale Propaganda sowie die Bildung eines autoritären Regimes, das immer repressiver und militaristischer wird."