Trumps wiederholte Gebietsansprüche auf Grönland, ein autonomes dänisches Territorium, haben die schwerste Krise der NATO seit ihrer Gründung 1949 ausgelöst.
Der Bürgermeister der grönländischen Hauptstadt hat am Donnerstag Medienschaffende und Content-Produzenten zu verantwortungsvollem Handeln aufgerufen. Anlass war ein Vorfall, bei dem ein deutscher Komiker versucht hatte, in Nuuk eine US-Flagge zu hissen.
Der 41-jährige bayerische Komiker Maxi Schafroth wollte die Stars and Stripes an einem Fahnenmast nahe des Kulturzentrums der Stadt aufziehen. Dabei wurde er jedoch von aufgebrachten Passanten gestoppt und zur Rede gestellt.
Auf Nachfrage gab Schafroth an, ein US-Beamter zu sein, bevor er sich unter den missbilligenden Blicken der Umstehenden entfernte, wie ein vor Ort anwesender Journalist der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Laut lokalen Medien wurde er anschließend bei der Polizei angezeigt und zu einer Geldstrafe verurteilt.
Avaaraq Olsen, Bürgermeisterin des Bezirks Kommuneqarfik Sermersooq, zu dem auch Nuuk gehört, reagierte empört auf den Vorfall.
"Die Flagge einer militärischen Supermacht, die seit Wochen mit Gewalt gegen unser Land droht, in unserer kulturellen Hauptstadt zu hissen, ist kein Witz", erklärte sie. "It is not funny. Es ist immens schädlich."
Olsen betonte, viele Grönländer, insbesondere Kinder, seien angesichts der aktuellen Lage verängstigt. "Wenn man diese Ängste für Inhalte, Klicks oder Lacher ausnutzt, ist man weder mutig noch kreativ", sagte sie. Man trägt vielmehr zur Verzweiflung einer ohnehin verletzlichen Bevölkerung bei."
Sie appellierte eindringlich an Medienschaffende: "Halten Sie inne, bevor Sie filmen. Denken Sie nach, bevor Sie etwas ‚Lustiges‘ inszenieren. Fragen Sie sich, ob Ihr nächster Stunt die Welt informiert – oder ob er ein Kind zum Weinen bringt oder eine Familie dazu, sich im eigenen Land unsicher zu fühlen."
Schafroth ist in Deutschland vor allem durch seine Auftritte in der Satiresendung "Extra Drei" bekannt, die vom NDR ausgestrahlt wird und regelmäßig mehr als eine Million Zuschauer erreicht. Der Sender äußerte im Gespräch mit dem Spiegel und der Nachrichtenagentur Ritzau sein "Bedauern" über den Vorfall.
Der Hintergrund des Zwischenfalls ist die angespannte politische Lage rund um Grönland. Die Regierung des autonomen dänischen Territoriums bemüht sich derzeit, die Sorgen und Ängste der Bevölkerung zu lindern, die durch wiederholte Äußerungen von US-Präsident Donald Trump ausgelöst wurden. Dieser hatte mehrfach erklärt, die Vereinigten Staaten müssten Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit übernehmen.
Trumps langjährige Gebietsansprüche auf Grönland haben die schwerste Krise in der Geschichte der NATO seit ihrer Gründung 1949 ausgelöst. Der US-Präsident argumentierte, ohne Belege vorzulegen, Russland oder China könnten andernfalls die Kontrolle über das arktische Gebiet erlangen.
Inzwischen hat Trump seine Drohung, Grönland mit Gewalt zu übernehmen, zurückgenommen und Gespräche mit Kopenhagen und Nuuk aufgenommen.