Ministerin Naaja Nathanielsen sagte Euronews: Grönlands Regierung will Klarheit über Trump-Forderungen. „Voller Zugriff auf Bodenschätze würde rote Linien überschreiten.“
Grönlands Ministerin für Mineralressourcen, Naaja Nathanielsen, sagte Euronews, ihre Regierung habe noch keine Klarheit über die Forderungen aus Washington in Sachen Grönland. US-Präsident Donald Trump behauptet zwar, es gebe bereits einen Rahmen für eine mögliche Vereinbarung.
„Wir müssen noch klären, worin die konkreten Interessen Amerikas liegen. Wir haben bislang wirklich nichts gehört“, sagte Ministerin Nathanielsen, deren Ressort auch Wirtschaft und Energie umfasst, in der Euronews-Interviewreihe 12 Minutes With.
Die USA, Grönland und Dänemark wollen Gespräche über ein Abkommen aufnehmen. Es würde den USA einen noch größeren Fußabdruck auf der arktischen Insel geben. Zuvor hatte Präsident Trump eine Kehrtwende vollzogen: Er wollte europäischen Ländern Strafzölle auferlegen, sollte ein Verkauf Grönlands an die USA nicht zustande kommen.
Die Gespräche wurden vereinbart, nachdem NATO-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos einen Ausweg aufzeigte und Trump von seinen Drohungen abließ.
Nathanielsen plädiert für zwei getrennte Verhandlungsstränge. Der erste soll die Verteidigung Grönlands stärken – mit mehr NATO-Präsenz im hohen Norden. Der zweite soll die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den USA vertiefen. Beide Bereiche müssten strikt getrennt bleiben, mahnte sie.
„Ich will kein Verteidigungsabkommen in irgendeiner Form mit dem Zugang zu unseren Mineralien verknüpfen“, sagte sie.
Die arktische Insel ist reich an kritischen Rohstoffen und Mineralien. Fachleute warnen jedoch: Ihre Förderung ist komplex und teuer und bringt kurzfristig wenig ein.
Nathanielsen betonte, Grönland sei ein „regelbasiertes“ Land und könne den USA keinen exklusiven Zugang zu Mineralien gewähren. Zugleich gebe es die Bereitschaft, die wirtschaftlichen Beziehungen zu vertiefen und beim Ausbau des Mineraliensektors zusammenzuarbeiten.
Ihre Regierung ist zudem bereit, das Verteidigungsabkommen von 1951 zwischen Dänemark und den USA in Bezug auf Grönland wieder aufzurollen. Das zuletzt 2004 aktualisierte Abkommen erlaubt Washington, mehr Soldaten auf der Insel zu stationieren – vorausgesetzt, die dänischen und grönländischen Behörden werden vorab informiert.
„Im Abkommen von 1951 haben die USA weitreichenden Zugang zu Grönland, und damit haben wir kein Problem. Auch mit einer gewissen Aktualisierung dieses Abkommens haben wir kein Problem“, sagte Nathanielsen. Zugleich betonte sie: Bei Souveränität und territorialer Integrität macht ihre Regierung keine Abstriche.
Aus dem Abkommen von 1951 entstanden Dutzende Militärstützpunkte auf der Insel; heute gibt es nur noch einen, die Pituffik Space Base.
Zur Frage, ob Grönland den USA Hoheitsrechte über einzelne Gebiete übertragen könnte, wollte Ministerin Nathanielsen sich nicht äußern. Zunächst brauche ihre Regierung konkrete Vorschläge aus der Trump-Regierung.
Viel „Wunschdenken“ in Europa
In den vergangenen Wochen stand Grönland im Zentrum eines geopolitischen Sturms. Die Welt war in Alarmbereitschaft, als Präsident Trump nicht ausschloss, die Insel mit Gewalt einzunehmen. Anschließend drohte er mit einem Handelskrieg, um Verhandlungen über mehr US-Einfluss auf der Insel zu erzwingen.
Trumps Drohungen haben Spuren in der grönländischen Gesellschaft hinterlassen. „Viele empfinden das Geschehen als ungerecht und können kaum fassen, dass ein Verbündeter uns so behandelt“, sagte Ministerin Nathanielsen.
Der Vorfall wirft zudem die unbequeme Frage auf, ob europäische Verbündete bereit wären, Grönland zu verteidigen, falls die USA Gewalt einsetzen, um die Insel zu erobern.
Als Reaktion auf Trumps jüngste Worte zur Kontrolle über Grönland entsandten mehrere europäische NATO-Staaten, darunter Frankreich, Deutschland und Schweden, Soldaten zu gemeinsamen Militärübungen nach Grönland – als Zeichen der Verteidigungsbereitschaft.
„In Europa gibt es derzeit viel Wunschdenken, das an früheren Gewissheiten festhält. Doch die Weltordnung verändert sich“, sagte Ministerin Nathanielsen.
„Wenn Grönland in Zukunft in irgendeiner Form auf dem Spiel steht, dann steht auch die gesamte westliche Welt auf dem Spiel“, fügte sie hinzu. Eine Annexion Grönlands wäre ein Bruch mit dem Völkerrecht. „Das würde die Lage nicht nur in Grönland verändern, sondern für alle, die betroffen sind und nach unseren Werten leben.“
Das gesamte Interview sehen Sie am Montag um sechs Uhr fünfzehn und neun Uhr fünfzehn MEZ bei Euronews.