Deutschland lagert 1.236 Tonnen Gold in den USA. Doch können wir Trump trauen? Deutsche Politiker wollen das Gold zurückholen. Eine große Mehrheit der Deutschen ist dafür. Experten warnen bei Euronews davor.
US-Präsident Donald Trump droht, Grönland einzunehmen. Wer ihn nicht unterstützt, wird neue Zölle zu spüren bekommen. Bürger und Politiker in Europa sind verunsichert. Das Vertrauen in die USA ist erschüttert.
Die Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im EU-Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), hat darauf eine Antwort, die im wahrsten Sinne des Wortes "goldwert" ist.
In den USA lagern 1.236 Tonnen deutschen Goldes im Wert von geschätzt rund 100 Milliarden Euro. Strack-Zimmermann verkündete jetzt, dass es angesichts von Trumps unberechenbarer US-Politik nicht länger vertretbar sei, die deutschen Goldreserven in der Federal Reserve in New York zu lagern. Damit entfachte sie eine heftige Debatte: zurückholen oder nicht zurückholen?
"Ökonomisch macht es nicht so viel Sinn", sagt Dr. Markus Demary, Senior Economist für Geldpolitik und Finanzmärkte beim Institut der deutschen Wirtschaft (IW), zu Euronews.
Deutschlands Goldschatz in den USA hat historische Gründe
Deutschland hat nach den USA mit etwa 3.350 Tonnen eine der größten Goldreserven der Welt. In den USA befinden sich etwa 36,6 Prozent des deutschen Goldes. Das hat historische Gründe und ist auf das Bretton-Woods-System fester Wechselkurse zurückzuführen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das internationale Währungssystem zusammengebrochen. Die Bindung der Weltwährung Dollar an Gold sollte Vertrauen schaffen.
"Alle Wechselkurse waren an den Dollar gekoppelt und der Dollar an den Goldpreis", so Dr. Demary. "Deutschland hat Exportüberschüsse gehabt. Wir haben mehr Waren in die USA verkauft als die USA an uns. Dadurch haben wir ganz viele Dollar gehabt", erklärt der Ökonom.
"Um den Wechselkurs konstant zu behalten, mussten wir die Dollar gegen Gold umtauschen. Dadurch haben wir Goldvermögen angesammelt. (...) Dieses ganze Goldvermögen ist noch aus dieser Zeit", sagt Dr. Demary.
Strack-Zimmermanns Forderung wird von der Mehrheit der Deutschen geteilt
Die Forderung, das Gold zurück nach Deutschland zu holen, gibt es schon lange. Laut einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für die Wirtschaftszeitschrift "Wirtschaftswoche" ist eine große Mehrheit der Deutschen für die Rückholung der Goldreserven.
Warum ist das Gold überhaupt in den USA? Wegen des Kalten Krieges wurde das Gold lange Zeit außerhalb Deutschlands gelagert. Die USA schienen eine sichere Variante - falls es zum Krieg mit der Sowjetunion gekommen wäre, erklärt Dr. Demary.
Doch dann hatte die Bundesbank entschieden, dass die Lagerung der Goldreserven in den USA nicht mehr zeitgemäß sei. Ab 2020 sollten 50 Prozent der Goldreserven im Inland gelagert werden. "Bis 2017 wurden 300 Tonnen Gold aus New York zurückgeholt, fast 380 Tonnen aus Paris und 900 Tonnen aus London", so der Ökonom.
Den Goldschatz reinholen: Was sind die Risiken?
Strack-Zimmermann und andere Politiker und Ökonomen verweisen auf Trumps unvorhersehbare Zoll- und Außenpolitik. Das sei der Grund, weshalb die Goldreserven aus den USA überführt werden sollten.
"Natürlich hat man immer ein gewisses Risiko, wenn man Sachen im Ausland hält", sagt auch Ökonom Dr. Demary. Es gäbe zum Beispiel ein gewisses Lagerrisiko, wenn eingebrochen werde. Doch dieses Risiko habe man immer, egal ob man das Gold im Ausland oder in Deutschland lagert.
Ein weiteres mögliches Szenario könnte sein, dass die US-Regierung wegen knapper Währungsreserven untersagen könnte, das Gold zu transferieren", so Dr. Demary.
Wie sieht die aktuelle Praxis aus?
Um die Sicherheit der Goldbestände zu gewährleisten, musste die Bundesbank in der Vergangenheit häufig nach New York reisen und eine Art Inventur machen, also überprüfen, ob der Goldgehalt stimmt, so Dr. Demary.
"Es macht Sinn, dieses Gold in den USA zu lassen, falls man hier eine Bankenkrise hat, und sich Dollar beschaffen müsste", so Dr. Demary.
Goldüberführung: Mehr Risiko als Nutzen
Es sei sicherer und sinnvoller, das Gold in den USA zu lassen, sagt Dr. Demary. Eine Rückholung des Goldes wäre nicht nur logistisch aufwändig, sondern auch risikoreich.
"Das Gold muss mit Geldtransportern bewacht auf ein Schiff kommen und da ebenfalls bewacht werden und dann wieder bewacht nach Frankfurt gebracht werden", sagt Dr. Demary. "Es können Überfälle stattfinden, das Schiff kann untergehen oder beschlagnahmt werden."
Ein weiterer Grund: 100 Milliarden klingen erst einmal nach viel Geld, doch "so viel ist es gar nicht," sagt Dr. Demary und gibt ein klares Bild der Lage:
Das Gold müsse in Relation zum Auslandsvermögen der Bundesrepublik betrachtet werden, sagt der Ökonom. "Das sind 2,9 Prozent des Auslandsvermögens, die in New York lagern, bezogen auf die Bilanzsumme der Bundesbank, 4,2 Prozent und bezogen auf unser BIP 2,2 Prozent."
Strack-Zimmermanns Goldforderung: reiner Populismus?
Ist Strack-Zimmermanns Forderung reine Symbolpolitik? "Ich denke ja", sagt der Ökonom.
"Vielleicht war das ein politischer Move, bezogen auf die Zollandrohungen, zu sagen: 'Wir holen jetzt unser Gold zurück.'"
Möglich sei auch, dass Strack-Zimmermann die Größenordnung dieses Goldwertes etwas größer eingeschätzt habe, als sie wirklich ist, so der Ökonom. Jedenfalls sei das Gold in New York sicher, selbst, wenn Trump damit Druck auf Deutschland ausüben wollte.
"Die Federal Reserve ist eigentlich unabhängig in ihrer Geldpolitik. Die US-Regierung kann nicht einfach reinreden. Dafür müssten sie erstmal Gesetze ändern", erklärt Dr. Demary.
Doch selbst wenn man von dem absoluten Ernstfall ausgehen würde, dass die USA das Gold nicht herausgeben würden: Es gäbe immer noch die Möglichkeit, vor ein Gericht zu gehen, und die Herausgabe oder einen Schadensersatz in Dollar zu erzwingen, sagt Dr. Demary.
"Man muss Vor- und Nachteile gegeneinander abwägen und ich würde sagen, die Vorteile, das Gold in den USA zu lassen, überwiegen", sagt Dr. Demary zu Euronews.