Skandal um das "Heute Journal": In einem Beitrag hat die Nachrichtensendung ein KI-Video sowie einen Clip aus 2022 verwendet und gerät nun in die Kritik.
So schlecht sah es für das ZDF lange nicht mehr aus: Am Wochenende verwendete das "Heute Journal" ein irreführendes KI-Video in einem Nachrichtenbeitrag und erntete dafür reichlich Kritik.
Der Clip sollte eine Frau zeigen, die von Beamten der Einwanderungsbehörde ICE verhaftet wurde. Zwei Kinder klammerten an ihr. Das Problem: Auf dem Clip prangt das Logo des KI-Videogenerators Sora. Der Ausschnitt ist offensichtlich Fake und KI-generiert.
FDP-Vize-Chef Wolfgang Kubicki kritisierte danach das ZDF hart: "Eine Sendung, die mit falschem, KI-generiertem Bildmaterial arbeitet, sollte sich eigentlich nicht mehr ‚Nachrichtensendung‘ nennen dürfen. Das ZDF hat gestern 3,6 Millionen Zuschauer in die Irre geführt. Es ist ein Medienskandal, der uns noch lange beschäftigen wird."
Ähnlich sieht es auch Dario Schramm, Sprecher des Jungen Wirtschaftsforums der SPD: "Es ist absolut keine Lappalie, wenn das ZDF in einem Beitrag ein KI-Video inmitten von echten Videos einbettet. Sowas darf nicht passieren. Zumal das Ganze auch ganz bewusst passiert sein muss: Das KI-Wasserzeichen war klar zu sehen. Wieso hat das vorher niemand gestoppt?"
Am Dienstagabend entschuldigte sich die stellvertretende ZDF-Chefredakteurin Anne Gellinek offiziell im "Heute Journal" bei den Zuschauern: Es war ein "Doppelfehler, den wir nun sorgfältig aufarbeiten und der besonders schmerzt, weil wir hier bei den ZDF-Nachrichten sehr viel Kraft investieren, um Ihnen geprüfte Informationen zu liefern. Das ist uns diesmal nicht gelungen", so Gellinek. "Dieser Beitrag entsprach nicht unseren hohen Standards."
"Das Benutzen solcher KI-Bilder widerspricht den KI-Regeln, die im ZDF Standard sind", kommentierte ZDF-Moderator Stefan Leifert in einer Richtigstellung des Beitrags im "Heute Journal". "Der Einsatz KI-generierter Bilder und Videos von Menschen, Ereignissen und politischen Zusammenhängen ist im Nachrichtenbereich nicht möglich. Ausnahme: Es geht in Berichten ausdrücklich um KI-Fakes."
Zudem wurde in dem Beitrag die Verhaftung eines Jugendlichen gezeigt. Der Clou: Der Clip stammt aus 2022. Aufgenommen wurde er im US-Bundesstaat Florida nach einer Amokdrohung. "Das hat die Redaktion vor Ausstrahlung nicht rechtzeitig erkannt", so Leifert. Das ZDF nutzte für Bilder und Videos aus sozialen Medien Prüf- und Verifikationsverfahren. "Sie wurden in diesem Fall zu spät angewandt."
Manipulationsvorwürfe auch gegen BBC
Doch nachdem das in dem entsprechenden Beitrag nicht der Fall war, wäre auch eine Kennzeichnung nicht ausreichend gewesen. Auf diese verwies das ZDF anfänglich, wie das Online-Medium Apollo News aus einer Mitteilung des ZDF zitiert. Sie sei aus "technischen Gründen nicht übertragen" worden.
Aufsehen erregte zuletzt ein ähnlicher Fall, in dessen Zentrum der britische öffentlich-rechtliche Sender BBC steht. Wegen Berichterstattung, die "absichtlich, böswillig und täuschend verfälschend" sei, verklagt US-Präsident Donald Trump den Sender. In einer im Oktober 2024 zuerst ausgestrahlten Dokumentation schnitten die Macher des Films Ausschnitte aus einer Trump-Rede irreführend zusammen.
"Wir werden zum Kapitol hinuntergehen, und wir werden unsere mutigen Senatoren sowie Kongressabgeordneten anfeuern", sagte der heutige US-Präsident zu einer Menschenmenge in Washington D.C. Etwa 50 Minuten später folgte der Satz: "Und wir kämpfen. Wir kämpfen wie die Hölle."
Die Redaktion der Doku fügte die Sätze zusammen, sodass der Satz "Wir werden zum Kapitol hinuntergehen … und ich werde bei euch sein. Und wir kämpfen. Wir kämpfen wie die Hölle" entstand. Die BBC entschuldigte sich für ihr "Fehlurteil".