Nach der neuesten "Epstein Files"-Veröffentlichung wird das Internet mit manipulierten KI-Bildern überschwemmt, die ihn angeblich mit Politikern zeigen – doch viele davon sind gefälscht.
Die Freigabe von rund drei Millionen zusätzlichen Seiten aus den Akten des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein durch das US-Justizministerium hat eine Welle wilder Spekulationen über sein Netzwerk aus reichen und mächtigen Kontakten ausgelöst.
Die veröffentlichten Dokumente – darunter Bilder, Videos, Textnachrichten und E-Mails – haben zugleich massive Desinformation befeuert. Dazu zählen auch von künstlicher Intelligenz erzeugte Bilder, die den heutigen New Yorker Bürgermeister Zohran Mamdani neben Epstein zeigen.
Auf einem dieser manipulierten Fotos ist Mamdani als Kind gemeinsam mit seiner Mutter, der Filmemacherin Mira Nair, sowie mit Ghislaine Maxwell, Jeffrey Epstein, Bill Clinton, Bill Gates und Jeff Bezos zu sehen.
Das Faktencheck-Team von Euronews hat die Bilder untersucht
Das Faktencheck-Team von Euronews, The Cube, untersuchte die Bilder, nachdem mehrere Ungereimtheiten aufgefallen waren. Eine Analyse mit Google Gemini ergab, dass das Bild eine sogenannte SynthID enthält – ein unsichtbares Wasserzeichen, das von Google zur Kennzeichnung KI-generierter Inhalte entwickelt wurde.
Zudem trägt das Foto ein "DFF"-Wasserzeichen. Eine umgekehrte Bildersuche führte zu dem X-Account @DumbFckFinder, der ausdrücklich als Parodie-Account gekennzeichnet ist. Dort wurden mehrere Bilder verbreitet, die Politiker in offensichtlich unrealistischen Situationen mit Epstein zeigen – darunter auch eines, das Epstein mit dem verstorbenen Astrophysiker Stephen Hawking zeigt, der angeblich in einen "geheimen Tunnel" taucht.
Parallel dazu kursierten in sozialen Netzwerken teils abwegige Theorien. Einige Nutzer behaupteten etwa, Epstein sei Mamdanis Vater, und versuchten, vermeintliche Ähnlichkeiten in den Gesichtszügen zu konstruieren.
Zwar wird Mamdanis Name in den Epstein-Akten fünfmal erwähnt, diese Verweise stehen jedoch ausschließlich im Zusammenhang mit Zeitungsausschnitten. Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Epstein jemals mit Mamdani korrespondiert oder über ihn geschrieben hat.
Viele der KI-generierten Bilder wurden gemeinsam mit einer E-Mail geteilt, die die US-Publizistin Peggy Siegal im Oktober 2009 an Epstein schickte und die in den Akten enthalten ist. Darin erwähnt Siegal Mamdanis Mutter im Zusammenhang mit einer Afterparty zu ihrem Film Amelia, die 2009 im New Yorker Stadthaus von Ghislaine Maxwell stattfand. Die E-Mail legt nahe, dass Epstein selbst bei der Veranstaltung nicht anwesend war.
Zum Zeitpunkt der Vorführung wäre Mamdani 17 Jahre alt gewesen – und keineswegs ein Baby, wie es auf einigen der manipulierten Bilder dargestellt wird.
Der Account, der die Bilder verbreitete, schien sich zudem über deren Reichweite zu freuen. In einem Beitrag hieß es: "Verdammt, ihr habt versagt. Ich habe ihn absichtlich zu einem Baby gemacht."
Am 4. Februar reagierte Mamdani öffentlich auf die Fälschungen. Er erklärte: "Für mich persönlich ist es unglaublich schwierig, Bilder zu sehen, von denen man weiß, dass sie gefälscht, offensichtlich manipuliert und von künstlicher Intelligenz erzeugt wurden – und die trotzdem in einer Zeit der Fehlinformationen die ganze Welt erreichen."
Auch andere Politiker gerieten ins Visier solcher Bildmanipulationen. Ein weiteres Foto, das Epstein angeblich mit dem britischen Politiker und Vorsitzenden der rechtsextremen Partei Reform UK, Nigel Farage, zeigt, wurde von der Labour-Partei-Gruppe in Wrexham auf X geteilt, nachdem es sich im Netz verbreitet hatte.
Das Bild zeigt Epstein und Farage, die in einem Wohnzimmer Arm in Arm stehen. Es wurde mit Kommentaren wie "Ich werde weder für Farage noch für Reform stimmen" oder "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" auf X und Threads geteilt. Inzwischen hat die Labour-Gruppe das Bild gelöscht.
In den Epstein-Akten finden sich keinerlei Hinweise auf ein Treffen oder einen direkten Kontakt zwischen Epstein und Farage. Die wenigen Erwähnungen Epsteins stehen im Zusammenhang mit Zeitungsausschnitten sowie mit Gesprächen über die britische Politik zwischen Epstein und Steve Bannon, einem ehemaligen Strategen des Weißen Hauses, der sich laut Dokumenten regelmäßig mit Epstein über rechtsextreme Parteien in Europa austauschte.
Farage erklärte gegenüber Sky News Australia, er habe Epstein nie getroffen und sei auch nie auf Little Saint James gewesen – der Privatinsel auf den US-Jungferninseln, die gemeinhin als "Epstein Island" bekannt ist und die Epstein mutmaßlich als Basis für den sexuellen Missbrauch Minderjähriger nutzte.
Im Gegensatz zu anderen Fälschungen konnten KI-Analyseprogramme nicht eindeutig feststellen, ob das Bild mit Farage von einer KI generiert wurde. Eine Untersuchung durch Google Gemini ergab keine SynthID, und auch andere Erkennungstools lieferten kein klares Ergebnis. Hinweise auf eine mögliche Manipulation sind jedoch eine uneinheitliche Beleuchtung sowie unnatürlich ausgerichtete Hemden, die nicht zu den Schattenverläufen passen.
Macron im Visier russischer Bots
Auch der französische Präsident Emmanuel Macron wurde Ziel gezielter Desinformation. Das ukrainische Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation identifizierte das Bot-Netzwerk "Matroschka", das gefälschte Titelblätter französischer Zeitungen verbreitete, auf denen Macron mit Epstein in Verbindung gebracht wird.
Ein solches Cover, das die Tageszeitung Libération imitiert, fragt: "Was hat Emmanuel Macron 18 Mal auf Epsteins Insel gemacht, als er französischer Wirtschaftsminister war?"
Für eine solche Veröffentlichung gibt es keinerlei Belege. Zwar wird Macron in den Akten erwähnt, doch auch hier existieren keine Hinweise auf eine direkte Kommunikation zwischen ihm und Epstein. Die Nennungen stammen überwiegend von Dritten. Es gibt zudem keinerlei Beweise dafür, dass Macron in Epsteins Sexualverbrechen verwickelt war.