Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Schweden: Polen zu Zwangsarbeit gezwungen – Hundefutter als Mahlzeit

Polizei Malmö
Polizei Malmö Copyright  Facebook/Polisen Malmö
Copyright Facebook/Polisen Malmö
Von Agata Todorow
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Ein Gericht in Malmö hat sein Urteil in einem Fall gefällt, der die Öffentlichkeit in Schweden und Polen gleichermaßen schockiert. Es geht um die Ausbeutung polnischer Arbeiter unter sklavenähnlichen Bedingungen.

Darum ging es in dem Fall: Drei Polen waren nach Südschweden zur Arbeit angeworben worden. Es lockten hohe Löhnen und sicheren Arbeitsplätze. Doch schon bei ihrer Ankunft zeigte sich die Realität von einer völlig anderen Seite: Die Arbeits- und Lebensbedingungen waren extrem unmenschlich, die Männer wurden buchstäblich von der Außenwelt isoliert.

WERBUNG
WERBUNG

Zum Essen: Hundefutter

Die Opfer mussten sechs Tage die Woche schwere körperliche Arbeit verrichten, oft ohne ausreichende Pausen oder Schutzausrüstung. Einer der Arbeiter erhielt praktisch keinen Lohn. In einer Hungerphase war er gezwungen, Hundefutter und Äpfel zu essen, um zu überleben. Zudem wurden ihnen ihre Ausweispapiere abgenommen, und ihre Unterkunft war heruntergekommen – ohne Heizung, fließendes Wasser oder hygienische Einrichtungen.

Arbeitsrechtsexperten und Organisationen sehen in solchen Praktiken ein typisches Beispiel für Menschenhandel und Zwangsarbeit, die in Schweden streng geahndet werden.

Nach Angaben von Arbetet.se, einer schwedischen Online-Plattform rund ums Arbeitsrecht, erhielten die beiden anderen Männer lediglich 25–30 % des ihnen ursprünglich versprochenen Lohns. Sie mussten deutlich mehr arbeiten, als vereinbart war. Neben den üblichen Bauarbeiten an verschiedenen Orten waren sie auch für Autoreparaturen zuständig und halfen auf einem Bauernhof. Da sie keinen Zugang zu Maschinen oder Baugeräten hatten, erledigten sie die gesamte Arbeit von Hand – ohne jegliche persönliche Schutzausrüstung.

Urteil – harte Strafe und Entschädigung für die Opfer

Der 35-jährige Arbeitgeber, der die Polen ausgebeutet hatte, wurde zu 2 Jahren und 10 Monaten Gefängnis verurteilt. Das Gericht in Malmö stellte klar, dass er wissentlich gehandelt hatte und die Arbeiter unter unmenschlichen Bedingungen zur Arbeit gezwungen sowie ihrer Grundrechte beraubt hatte.

Darüber hinaus ordnete das Gericht an, umgerechnet mehr als 80.000 € an die drei Opfer zu zahlen – als Entschädigung für nicht gezahlte Löhne und Verletzung ihrer Würde sowie der Lebensbedingungen.

Präzedenzfall im Kampf gegen Arbeitnehmerausbeutung

Das Urteil aus Malmö gilt als Präzedenzfall. Experten betonen, dass es zeigt, wie ernst die schwedische Justiz Fälle von Zwangsarbeit und Ausbeutung ausländischer Arbeitnehmer nimmt. Bislang waren die Strafen für ähnliche Vergehen vergleichsweise mild.

"In diesem Fall wurden schwedisches Recht, europäisches Recht und internationales Recht verletzt. Es handelt sich um ein Verbrechen, das das Verbot von Zwangsarbeit gemäß der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Konvention der Internationalen Arbeitsorganisation betrifft", erklärt Dr. Jędrzej Jachira von der Kanzlei Sobota Jachira in einem Interview mit Euronews.

Er weist darauf hin, dass ein ähnlicher Fall in Polen als Straftat geahndet würde, darunter Menschenhandel, beharrliche Verletzung von Arbeitnehmerrechten, Gefährdung, Nötigung sowie weitere Verstöße gegen das Arbeitsrecht. Täter könnten mit bis zu 20 Jahren Freiheitsstrafe bestraft werden.

"Die Ausbeutung von Arbeitnehmern würde zudem ein Tätigkeitsverbot, strafrechtliche Verurteilungen einschließlich Freiheitsstrafen und umfassende Schadensersatzpflichten nach sich ziehen", ergänzt Dr. Jachira.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Ein Jahr nach Northvolts Pleite: Schwedische Greentech-Szene ist noch nicht am Ende

IKEA, aber kein ABBA? Aufschrei über Schwedens Kulturerbe-Liste

Schiebt Schweden Einwanderer ab, wenn sie sich "nicht an westliche Werte halten"?