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Trump-Tracker: Warum wir jeden Klimaangriff des US-Präsidenten 2026 protokollieren

US-Präsident Donald Trump erklärt bei einem Auftritt mit EPA-Chef Lee Zeldin, dass die Umweltbehörde künftig keine Treibhausgase mehr reguliert.
US-Präsident Donald Trump tritt mit dem EPA-Chef Lee Zeldin auf. Bei dem Termin kündigt er an, dass die Umweltbehörde Treibhausgase nicht mehr reguliert. Copyright  Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved
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Von Liam Gilliver mit AP
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Euronews Green nimmt den mächtigsten Mann der Welt in die Pflicht und dokumentiert, wie er in diesem Jahr den Klimaschutz systematisch ausbremst.

In einer von Unsicherheit gelähmten Welt steht eines fest: 2026 wird als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem Donald Trump im Alleingang Jahrzehnte an Fortschritten im Klimaschutz zunichtegemacht hat.

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Seit seiner Rückkehr ins Weiße Haus kehrt der Präsident den wissenschaftlichen Fakten den Rücken. Seine Regierung löst internationale Zusagen und Institutionen rücksichtslos auf, um die Profite der großen Klimasünder zu schützen.

Damit entzieht er den USA – dem größten historischen Verschmutzer der Welt – jede Form von Verantwortung. Zugleich rückt die Welt gefährlich nah an einen unumkehrbaren Klimakollaps heran.

Doch die Klimakrise und ihre verheerenden Folgen kennen keine Grenzen. Was ein Staat tut, betrifft am Ende alle.

Deshalb berichtet Euronews Green konsequent über Trumps klimapolitische Rückschritte – von seiner „drill baby drill“-Haltung zu Venezuelas Ölvorkommen bis zu seinen ständigen Behauptungen, Windenergie sei „Betrug“.

Die Entwicklung ist rasant. Um den Überblick zu behalten, haben wir den Trump Tracker gestartet – ein Dossier, das jede Maßnahme des Präsidenten festhält, mit der er die Fossilkonzerne stärkt und Fortschritte ausbremst.

Erst zwei Monate des Jahres 2026 sind vorbei, und wir kommen mit dem Dokumentieren bereits kaum hinterher.

März: Ein harter Schlag auf hoher See

„Unglaublich sadistischer“ Angriff auf Wale

Am dritten März kündigte die Trump-Regierung an, die Geschwindigkeitsbegrenzungen für Schiffe vor der Atlantikküste aufzuheben. Diese Limits schützen Wale, darunter den akut bedrohten Nordatlantischen Glattwal.

Die Tempolimits gelten seit 2008. Sie wurden eingeführt, um auf klimabedingte Veränderungen im Ozean zu reagieren. Studien zeigen, dass langsamere Schiffe das Risiko deutlich verringern, dass Wale von ihnen gerammt werden.

Die neue Bekanntmachung soll die Begrenzungen nun durch „unbewiesene technologische Lösungen“ ersetzen, die das Center for Biological Diversity (Quelle auf Englisch) nicht für einen angemessenen Ersatz für langsamer fahrende Schiffe hält.

„Es ist unglaublich sadistisch, eine Maßnahme zu zerstören, die bedrohte Wale vor rasenden Schiffen schützt“, sagt Rachel Rilee, Expertin für Ozeanpolitik beim Center for Biological Diversity.

„Die Trump-Regierung greift einen der wenigen Schutzmechanismen an, die Nordatlantische Glattwale überhaupt noch vor dem Aussterben bewahren. Für diese Tiere ist das ein brutaler Rückschlag – sie brauchen weit mehr Unterstützung, auf die sie rechtlich sogar Anspruch haben. Es widert mich an, dass die Regierung sich ausgerechnet diese beliebten Tiere vornimmt.“

Februar: Noch mehr Rückzug, noch weniger Wissenschaft

„Wunderschöne, saubere Kohlekraft“

Am elften Februar unterzeichnete Trump ein Dekret, das das Verteidigungsministerium anweist, mehr Strom aus Kohlekraftwerken zu beziehen – der schmutzigsten und klimaschädlichsten Art der Energieerzeugung.

„Beim Verbrennen stößt Kohle deutlich mehr Kohlendioxid aus als Öl oder Gas und ist damit der klimaschädlichste aller fossilen Brennstoffe“, erklärt Greenpeace. „Kohle erzeugt zudem giftige Stoffe wie Quecksilber und Arsen sowie feinste Rußpartikel, die zur Luftverschmutzung beitragen.“

In dem Dekret tauchen Klimawandel und Umweltschäden durch Kohle kein einziges Mal auf. Stattdessen ist dort von „wunderschöner, sauberer Kohlekraft“ die Rede.

Aufhebung der Gefährdungsfeststellung

Am zwölften Februar kassierte die Trump-Regierung offiziell eine wissenschaftliche Feststellung, die lange die zentrale Grundlage für US-Maßnahmen gegen hitzetrappende Gase war.

Die Umweltbehörde EPA veröffentlichte eine endgültige Regel, mit der sie eine Erklärung aus dem Jahr 2009 widerruft, die als „endangerment finding“ bekannt ist. Diese Richtlinie aus der Obama-Ära stellte fest, dass Kohlendioxid und andere Treibhausgase die Gesundheit der Bevölkerung und ihr Wohlergehen gefährden.

Die Gefährdungsfeststellung bildet das juristische Fundament fast aller Klimaschutzauflagen im Rahmen des Clean Air Act – für Autos, Kraftwerke und andere Quellen, die den Planeten aufheizen. Sie begründet Vorschriften wie strengere Abgasnormen, die vor Folgen der Klimakrise schützen sollen: tödliche Überschwemmungen, extreme Hitzewellen, verheerende Waldbrände und andere Naturkatastrophen in den USA und weltweit.

„Die Trump-Regierung gibt ihre zentrale Verantwortung auf, uns vor Extremwetter und der sich beschleunigenden Erderwärmung zu schützen“, sagt Abigail Dillen, Präsidentin der Umweltrechtsorganisation Earthjustice.

„Die Entscheidung der EPA lässt sich weder mit geltendem Recht noch mit der Wissenschaft oder der Realität der zunehmenden Katastrophen vereinbaren. Earthjustice und unsere Partner werden die Regierung vor Gericht bringen.“

Januar: UN-Ausstieg, Venezuelas Öl und Gerichtsstreit

„Was ist aus der globalen Erwärmung geworden?“

In der letzten Januarwoche zog ein gefährlicher Wintersturm über große Teile der USA hinweg. Mindestens sieben Menschen starben, Tausende Haushalte waren zeitweise ohne Strom, Tausende Flüge fielen aus.

Trump nutzte das Unwetter, um erneut Zweifel an der Erderwärmung zu säen. Auf der konservativen Plattform Truth Social schrieb er: „Record Cold Wave expected to hit 40 states. Rarely seen anything like it before.

Could the Environmental Insurrectionists please explain - WHATEVER HAPPENED TO GLOBAL WARMING?“

Mehr als ein Dutzend Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler erklärten der Nachrichtenagentur AP, die Aussagen des Präsidenten seien falsch. Sie betonen, dass es auch in einer wärmeren Welt Winter und Kälte gibt – und nie jemand das Gegenteil behauptet habe. Während es im Osten der USA friert, ist ein großer Teil der Erde wärmer als im Durchschnitt. Fachleute erinnern zudem daran, dass lokales Tageswetter etwas anderes ist als langfristige, weltweite Klimaentwicklung.

Meteorologinnen und Meteorologen weisen außerdem darauf hin, dass die globale Erwärmung der vergangenen Jahrzehnte Kältewellen heute ungewöhnlich erscheinen lässt. In den Regierungsstatistiken finden sich jedoch deutlich kältere Phasen in der Vergangenheit.

„Dieser Social-Media-Post quetscht eine bemerkenswerte Menge aufheizender Sprache und sachlich falscher Behauptungen in einen sehr kurzen Text“, sagt der Klimaforscher Daniel Swain vom California Institute for Water Resources. „Fest steht: Die globale Erwärmung hält an – und hat sich in den vergangenen Jahren sogar beschleunigt.“

„Stumpfe“ Tirade gegen Windkraft

Beim World Economic Forum (WEF) in Davos verbreitete Trump am einundzwanzigsten Januar in einer mehr als einstündigen Rede eine Reihe fragwürdiger Behauptungen – über Grönland, die NATO und erneuerbare Energien.

Unter anderem sagte er, China produziere „fast alle“ Windturbinen der Welt, die er weiterhin abfällig „Windmühlen“ nennt.

„Ich konnte allerdings keine Windparks in China finden“, sagte er. „Haben Sie darüber schon einmal nachgedacht? Das ist eine gute Art, sich das anzusehen. China ist sehr schlau. Sie bauen [Windturbinen].“

Präsident Donald Trump spricht mit Journalistinnen und Journalisten an Bord der Air Force One, nachdem er das Weltwirtschaftsforum in Davos verlassen hat und auf dem Weg nach Washington ist, Donnerstag, 22. Januar 2026.
Präsident Donald Trump spricht mit Journalistinnen und Journalisten an Bord der Air Force One, nachdem er das Weltwirtschaftsforum in Davos verlassen hat und auf dem Weg nach Washington ist, Donnerstag, 22. Januar 2026. Copyright 2026 The Associated Press. All rights reserved

Trump behauptete außerdem, China verkaufe Windturbinen für ein „Vermögen“ an andere Länder. „Sie verkaufen sie an die dummen Leute, die sie kaufen, nutzen sie aber selbst nicht“, sagte er.

Nach Angaben des Energie-Thinktanks Ember (Quelle auf Englisch) entfielen 2024 rund 40 Prozent der weltweiten Windstromerzeugung auf China. Im April 2025 lieferten Wind- und Solarenergie dort erstmals mehr als ein Viertel des Stroms.

China beherbergt außerdem den größten Windpark der Welt, der sogar aus dem All sichtbar ist. Der Gansu-Windpark im Wüstengebiet der westlichen Provinz Gansu wird seit 2009 gebaut; die erste Ausbaustufe war schon ein Jahr später fertig. Heute drehen sich dort bereits mehr als 7.000 Turbinen.

Blockade von Fördergeldern für saubere Energie

Am elften Januar entschied ein Bundesrichter, dass die Trump-Regierung rechtswidrig gehandelt hat, als sie Förderzusagen für saubere Energie im Umfang von 7,6 Milliarden Dollar (rund 6,52 Milliarden Euro) strich – bei Projekten in Bundesstaaten, die 2024 für Kamala Harris gestimmt hatten.

Die Zuschüsse unterstützten Hunderte Vorhaben in sechzehn verschiedenen Bundesstaaten. Dazu gehören Batteriefabriken, Wasserstoffprojekte, der Ausbau der Stromnetze und Programme zur Abscheidung von Kohlendioxid.

Das Energieministerium erklärte, die Projekte seien nach einer Überprüfung eingestellt worden, weil sie die Energiebedürfnisse des Landes nicht ausreichend voranbrächten oder wirtschaftlich nicht tragfähig seien. Haushaltsdirektor Russell Vought schrieb in sozialen Medien, „die Klimaagenda der Linken“ werde damit gestoppt.

US-Bezirksrichter Amit Mehta befand jedoch, dass der Schritt gegen das verfassungsrechtliche Gebot der Gleichbehandlung verstoße.

Anne Evens, Geschäftsführerin von Elevate Energy, einer der betroffenen Organisationen, betonte, das Urteil helfe, saubere Energie erschwinglich zu halten und neue Jobs zu schaffen.

Sie sagte zu AP: „Erschwingliche Energie sollte für alle Realität sein, und die Wiederherstellung dieser Fördergelder ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg dorthin.“

Trumps Interesse an Grönland

Trumps wachsende Fixierung auf Grönland alarmiert Umweltschützerinnen und Umweltschützer. Sie fürchten, dass es ihm vor allem um die dortigen Mineralien geht, die als „essenziell“ für die Energiewende gelten.

Eine Untersuchung aus dem Jahr 2023 ergab, dass 25 der 34 von der EU-Kommission als „kritische Rohstoffe“ eingestuften Mineralien in Grönland vorkommen. Das Land soll 36 bis 42 Millionen Tonnen Seltenerdoxide beherbergen und verfügt damit über die zweitgrößten Reserven nach China.

Eine stärkere Ausbeutung dieser Vorkommen könnte den USA helfen, ihre Abhängigkeit von China zu verringern, das derzeit über 90 Prozent der weltweiten Seltene-Erden-Mineralien verarbeitet – und ihnen mehr Einfluss verschaffen, da die Nachfrage steigt.

Schon in seiner ersten Amtszeit legte Trump Gesetze vor, um die amerikanische Mineralförderung zu steigern, und trieb den Tiefseebergbau sowohl in US-Gewässern als auch in internationalen Meeresgebieten voran.

Manche Fachleute glauben allerdings, dass Grönlands Mineralreichtum nur als Vorwand für Trumps wahre Motive dienen könnte.

Neue Ernährungsempfehlungen

Das US-Gesundheitsministerium und das Landwirtschaftsministerium stehen in der Kritik, seit sie ihre Ernährungsempfehlungen für 2026 veröffentlicht haben. Darin fordern sie die US-Haushalte auf, vor allem auf „vollwertige, nährstoffreiche Lebensmittel“ zu setzen.

Auf der neuen Ernährungspyramide steht im Bereich „Protein“ ein Bild mit rotem Steak und Hackfleisch ganz oben – obwohl Rindfleisch pro Gramm Eiweiß rund zwanzigmal mehr Treibhausgase verursacht als pflanzliche Alternativen wie Bohnen und Linsen.

Diese beiden Lebensmittel erscheinen nicht in der Pyramide, werden aber in den ausführlichen Leitlinien erwähnt.

„Es gibt zwar viele Wege, unseren Proteinbedarf zu decken, doch nicht alle Proteinquellen wirken sich gleich auf Menschen und Umwelt aus“, sagt Raychel Santo, Ernährungs- und Klimaforscherin am World Resources Institute (WRI).

„Vor allem Rind und Lamm haben einige der höchsten Umweltkosten aller eiweißreichen Lebensmittel – mit deutlich höheren Treibhausgasemissionen, Flächenverbrauch und Wasserverschmutzung pro Portion Protein als die meisten Alternativen.“

Kontrolle über Venezuelas Öl

Nachdem US-Spezialkräfte Venezuelas Präsidenten und seine Ehefrau in einer Blitzoperation verschleppt hatten, zeigte Trump rasch sein Interesse an den Ölreserven des Landes.

Venezuela verfügt über die größten bestätigten Erdölreserven der Welt, schätzungsweise 303 Milliarden Barrel Rohöl – mehr als Petrostaaten wie Saudi-Arabien und Iran.

Trump bekräftigte umgehend, die USA würden „sehr stark“ in die Ölindustrie des Landes einsteigen. Große US-Konzerne sollten Venezuelas marode Infrastruktur reparieren und „anfangen, Geld für das Land zu verdienen“. In einem Interview am achten Januar sagte er, die USA könnten Venezuelas Ölreserven jahrelang nutzen.

In einer Zeit rasant fortschreitender Klimazerstörung ist der gierige Blick auf Venezuelas gewaltige Ölreserven gleichermaßen verantwortungslos und gefährlich
Mads Christensen
Greenpeace International

„Der einzige sichere Weg nach vorn ist ein gerechter Ausstieg aus den fossilen Energien – einer, der die Gesundheit schützt, Ökosysteme bewahrt und Gemeinschaften stärkt, statt sie für kurzfristige Profite zu opfern“, ergänzt Christensen.

USA steigen aus UN-Klimavertrag aus

Der Präsident sah sich dem Vorwurf ausgesetzt, auf einen „neuen Tiefpunkt“ zu sinken, nachdem er die USA aus einem zentralen Klimavertrag der Vereinten Nationen herausführte – Teil eines umfassenden Rückzugs aus globalen Institutionen.

In einem Präsidialerlass, den Trump am siebten Januar unterzeichnete, argumentiert er, es liege „nicht im Interesse der USA“, Mitglied von mehr als sechzig internationalen Organisationen, Verträgen und Konventionen zu bleiben, sich daran zu beteiligen oder sie zu unterstützen.

Betroffen sind unter anderem die Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen (UNFCCC), die Treibhausgasemissionen stabilisieren soll, und der Weltklimarat IPCC, die weltweit führende wissenschaftliche Instanz zur Klimaforschung.

„Zu einem Zeitpunkt, an dem steigende Meeresspiegel, Rekordhitze und tödliche Katastrophen dringendes, koordiniertes Handeln verlangen, entscheidet sich die US-Regierung für den Rückzug“, sagt Rebecca Brown, Präsidentin und Geschäftsführerin des Center for International Environmental Law (CIEL).

„Die Entscheidung, die UNFCCC nicht länger zu finanzieren und zu verlassen, entbindet die USA nicht von ihren rechtlichen Verpflichtungen, Klimawandel zu verhindern und Klimaschäden zu beheben – wie das höchste Gericht der Welt im vergangenen Jahr klar gestellt hat.“

Am 27. Januar vollzog Trump zudem offiziell den Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen – einen Schritt, den er bereits an seinem ersten Tag im Amt, dem 20. Januar 2025, eingeleitet hatte. Damit sind die USA das einzige Land, das sich aus dem Pakt zurückgezogen hat, der die Erwärmung auf 1,5 Grad über dem vorindustriellen Niveau begrenzen soll. Iran, Libyen und Jemen gehören zu den wenigen Staaten, die dem Abkommen nie beigetreten sind.

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