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Warum Europas Himmel orange leuchten: gigantische Sahara-Staubwolke zieht heran

Der Park Cerro del Tio Pio in Madrid, Spanien, am Mittwoch, 16. März 2022.
Der Park Cerro del Tio Pio in Madrid, Spanien, am Mittwoch, dem 16. März 2022. Copyright  AP Photo Manu Fernandez
Copyright AP Photo Manu Fernandez
Von Jeremy Wilks
Zuerst veröffentlicht am
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"Es zeigt einfach, wie eng wir über Grenzen und Kontinente hinweg verbunden sind", sagt der Copernicus-Wissenschaftler Mark Parrington.

Wer in Spanien, Portugal oder Frankreich lebt, sollte mit der Autowäsche besser noch warten.

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Eine riesige Wolke aus Saharastaub zieht derzeit über das Mittelmeer nach Westeuropa. Sie bringt orangefarbene Sonnenuntergänge, milchige Horizonte und einen feinen Film Wüstensand, der sich auf alles legt: auf Windschutzscheiben ebenso wie auf Solaranlagen.

Nach den jüngsten Prognosen des Copernicus Atmosphere Monitoring Service (CAMS) verlagert sich die Staubwolke in den kommenden Tagen weiter nach Norden. Sie verschlechtert die Luftqualität auf der Iberischen Halbinsel deutlich und kann sogar bis nach Großbritannien und Skandinavien reichen.

Die Staubpartikel stammen aus der Sahara. Winde haben sie in große Höhen transportiert und über tausende Kilometer nach Europa geweht. „Es zeigt nur, wie eng wir über Grenzen und Kontinente hinweg durch die Zusammensetzung der Atmosphäre miteinander verbunden sind“, sagt Mark Parrington, Senior Scientist bei CAMS.

Welche Gesundheitsrisiken birgt PM10-Staub?

Der Staub sorgt zwar für spektakuläre Fotos in Sepiatönen, doch er bringt auch ein stilles Gesundheitsrisiko mit sich. Nationale Wetterdienste wie AEMET in Spanien, IPMA in Portugal und Météo-France warnen vor stark belasteter Luft.

Die größte Sorge bei einem Saharastaub-Ereignis gilt PM10, also Schwebstaub mit einem Durchmesser von weniger als zehn Mikrometern. Diese Partikel sind vergleichsweise grob, aber klein genug, um in die Lunge zu gelangen. Sie können die Atemwege reizen, Asthma verschlimmern und besonders gefährdete Gruppen treffen, etwa ältere Menschen und junge Kinder.

Wer in einer europäischen Stadt lebt, kennt vermutlich eher die Belastung durch PM2.5-Verschmutzung. Diese Partikel sind deutlich feiner und stammen vor allem aus Autoabgasen, Industrieprozessen und der Verbrennung von Holz. Weil PM2.5-Partikel kleiner sind, dringen sie tiefer in die Lunge ein und können sogar in den Blutkreislauf gelangen.

Saharastaub besteht zwar hauptsächlich aus den größeren mineralischen PM10-Partikeln. Doch die enorme Konzentration während solcher Ereignisse kann den Gesamtgehalt an Partikeln in manchen Regionen weit über die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation treiben.

Ist der Klimawandel schuld an der Staubbelastung?

Saharastaub-Episoden schaffen es immer wieder in die Schlagzeilen. Sie erinnern an heiße, staubige Landschaften, doch der direkte Zusammenhang mit der Erderhitzung ist komplex.

Nach Angaben von Parrington ist die Forschung dazu noch nicht abgeschlossen. „Es gibt kein klares Bild, wie genau die Desertifikation die Staubquelle beeinflusst“, erklärt er. Gemeint ist die nach Süden vorrückende Sahara, angetrieben durch den Klimawandel und durch menschliche Aktivitäten.

Parrington weist darauf hin, dass ein großer Teil des Staubs aus bestimmten Hotspots stammt, etwa aus der Bodélé-Senke im Tschad, wo das Material leicht genug ist, um bei bestimmten Luftdrucklagen in die Atmosphäre aufzusteigen. Höhere Temperaturen, Dürren und stärkere Verdunstung trocknen die Böden aus. In Verbindung mit schlechter Landbewirtschaftung begünstigt das mehr Sand- und Staubstürme.

Zudem vermuten Forschende, dass veränderte Luftströmungen im Zusammenhang mit den Folgen des Klimawandels dafür sorgen könnten, dass Saharastaub Europa künftig noch häufiger erreicht.

Dennoch äußern sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zurückhaltend, weil es nicht genug historische Daten gibt, um einen eindeutigen Trend nachzuweisen. „Meines Wissens gibt es keine schlüssigen Studien dazu, wie Desertifikation, Entwaldung und andere Faktoren den mineralischen Staub in der Atmosphäre beeinflussen. Das bleibt aus meiner Sicht eine offene Frage“, sagt Parrington gegenüber Euronews Green.

Was ist in den nächsten Tagen zu erwarten?

Wenn die Staubwolke durchzieht, kann sich der Sand mit Regen mischen. Auf Oberflächen wie Autos und Fenstern bleibt dann nach dem Verdunsten des Wassers ein typischer trüber Film zurück.

Gesundheitsbehörden raten Menschen in stark betroffenen Regionen, anstrengenden Sport im Freien zu meiden, solange der Dunst anhält.

Alle anderen können die Gelegenheit nutzen: Kamera zücken und den abendlichen Himmel fotografieren, der durch den Staub oft wie eine Szene vom Mars wirkt, mit leuchtend orangefarbenen und roten Sonnenuntergängen.

Die weltweite Aerosolvorhersage von CAMS, die das Saharastaub-Ereignis zeigt, finden Sie unter diesem Link (Quelle auf Englisch).

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