Die US-Luftwaffe hat einen B-1-Bomber nach Großbritannien verlegt. Spanien verweigerte unterdessen die Nutzung eigener Stützpunkte. Eine Übersicht.
Die spanische Regierung unter Ministerpräsident Pedro Sánchez hat den USA die Nutzung ihrer Militärstützpunkte für mögliche Angriffe auf den Iran verweigert. Madrid berief sich dabei auf eine Klausel im bilateralen Verteidigungsabkommen mit Washington. Diese erlaubt Spanien, die Nutzung der Stützpunkte Rota und Morón auszusetzen, wenn ein militärischer Einsatz weder durch den Vertrag noch durch die UN-Charta gedeckt ist. Die US-Regierung musste ihre Planungen daraufhin anpassen.
Stattdessen verlegte die US-Luftwaffe einen ihrer strategischen Bomber nach Großbritannien. Am Freitag landete eine B-1 Lancer auf dem Luftwaffenstützpunkt RAF Fairford im Südwesten Englands. Die britische Regierung hatte bereits Anfang März erlaubt, US-Streitkräften Einrichtungen der Royal Air Force zur Verfügung zu stellen. Neben Fairford zählt dazu auch der Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean.
Offiziell beteiligt sich Großbritannien nicht an den US-amerikanisch-israelischen Angriffen gegen den Iran. Dennoch wächst die militärische Unterstützung. Ministerpräsident Keir Starmer telefonierte zuletzt mit dem saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman und sicherte Saudi-Arabien britische Unterstützung zu, falls dies notwendig werden sollte.
Zugleich verstärkt London seine militärische Präsenz in der Region. Die Regierung kündigte an, Drohnenabwehrhubschrauber sowie den Zerstörer HMS Dragon zu entsenden, um britische Stützpunkte auf Zypern zu schützen. Hintergrund ist ein Drohnenangriff auf den Luftwaffenstützpunkt Akrotiri.
Was die B-1 Lancer ist und was sie kann
Bei der B-1 Lancer handelt es sich um einen strategischen Überschallbomber der US-Luftwaffe. Das Flugzeug wurde in den 1980er-Jahren eingeführt und gehört bis heute zu den schnellsten Bombern im amerikanischen Arsenal. Wegen der englischen Aussprache von „B-One“ wird die Maschine von Piloten häufig „Bone“ genannt.
- Abmessungen und Gewicht: 44,5 Meter lang und mit einem Leergewicht von rund 86 Tonnen, mit einer maximalen Startkapazität von über 216 Tonnen.
- Geschwindigkeit und Reichweite: Er erreicht eine Geschwindigkeit von über 1.448 km/h (ca. Mach 1,25) und hat eine Reichweite von mehr als 9.400 Kilometern ohne Luftbetankung, was ihn zu einem globalen Projektionsmittel macht.
- Nutzlastkapazität: Sie verfügt über drei interne Laderäume mit einer Gesamtnutzlast von bis zu 56.700 Kilogramm. Sie kann bis zu 24 AGM-86B- oder AGM-158-JASSM-Marschflugkörper, GPS-gesteuerte Präzisionsbomben der JDAM-Familie, Streubomben und konventionelle Großmunition mitführen.
- Elektronische Systeme: Ausgestattet mit AN/APQ-164-Radar zur Navigation und Zielerfassung, GPS- und Trägheitsnavigationssystemen sowie einem System zur elektronischen Kampfführung, das Störsender, Radarwarnungen und Täuschungssysteme zur Neutralisierung der gegnerischen Flugabwehr umfasst.
- Besatzung: vier Personen (zwei Piloten und zwei Verantwortliche für das Waffensystem).
Die B-1 wurde bei Einsätzen in Irak, Afghanistan und Syrien eingesetzt. Charakteristisch sind Flügel mit variabler Geometrie, die sich im Flug zusammenfalten. Dadurch wird der Luftwiderstand bei hoher Geschwindigkeit verringert.
Vom Vereinigten Königreich in den Iran: Zeitpläne, Entfernungen und Angriffsoptionen
Der britische Stützpunkt Fairford ist etwa 5.500 Kilometer Luftlinie vom Zentrum des Iran entfernt. Mit einer Einsatzreichweite von über 9.400 Kilometern ohne Betankung kann die B-1 Lancer diese Entfernung in einer Richtung zurücklegen und in sicheres Gebiet zurückkehren, ohne dass eine Luftbetankung erforderlich ist.
Bei einer Unterschallgeschwindigkeit von etwa 900 km/h zur Optimierung des Treibstoffverbrauchs würde die Reise von Südwestengland nach Nordiran etwas mehr als sechs Stunden dauern. Bei maximaler Überschallgeschwindigkeit würde sich diese Zeit auf knapp vier Stunden verkürzen, obwohl diese Fluggeschwindigkeit den Treibstoffverbrauch erhöht und die Rückflugmarge verringert.
Mit einer einzigen Luftbetankung, je nach gewählter Route über dem östlichen Mittelmeer oder irgendwo über dem Arabischen Meer, ist die Reichweite nicht mehr begrenzt.
Mit Unterstützung durch Tankflugzeuge könnten die Bomber praktisch jedes Ziel im Iran erreichen. Militäranalysten nennen dabei häufig Einrichtungen des iranischen Atomprogramms wie Fordow oder Natanz.
Die Nutzlast des JASSM-ER-Marschflugkörpers mit einer Reichweite von über 900 Kilometern bietet eine weiteren Vorteil:Die B-1 müsste nicht in den iranischen Luftraum eindringen, um ihre Waffen abzusetzen.
Sie könnte dies vom Persischen Golf, dem Meer von Oman oder sogar von Positionen über dem Irak oder Saudi-Arabien aus tun, sollten diese Länder einen Überflug genehmigen. Dadurch ist das Flugzeug weniger anfällig für iranische Luftabwehrsysteme.
Neben Großbritannien steht den USA mit Diego Garcia im Indischen Ozean ein weiterer strategischer Stützpunkt zur Verfügung. Von dort aus beträgt die Entfernung zum Iran etwa 2.700 Kilometer.