Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Studie: Von Hitzewellen ausgelöste Dürren nehmen in rasantem Tempo zu

Archivfoto: Ein verlassenes Kanu steht auf dem rissigen Boden des Sau-Stausees nördlich von Barcelona. Die Region leidet unter Dürre. Aufnahme vom Montag, 22. Januar 2024.
ARCHIV - Ein verlassenes Kanu liegt auf dem rissigen Boden des ausgetrockneten Sau-Stausees nördlich von Barcelona in Spanien am Montag, 22. Januar 2024. Copyright  AP Photo/Emilio Morenatti, File
Copyright AP Photo/Emilio Morenatti, File
Von Seth Borenstein mit AP
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Hitzewellen, Dürre, steigende Waldbrandgefahr und El Niño verstärken sich gegenseitig und machen die Klimakrise zu einem hochgefährlichen Cocktail.

Hitzewellen, die plötzlich einsetzende und zerstörerische Dürren auslösen, breiten sich immer schneller über den Globus aus. Das zeigt eine neue Studie und verdeutlicht, wie sich klimabedingte Extreme gegenseitig gefährlich verstärken.

WERBUNG
WERBUNG

Forschende aus Südkorea und Australien haben sogenannte kombinierte Extremereignisse untersucht – den Doppelschlag aus Hitze und Dürre. Sie stellten fest, dass diese Ereignisse mit der Erderwärmung deutlich zunehmen. Besonders stark steigt der Anteil der Fälle, in denen zuerst die Hitze kommt und dadurch die Dürre überhaupt erst entsteht.

In den 1980er-Jahren betraf diese Art Extremwetter im Schnitt nur etwa 2,5 Prozent der weltweiten Landfläche pro Jahr. Im Jahr 2023, dem letzten Untersuchungsjahr, waren es bereits 16,7 Prozent, im Zehnjahresschnitt 7,9 Prozent.

Der Mittelwert dürfte inzwischen weiter gestiegen sein. Die Autorinnen und Autoren verweisen auf die Rekordhitze des Jahres 2024 und ein fast ebenso warmes 2025.

Extreme Hitze gefolgt von Dürre nimmt rasant zu

In ihrer am 6. März in der Fachzeitschrift Science Advances veröffentlichten Studie betonen die Forschenden: Noch beunruhigender als die absoluten Zahlen ist das Tempo der Veränderung. In den ersten zwei Jahrzehnten seit 1980 nahm die Ausbreitung der Hitze-zuerst-Ereignisse moderat zu. In den vergangenen 22 Jahren ist die Geschwindigkeit jedoch achtmal höher, heißt es in der Arbeit.

Ereignisse, bei denen zunächst eine Dürre herrscht und danach extreme Hitze einsetzt, sind zwar noch häufiger und nehmen ebenfalls zu. Die Studie legt den Schwerpunkt jedoch auf die wachsende Zahl der Fälle, in denen zuerst eine Hitzewelle zuschlägt. Co-Autor Sang-Wook Yeh, Klimaforscher an der Hanyang-Universität in Südkorea, erklärt den Grund: Beginnt die Extremphase mit Hitze, fallen die anschließenden Dürren deutlich heftiger aus als in Situationen, in denen zuerst die Dürre kommt oder keine extreme Hitze hinzukommt.

Solche Hitze-zuerst-Ereignisse führen zudem zu sogenannten „Blitzdürre“. Diese sind besonders zerstörerisch, weil sie sich sehr plötzlich entwickeln. Menschen und Landwirte können sich kaum vorbereiten, sagt Hauptautor Yong-Jun Kim, ebenfalls Klimaforscher an der Hanyang-Universität.

Frühere Studien zeigen bereits: Blitzdürre – ausgelöst, wenn wärmere Luft mehr Feuchtigkeit aus dem Boden saugt – treten in einer wärmeren Welt immer häufiger auf.

AKTENFOTO – Ein Bewohner einer Flussgemeinde trägt Lebensmittel und Trinkwasserkanister während einer Dürre in Careiro da Várzea im brasilianischen Bundesstaat Amazonas, 24. Oktober 2023.
AKTENFOTO – Ein Bewohner einer Flussgemeinde trägt Lebensmittel und Trinkwasserkanister während einer Dürre in Careiro da Várzea im brasilianischen Bundesstaat Amazonas, 24. Oktober 2023. AP Photo /Edmar Barros, File

Der Klimawandel treibt „kombinierte Extreme“ an

„Die Studie zeigt einen zentralen Punkt des Klimawandels: Die größten Schäden entstehen oft durch kombinierte Extreme“, sagt Andrew Weaver, Klimaforscher an der University of Victoria in der kanadischen Provinz British Columbia. „Wenn Hitzewellen, Dürre und hohe Waldbrandgefahr zusammenfallen – wie beim russischen Hitzesommer 2010 oder den Buschbränden in Australien 2019/20 –, eskalieren die Auswirkungen sehr schnell.“

„Diese Studie macht deutlich: Die Erwärmung sorgt nicht nur für häufigere Hitzewellen. Sie verändert auch das Zusammenspiel von Hitze und Dürre und verschärft so die Risiken, denen wir ausgesetzt sind.“

Weaver war an der Studie nicht beteiligt. Er lebt jedoch im pazifischen Nordwesten Nordamerikas, wo die Hitze-Kuppel 2021 samt Dürre ein Paradebeispiel für das ist, was Kim als besonders stark zunehmenden Typus beschreibt. Weitere Beispiele sind die Hitze- und Dürreperiode 2022 entlang des Jangtse in China sowie die Rekordhitze und Dürre 2023/24 im Amazonasgebiet.

„Die Hitze-Kuppel 2021 im pazifischen Nordwesten zeigt, wie rasant sich solche kombinierten Extreme zuspitzen können“, sagt Weaver, der früher dem kanadischen Parlament angehörte. „In Lytton in British Columbia kletterten die Temperaturen auf fast 50 °C. Kurz darauf trocknete die Region extrem aus, die Waldbrandgefahr explodierte, und das Dorf wurde zerstört.“

Wo Hitze-zuerst-Dürren besonders häufig werden

Den größten Zuwachs an Hitze-zuerst-Dürren verzeichnet die Studie in Südamerika, im Westen Kanadas, in Alaska, im Westen der Vereinigten Staaten sowie in Teilen Zentral- und Ostafrikas.

Kim und Yeh identifizierten einen „Wendepunkt“ um das Jahr 2000. Ab diesem Zeitpunkt beschleunigten sich die Hitze-erst-dann-Dürre-Ereignisse deutlich.

Jennifer Francis, Klimaforscherin am Woodwell Climate Research Center, war nicht an der Studie beteiligt. Sie sagt, dieser Wendepunkt falle „auf unheimliche Weise zusammen mit dem Beginn einer rasanten Erwärmung der Arktis, mit Meereisverlust und schrumpfender Frühjahrsschneedecke auf den Kontinenten der Nordhalbkugel“.

Neben dem langfristigen Erwärmungstrend, der kombinierte Extreme anheizt, beobachtete Kim kurz vor diesem Wendepunkt eine deutlich schnellere Rückkopplung zwischen Land und Atmosphäre. Wärme gelangte schneller vom Boden in die Luft und wieder zurück. Er und Yeh vermuten, die Erde könnte damit einen Kipppunkt überschritten haben – eine Schwelle, ab der sich die Veränderungen nicht mehr rückgängig machen lassen.

Mehrere Komponenten des Klimasystems und der Ökosysteme der Erde veränderten sich bereits Ende der 1990er-Jahre. Auslöser könnte ein starkes El-Niño-Ereignis in den Jahren 1997/98 gewesen sein, sagt Gerald Meehl, Klimaforscher am National Center for Atmospheric Research, der nicht an der Studie mitgearbeitet hat. Es sei jedoch schwer zu beurteilen, ob diese Veränderungen dauerhaft seien.

Einige Klimamodelle erwarten für Ende dieses Jahres ein weiteres starkes El-Niño-Ereignis – eine natürliche Erwärmung bestimmter Pazifikregionen, die das Wetter weltweit durcheinanderbringt.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Zu warm: Schmelzendes Eis drängt Grönlands Küstenfischer zu klimaschädlichen Methoden

Klimawandel bedroht Europas versunkene Kulturen

Klimaschützer empört: Deutschland kippt Gesetz für klimafreundliches Heizen