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Portugal vor Milliardenkauf: Welche Kampfjets die F-16 ersetzen könnten

Flügel für Portugal: Welche Kampfflugzeuge sind bereit für die Luftwaffe?
Flügel für Portugal: Welche Kampfflugzeuge sind bereit für die Luftwaffe? Copyright  AP Photo/Geert Vanden Wijngaert
Copyright AP Photo/Geert Vanden Wijngaert
Von Diana Rosa Rodrigues
Zuerst veröffentlicht am
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Mehrere Kandidaten kommen als Ersatz für die alten F-16 der portugiesischen Luftwaffe in Frage. Das offizielle Beschaffungsverfahren für neue Kampfjets hat zwar noch nicht begonnen, doch die Zahl der Interessenten wächst.

Der Prozess hat noch nicht offiziell begonnen. Seit einigen Monaten wird jedoch darüber gesprochen, dass Portugal seine Kampfflotte erneuern muss. Die Luftwaffe soll die alten F-16 schrittweise in den Ruhestand schicken.

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"Wir haben in der Vergangenheit eine Verzögerung erlebt, aber jetzt kommen wir endlich in den richtigen Rhythmus. Ich bin überzeugt, dass wir im Laufe des nächsten Jahres Neuigkeiten über den Ersatz der F-16 haben werden", sagte General João Cartaxo Alves im Dezember der Zeitung "Diário de Notícias". Damals war er noch Chef der Luftwaffe. "Die Ablösung der F-16 hätte ein Prozess sein müssen, der vor etwa zwanzig Jahren begonnen hat", betonte er.

Eine Entscheidung ist bislang nicht gefallen. Auch die formelle Eröffnung des Beschaffungsprozesses steht noch aus. Trotzdem wächst das Interesse von Herstellern und Anbietern, Portugal neue Kampfjets zu liefern.

Diskutiert werden vor allem drei Modelle. Dazu gehören die US-amerikanische F-35 von Lockheed Martin, der schwedische Gripen E von Saab und der Typhoon des europäischen Eurofighter-Konsortiums.

F-35: Hightech aus den USA, aber teuer

Die F-35 Lightning II ist ein Kampfflugzeug der fünften Generation. Lockheed Martin bezeichnet sie als eines der fortschrittlichsten Modelle im Einsatz. Das Unternehmen wirbt mit "konkurrenzlosen Fähigkeiten" und sieht die F-35 als Favoriten für die Ablösung der portugiesischen F-16.

Als Vorteile gelten technologische Fähigkeiten, Tarnkappentechnik und die enge Einbindung in NATO-Systeme. Gerade in Szenarien mit moderner Luftabwehr könne das eine Rolle spielen.

Lockheed Martin beschreibt die F-35 so: "Es ist das tödlichste, widerstandsfähigste und am besten vernetzte Kampfflugzeug der Welt, das den Piloten einen Vorteil gegenüber jedem Gegner verschafft und es ihnen ermöglicht, ihre Mission zu erfüllen und sicher nach Hause zurückzukehren."

Ein F-35-Kampfflugzeug landet auf dem Deck des atomgetriebenen Flugzeugträgers USS George Washington
Ein F-35-Kampfflugzeug landet auf dem Deck des atomgetriebenen Flugzeugträgers USS George Washington AP Photo/Victor R. Caivano

Gleichzeitig gilt die F-35 als teuer. Das betrifft sowohl Anschaffung als auch Betrieb. Wartung und Logistik sind komplex und hängen stark von US-Infrastruktur und technischer Unterstützung ab.

Damit ist die Frage nicht nur technisch, sondern auch politisch. Denn die Ausrichtung der USA kann sich von Regierung zu Regierung deutlich verändern. In Europa wird deshalb diskutiert, wie stark die Abhängigkeit von US-Systemen die strategische Handlungsfreiheit einschränken könnte.

Portugals Verteidigungsminister Nuno Melo äußerte sich dazu im März vergangenen Jahres gegenüber "Público". "Die jüngste Position der Vereinigten Staaten im Rahmen der NATO und auf der internationalen geostrategischen Ebene muss uns dazu veranlassen, über die besten Optionen nachzudenken, denn die Vorhersehbarkeit unserer Verbündeten ist ein wichtiges Gut, das es zu berücksichtigen gilt", sagte er.

Obwohl der Prozess noch nicht einmal offiziell eröffnet ist, läuft die Debatte längst auch politisch. Der US-Botschafter in Portugal sprach sich kürzlich dafür aus, US-Kampfjets zu kaufen.

Gripen E: flexibel und günstiger im Betrieb

Als europäische Alternative wird der Gripen E genannt. Er ist ein Mehrzweckkampfflugzeug des schwedischen Herstellers Saab und gehört zur Generation 4,5. Saab hebt betriebliche Effizienz, vergleichsweise niedrige Wartungskosten und hohe Flexibilität hervor.

"Der Gripen E wurde für zukunftsorientierte Luftstreitkräfte entwickelt und enthält Spitzentechnologien, die neuesten Systeme, Sensoren und Waffen, um einen Kampfvorteil zu gewährleisten und Luftüberlegenheit in stark umkämpften Umgebungen zu bieten", heißt es auf der Website des Unternehmens.

Gripen E bewaffnet mit IRIS-T- und Meteor-Raketen
Gripen E bewaffnet mit IRIS-T und Meteor-Raketen Reprodução Saab

Ein Merkmal des Gripen-Konzepts ist der Einsatz von kurzen Start- und Landebahnen. Auch präparierte Straßen kommen in Frage. Das ist Teil der schwedischen Verteidigungsdoktrin.

Die neueste Version verfügt über ein AESA-Radar, moderne Systeme der elektronischen Kampfführung und eine hohe Kompatibilität mit westlichen Waffensystemen. Saab spricht von "stiller Vernetzung" und "totaler Sensorfusion" in taktischen Einheiten.

Saab hat zuletzt erneut Interesse an Geschäften mit Portugal signalisiert. Das Unternehmen schlug zudem vor, Portugal über die Firma OGMA in die Produktion einzubinden. "OGMA hat ein großes Potenzial für die Produktion des Gripen in Portugal", sagte Daniel Boestad, Vizepräsident des Gripen-Geschäfts bei Saab, dem Portal "Eco".

Im Vergleich zu schwereren Jets oder Flugzeugen der fünften Generation gelten die Betriebs- und Wartungskosten als niedriger. Es gibt aber auch Einschränkungen. Der Gripen verfügt nicht über Tarnkappentechnik, trägt weniger Treibstoff und Bewaffnung und hat eine relativ kleine Nutzerbasis.

Eurofighter Typhoon: stark im Luftkampf, aber aufwendig

Der Eurofighter Typhoon wird von einem Industriekonsortium entwickelt, zu dem Airbus, BAE Systems und Leonardo gehören. Auch er gilt als Flugzeug der Generation 4,5. Ursprünglich wurde er für Luftüberlegenheit ausgelegt. Seine Stärken liegen bei Geschwindigkeit, Wendigkeit und Luft-Luft-Einsätzen.

Das Konsortium beschreibt den Jet als vielseitig. Er verfüge über genug Waffen und Rechenleistung, um auch während des Fluges Raketen aufzurüsten und Bombenangriffe zu fliegen. "Er ist ein echtes multifunktionales Kampfflugzeug", heißt es.

Eurofighter-Typhoon-Kampfflugzeuge der spanischen Luftwaffe nehmen an einem NATO-Einsatz teil
Eurofighter Typhoon-Kampfflugzeuge der spanischen Luftwaffe nehmen an einem NATO-Einsatz teil AP Photo/Mindaugas Kulbis

Der Typhoon ist in mehreren europäischen Ländern im Einsatz, darunter im Vereinigten Königreich, in Deutschland und in Italien.

Im Oktober vergangenen Jahres bekundete das Konsortium, in das Rennen um Portugals F-16-Nachfolge einzusteigen. Airbus unterzeichnete dazu eine Absichtserklärung mit dem portugiesischen Luftfahrt- und Verteidigungscluster AED. Ziel sei es, "Möglichkeiten der Zusammenarbeit im Vorfeld der nächsten Erneuerung der Kampfflotte des Landes zu ermitteln".

Der Eurofighter hat allerdings ebenfalls Nachteile. Er gilt als teuer im Betrieb und erfordert eine aufwendige Logistik. Zudem ist die Modernisierung innerhalb eines multinationalen Konsortiums komplexer.

Auch beim Typhoon fehlt Tarnkappentechnik. In hochmodernen Luftkriegsszenarien könnte er daher stärker auf externe Unterstützung oder andere Plattformen angewiesen sein.

Kosten: Milliardenfrage ohne feste Zahlen

Portugal will im Verteidigungsbereich investieren. Im November teilte die Regierung mit, sie habe beim europäischen Kreditmechanismus SAFE einen Antrag über 5,8 Milliarden Euro gestellt. Das Geld soll unter anderem in Schiffe, gepanzerte Fahrzeuge, Satelliten, Artillerie, Flugabwehr, Munition sowie Drohnen fließen. Neue Kampfflugzeuge sind in diesen geplanten Ausgaben allerdings nicht enthalten.

Wie teuer die Erneuerung der Kampfflotte wäre, lässt sich derzeit nur grob schätzen. Es hängt vom Modell, von der Stückzahl und vom Gesamtpaket ab.

General Cartaxo Alves sagte dazu gegenüber "Diário de Notícias": "Die Zahlen werden immer nahe an dem liegen, was wir aus der Vergangenheit kennen. Sie werden ungefähr zwischen 14 und 28 Flugzeugen schwanken. Diese Zahlen werden in der Regel gleich bleiben, unabhängig von der gewählten Lösung." Zu den Kosten sagte er: "Wir sprechen von einer Spanne zwischen 3 Milliarden und 4,8 Milliarden Euro."

Zusätzlich spielen die langfristigen Betriebskosten eine Rolle. Ein gängiger Vergleichswert sind die Kosten pro Flugstunde. Darin stecken unter anderem Treibstoff, Wartung, Ersatzteile und Personal.

Die Studie "Fighter Aircraft Through Life Costs" des Aviation Week Network aus dem Jahr 2023 nennt Schätzwerte aus der Industrie. Demnach liegen die Kosten pro Flugstunde bei rund 46.282 Dollar für die F-35, 22.174 Dollar für den Gripen E/F und 28.965 Dollar für den Eurofighter Typhoon. In diesem Vergleich liegt der Gripen vorn. Aus demselben Dokument geht zudem hervor, dass der Gripen E/F bei den drei genannten Modellen auch beim Kaufpreis pro Einheit am günstigsten sei.

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