Hitze treibt Gletscherschwund in Österreich voran: weitreichende Folgen für Trinkwasser, Energieversorgung und Infrastruktur.
In Österreich haben sich in den vergangenen zwei Jahren fast alle Gletscher zurückgezogen. Nur zwei der 96 Eisriesen blieben stabil, berichten Fachleute am 13. März. Sie sprechen von einer „dramatischen Entwicklung“, die die Folgen der Klimakrise deutlich mache.
Der aktuelle Bericht des Österreichischen Alpenvereins zeigt: Am Alpeiner Ferner in Tirol im Westen und am Stubacher Sonnblickkees im Land Salzburg im Osten ist der Verlust am größten. Beide Gletscher zogen sich um mehr als 100 Meter zurück. Im Durchschnitt betrug der Rückgang mehr als 20 Meter.
Auch an der Pasterze, Österreichs größtem Gletscher, schreitet die Auflösung der Gletscherzunge voran. So werden die Folgen der Erderwärmung sichtbar, heißt es in dem Bericht, der die Jahre 2024 und 2025 abdeckt.
Der Bericht hält fest, dass Gletscher in Österreich langfristig in Länge, Fläche und Volumen weiter „deutlich schrumpfen“.
Schwindende Gletscher in Österreich: Folgen für Wasser und Wirtschaft
Der Rückzug der Gletscher in Europa hat weitreichende Folgen für Trinkwasser, Stromerzeugung, Landwirtschaft, Infrastruktur, Freizeitangebote, die Alpenlandschaft und vieles mehr.
Auch die Schweiz als Nachbarland, die die meisten Gletscher Europas beherbergt, verzeichnet seit einigen Jahren einen ähnlichen Rückgang. Dieser Trend zeigt sich inzwischen weltweit.
Seit 2015 sind die Gletscher in der Schweiz nach Angaben von Glaziologinnen und Glaziologen um ein Viertel geschrumpft; mehr als 1.000 kleine Gletscher sind bereits verschwunden.
Ungünstige Witterung mit wenig Schneefall und hohen Temperaturen, darunter ein außergewöhnlich heißer Juni im vergangenen Jahr mit fast 5 °C über dem Durchschnitt, hat den Rückzug zusätzlich beschleunigt, erklärt der Alpenverein.
Gletscherschwund als Weckruf
„Die Gletscher schmelzen – und mit jedem neuen Bericht steigt die Dringlichkeit“, sagt die Vizepräsidentin des Alpenvereins, Nicole Slupetzky.
„Es geht längst nicht mehr darum, ob wir die Gletscher in ihrer früheren Form noch retten können. Es geht darum, die Folgen für uns selbst abzumildern.“
Solche Veränderungen in den Alpen sollten für Politik und Öffentlichkeit ein „Weckruf“ sein und sich im Verhalten widerspiegeln, fordert der Verein.
Der aktuelle Wert liegt zwar unter jenem der beiden Vorjahre. Er zählt aber immer noch zum achtgrößten Gletscherrückzug in den 135 Jahren der Messreihe.