Mit ihrer auf künstlicher Intelligenz basierenden Technologie, ausgelegt für lange Einsatzzeiten und große Distanzen, sind die Drohnen von Tekever zu einem zentralen Instrument der Aufklärung für das ukrainische Militär an der Front geworden.
Seit Beginn des russischen Angriffskriegs hat Portugal seine Drohnenexporte in die Ukraine deutlich ausgeweitet.
Wie das Jornal Económico berichtet, belief sich der Wert der ausgeführten unbemannten Systeme nach Kyjiw im Jahr 2025 auf rund 87 Millionen Euro.
Größter portugiesischer Lieferant ist das Unternehmen Tekever. Die Firma wurde 2001 gegründet und erreichte im Mai 2025 den Status eines "Einhorns", nachdem ihre Bewertung die Marke von 1,2 Milliarden Euro überschritten hatte. Ursprünglich hatte Tekever allerdings nichts mit der Entwicklung unbemannter Fluggeräte zu tun.
"Damals kamen wir gerade vom Instituto Superior Técnico, mit einem Hintergrund in Informatik, und interessierten uns vor allem für drei Felder: künstliche Intelligenz, mobile Netzwerke und eingebettete Systeme. Unser Ziel war es, Technologien für eine Zukunft zu entwickeln, in der alles miteinander vernetzt ist und Software auf unterschiedlichsten Geräten läuft – vom Computer über das Smartphone bis hin zu Haushaltsgeräten oder Autos", erklärt Mitgründer und CEO Ricardo Mendes im Gespräch mit Euronews.
Auf Basis dieser frühen Entwicklungen habe das Unternehmen nach und nach Anwendungsfelder identifiziert, in denen sich Probleme besonders gut mit Software, KI und vernetzten Systemen lösen lassen. "Eines dieser Felder waren autonome Systeme. Wenn man den Piloten aus einem Flugzeug entfernt, wird das im Kern zu einer Frage der Bordintelligenz. Für ein Unternehmen wie unseres eröffnet das die Chance, technologisch weltweit etwas Einzigartiges zu schaffen", so Mendes.
Der Sicherheits- und Verteidigungssektor entwickelte sich dabei zu einem naheliegenden Markt. Tekever zielte nie darauf ab, klassische Konsumprodukte zu entwickeln, entsprechend zählen heute vor allem staatliche Akteure, Energieunternehmen sowie Militär- und Sicherheitsbehörden zu den Kunden. Als Russland im Februar 2022 die Ukraine angriff, arbeitete Tekever bereits seit mehreren Jahren an autonomen Lösungen für sicherheitsrelevante Anwendungen.
"Unsere ersten großen Auftraggeber waren die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs sowie die britische Regierung. Für sie haben wir Ende 2018 und Anfang 2019 mit der Überwachung des Ärmelkanals begonnen", erinnert sich Mendes. Zu diesem Zeitpunkt galt das Unternehmen bereits als führend in Europa im Bereich maritimer Überwachung. Allerdings waren die Systeme noch nicht für den Einsatz unter Kriegsbedingungen ausgelegt.
"Wir hatten zuvor keine Erfahrung in aktiven Konflikten. Zwar gab es militärische Kunden, doch diese befanden sich nicht im Krieg. Der eigentliche Einstieg in den Verteidigungsbereich – auch mit deutlich höheren Investitionen – kam erst mit dem Krieg in der Ukraine. Uns wurde klar, dass unsere Technologie dort konkret auf dem Schlachtfeld helfen kann." Für Mendes ist das Engagement seines Unternehmens mehr als ein Geschäftsmodell. Es sei "nahezu eine moralische Verpflichtung".
"Es ist offensichtlich, wer hier Opfer und wer Aggressor ist. Ein Land wurde angegriffen – und wir sehen es als unsere Pflicht, zu helfen. Entscheidend ist, dass wir dazu beitragen können, dass die Ukraine ihr Territorium verteidigt und zugleich Werte schützt, die auch in Europa grundlegend sind." Zugleich betrachtet der Tekever-Chef die Ukraine als Lernfeld für Europa.
"Dieser Krieg zeigt, wie sich Konflikte verändern. Es ist entscheidend, dass westliche Staaten – insbesondere in Europa – daraus Lehren ziehen und ihre Militär- und Sicherheitsstrategien anpassen. Und der beste Ort, um diese Entwicklungen zu verstehen, ist derzeit die Ukraine."
Die "Augen" der ukrainischen Streitkräften
An der Front übernehmen die Drohnen von Tekever eine zentrale Rolle als "Augen" der ukrainischen Aufklärung. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von "Intelligence, Surveillance, Reconnaissance and Target Acquisition".
Gemeint sind Systeme, die darauf ausgelegt sind, Informationen zu erfassen und auszuwerten – mithilfe einer Vielzahl von Sensoren: von elektrooptischen und Infrarotkameras über Wärmebildtechnik bis hin zu Radarsystemen und Funkfrequenz-Detektoren. Diese kompakten "Computer mit Flügeln" sind vor allem für Langstreckeneinsätze über große Gebiete hinweg ausgelegt.
Über dem Schwarzen Meer kommt etwa das Modell AR5 zum Einsatz, mit einer Spannweite von knapp acht Metern und einem Gewicht von rund 200 Kilogramm. An Land nutzt man hingegen das kleinere Modell AR3, das etwa vier Meter Spannweite erreicht und lediglich 25 Kilogramm wiegt. "Wir arbeiten über große Distanzen hinweg sehr eng mit den ukrainischen Streitkräften zusammen.
Häufig dauern unsere Missionen zehn, zwölf, vierzehn oder sogar sechzehn Stunden. Unsere Aufgabe besteht darin, in Echtzeit hochpräzise Informationen darüber zu liefern, was in weitläufigen Einsatzgebieten geschieht – etwa im Schwarzen Meer oder über großen Landflächen", erklärt CEO Ricardo Mendes im Gespräch mit Euronews.
Eine Schlüsselrolle spielt dabei künstliche Intelligenz. Sie ermöglicht es den Drohnen, auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig zu bleiben – etwa wenn GPS-Signale gestört werden oder die Kommunikation durch elektronische Kriegsführung beeinträchtigt ist. In solchen Situationen können die Systeme eigenständig Entscheidungen treffen, ihre Route anpassen oder zur Basis zurückkehren. Hinzu kommt ihre enorme Reichweite.
"Die Einsatzdauer in der Luft ist ein limitierender Faktor – ein System kann bis zu 20 Stunden unterwegs sein und dabei große Distanzen zurücklegen, oft über tausend Kilometer. Eine zweite Grenze ist jedoch die direkte Kommunikation: Vom Boden aus lässt sich eine Drohne nur über etwa 250 bis 300 Kilometer steuern, danach setzt die Erdkrümmung physikalische Grenzen", so Mendes. Die Lösung liegt in der Satellitenkommunikation. Damit lassen sich Drohnen auch über sehr große Entfernungen hinweg kontrollieren – theoretisch sogar von einem anderen Kontinent aus.
Wie viele Drohnen Tekever bislang in die Ukraine geliefert hat, lässt CEO Ricardo Mendes offen. Es könnten "ein paar Dutzend oder vielleicht auch mehrere Hundert" sein, sagt er.
Die Kosten der Systeme variieren stark – je nach Ausstattung und Einsatzzweck. "Unsere Drohnen sind häufig mit Sensoren bestückt, die allein mehrere Hunderttausend Euro kosten können, in manchen Fällen sogar über eine Million", erklärt Mendes.
Inzwischen ist Tekever ein international aufgestelltes Unternehmen mit rund 1.300 Beschäftigten. Neben mehreren Standorten in Portugal – darunter Caldas da Rainha, Ponte de Sor, Leiria, Lissabon und Porto – ist die Firma auch in Frankreich, dem Vereinigten Königreich und der Ukraine vertreten. Abgesehen vom Einsatz im Krieg gegen Russland ist Tekever derzeit in keine weiteren aktiven Konflikte involviert.
Dennoch sind die Einsatzmöglichkeiten der Technologie vielfältig und reichen weit über militärische Szenarien hinaus. Auf See werden die Systeme etwa zur Überwachung eingesetzt, etwa im Kampf gegen Drogenhandel, illegale Fischerei oder irreguläre Migration sowie zum Schutz mariner Ökosysteme.
Auch an Land kommen die Drohnen zum Einsatz – beispielsweise zur Überwachung von Ölpipelines in Afrika oder zur Prävention und Bekämpfung von Waldbränden in Kanada.