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Rätsel des Pferdewieherns gelöst

In Dänemark untersuchen Forschende Pferde, um das Geheimnis ihres einzigartigen Wieherns zu lüften.
In Dänemark untersuchen Forschende Pferde, um dem Geheimnis ihres einzigartigen Lauts auf die Spur zu kommen. Copyright  AP
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Von ELODIE MANDEL-BRIEFER, ROMAIN LEFÈVRE mit AP
Zuerst veröffentlicht am
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Forscher rätseln seit Langem, wie Pferde zugleich sehr hohe und tiefe Laute erzeugen.

Pferde wiehern, wenn sie neue Freunde suchen, alte begrüßen oder sich über schöne Momente freuen, etwa zur Fütterungszeit. Wie sie dieses charakteristische Geräusch – im Englischen „whinny“ oder „neigh“ – genau erzeugen, war Forschenden jedoch lange ein Rätsel.

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Im Vordingborg Sportsride Club im Süden der dänischen Insel Seeland schnauben, seufzen – und wiehern – die Pferde.

„Wenn sie sich alleine fühlen, machen sie das. Rufen sie morgens nach Futter, machen sie es sehr oft“, sagt Reitlehrerin Sigrid Bjørg.

„Wenn wir sie herausbringen, auf die Koppel, rufen die Zurückgebliebenen nach den anderen. Und wenn wir sie wieder in den Stall holen, rufen sie ebenfalls.“

„Manche geben sehr beruhigende Laute von sich, so ein leises ho ho ho“, erzählt sie. „Andere schreien regelrecht. Sie brüllen: ‚Ich bin allein, ich bin allein.‘ Das klingt dann etwa so: Wah!“

Wie Pferde ihr Wiehern erzeugen

Ein Wiehern ist eine ungewöhnliche Mischung aus tiefen und hohen Tönen. Es klingt wie eine Kreuzung aus Grunzen und Quieken – beides gleichzeitig.

Der tiefe Teil ist gut bekannt. Er entsteht, wenn Luft über Gewebefalten im Kehlkopf strömt und diese in Schwingung versetzt. So ähnlich sprechen und singen auch Menschen. Der hohe Anteil gab der Forschung jedoch Rätsel auf.

Mit einigen Ausnahmen gilt: Größere Tiere haben größere Stimmapparate und erzeugen eher tiefere Laute. Wie schaffen Pferde dann diese Höhe?

Laut einer neuen Studie (Quelle auf Englisch) pfeifen sie tatsächlich. Forschende führten eine kleine Kamera durch die Nüstern der Tiere ein und filmten, was im Inneren passiert, wenn sie wiehern oder ein anderes, leiseres Geräusch machen: das sanftere Schnauben „nicker“.

Das Team fertigte zudem detaillierte Scans an und leitete Luft durch entnommene Kehlköpfe verstorbener Pferde.

Die rätselhaften hohen Töne des Wieherns sind demnach eine Art Pfeifen, das im Kehlkopf der Tiere entsteht.

Luft bringt das Gewebe im Kehlkopf zum Vibrieren. Gleichzeitig zieht sich der Bereich direkt darüber zusammen. Es bleibt nur eine kleine Öffnung, durch die der Pfeifton entweichen kann. Das unterscheidet sich vom menschlichen Pfeifen, bei dem wir den Ton mit dem Mund formen.

„Wenn die Pferde den hohen Ton erzeugen, verschiebt sich dieser Ton noch weiter nach oben in der Frequenz“, erklärt Elodie Mandel-Briefer, außerordentliche Professorin an der Universität Kopenhagen. „Das ist ein sehr starkes Indiz dafür, dass es sich tatsächlich um ein Pfeifen handelt.“ Sie veröffentlichte die Studie im Februar zusammen mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Frankreich, Österreich und der Schweiz im Fachjournal „Current Biology“.

„Dabei schließt sich fast der gesamte Bereich, es bleibt nur eine kleine Öffnung. So entsteht das Pfeifen – ähnlich wie bei uns, wenn wir durch gespitzte Lippen pfeifen.“

Pferde gehören zu den wenigen pfeifenden Tierarten

Einige kleine Nagetiere wie Ratten und Mäuse pfeifen ebenfalls auf diese Weise. Doch Pferde sind nach Angaben von Mandel-Briefer die ersten bekannten großen Säugetiere mit diesem Talent.

„Manche Menschen können außerdem ihre sogenannten vestibulären Stimmlippen unterhalb der eigentlichen Stimmbänder aktivieren – so entsteht Kehlgesang“, erläutert die Expertin. „Wir können dabei sogar sprechen und gleichzeitig pfeifen. Dann entstehen zwei Tonhöhen zugleich. Bei anderen Tierarten ist so eine Doppeltonerzeugung sehr selten. Dass sie ständig vorkommt, kennen wir bisher nur vom Wiehern der Pferde und von den Rufen der Wapitis oder Elche.“

Pferde sind bislang die einzigen bekannten Tiere, die über den Kehlkopf pfeifen und gleichzeitig „singen“ können. wildlebende Przewalski-Pferde und Elche scheinen Ähnliches zu beherrschen, das hat die Forschung jedoch noch nicht genauer untersucht.

Entferntere Verwandte der Pferde wie Esel und Zebras schaffen die hohen Töne dagegen nicht.

Mandel-Briefer vermutet, dass die zweistimmigen Wieherlaute den Tieren helfen, mehrere Botschaften zugleich zu übermitteln. Die unterschiedlichen Tonhöhen könnten es ihnen ermöglichen, bei sozialen Kontakten ein breiteres Spektrum an Gefühlen auszudrücken.

„Mit diesen beiden Frequenzen können sie tatsächlich die ganze Bandbreite möglicher Emotionen ausdrücken“, sagt sie. „Sie haben sozusagen zwei Dimensionen zur Verfügung.“

Cutter • Denis Loctier

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