In einem Bericht des amerikanischen Hedgefonds Grizzly Research werden Einrichtungen, die zu der französischen Hotelgruppe gehören, beschuldigt, ukrainische Kinder zu beherbergen, die zur Adoption in Russland vorgesehen sind.
Grizzly Research behauptet in einem Bericht, mehr als 20 Accor-Hotels hätten sich bereit erklärt, ukrainische Kinder zu beherbergen, die illegal nach Russland deportiert werden sollten. Mehrere russische Hotels hätten den Ermittlern von Grizzly zugesichert, diese vertraulichen Informationen nicht an die Accor-Zentrale in Frankreich weiterzugeben.
Im Frühjahr 2022, nach Beginn der groß angelegten russischen Invasion in der Ukraine, setzte Accor die Eröffnung neuer Hotels in Russland aus. Das Unternehmen zog sich jedoch nicht vollständig aus dem Markt zurück und betreibt weiterhin mehr als 50 Hotels – darunter Marken wie Novotel und Ibis – mit der Begründung, man wolle "seine Mitarbeiter unterstützen".
Seit Anfang Februar 2026 hätten die Forscher Reservierungsanfragen per E-Mail an mehr als 200 Accor-Hotels geschickt. Dem Bericht zufolge nahmen Einrichtungen in 20 Ländern Buchungen an, obwohl die Anfragen deutliche Hinweise auf Kindesmissbrauch und sexuelle Ausbeutung enthielten.
Der Bericht von Grizzly Research erhebt zudem Vorwürfe gegen weitere Hotels der Gruppe in anderen Ländern, die Prostitution beherbergen sollen. Außerdem wird auf eine angebliche Verbindung zwischen Accor-CEO Sébastien Bazin und dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein verwiesen.
Accor erklärte, seine Mitarbeiter regelmäßig darin zu schulen, Anzeichen von Menschenhandel zu erkennen, und kontinuierlich interne Audits durchzuführen.
Der Konzern betonte zudem, man behalte sich "das Recht vor, alle beteiligten Personen strafrechtlich zu verfolgen", sollten sich die Vorwürfe bestätigen.
Schätzungen zufolge hat Russland mindestens 20.000 ukrainische Kinder illegal in sein Staatsgebiet sowie nach Belarus verschleppt, um sie zur Adoption freizugeben. Die Vereinten Nationen werten diese Handlungen als Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Im März 2023 erließ der Internationale Strafgerichtshof Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und die Beauftragte für Kinderrechte, Maria Lvova-Belova, wegen der illegalen Verschleppung ukrainischer Kinder.
Vorwürfe nicht unabhängig geprüft
Die französische Hotelgruppe Accor wies jegliche Beteiligung am Handel mit Erwachsenen oder Kindern zum Zweck der Ausbeutung zurück. Das Unternehmen erklärte, bereits eine gründliche interne Untersuchung eingeleitet und zudem eine externe Firma mit der Prüfung der Vorwürfe beauftragt zu haben.
Die Accor-Aktie verlor an der Pariser Börse mehr als 8 %, nachdem der US-Hedgefonds Grizzly Research am Donnerstag Anschuldigungen veröffentlicht hatte, in denen Accor des Menschenhandels bezichtigt wird.
Diese Vorwürfe sind bislang nicht unabhängig überprüft worden.
Accor erklärte, man dementiere "jegliche Beteiligung an der mutmaßlichen systematischen Ausbeutung im Zusammenhang mit Menschen- oder Kinderhandel entschieden".
"Nach der Veröffentlichung dieses Berichts führt die Gruppe eine gründliche interne Untersuchung durch", hieß es in einer Stellungnahme.
"Die Ergebnisse dieser Untersuchung werden der Öffentlichkeit zugänglich gemacht."