Die von Ministerpräsidentin Mette Frederiksen geführte Regierungsallianz hat nach ersten Prognosen keine absolute Mehrheit erreicht. Damit ist unklar, ob und in welcher Form Frederiksen eine dritte Amtszeit antreten kann.
Bei der vorgezogenen dänischen Parlamentswahl hat Dänemarks sozialdemokratische Ministerpräsidentin Mette Frederiksen das schwächste Ergebnis seit mehr als 120 Jahren eingefahren.
Das von Frederiksen geführte linke Lager hat die Parlamentswahl am Dienstag zwar gewonnen, aber die Mehrheit verfehlt. Nach Auszählung aller Stimmen kam das linke Lager auf 84 Sitze im 179 Sitze umfassenden Parlament, während das rechte Lager 77 Sitze erhielt.
Die gemäßigte Partei der Mitte unter Außenminister Rasmussen wurde mit 14 Sitzen zum Königsmacher. In den kommenden Wochen werden schwierige Verhandlungen zur Bildung einer Koalitionsregierung erwartet.
Die Wähler waren zu einer vorgezogenen Parlamentswahl aufgerufen, die Ministerpräsidentin Mette Frederiksen initiiert hatte. Einer der Auslöser des vorgezogenen Urnengangs waren die Bestrebungen von US-Präsident Donald Trump die Kontrolle über Grönland zu gewinnen.
Mette Frederiksen ist seit 2019 im Amt. Sie wurde für ihre Führungsstärke gelobt, als sie sich Trumps wiederholten Forderungen nach einer Annexion Grönlands, eines halbautonomen Gebiets des Königreichs Dänemark, entgegenstellte. Die USA benötigten das Gebiet laut Trump aus Gründen der nationalen Sicherheit.
In ihrer zweiten Amtszeit hatte Frederiksen an Popularität eingebüßt, da die Lebenshaltungskosten stiegen - ein Thema, das zusammen mit den Renten und einer möglichen Vermögenssteuer im Wahlkampf wichtig war.
Frederiksen ist dafür bekannt, dass sie die Ukraine bei der Verteidigung gegen Russlands Angriffskrieg tatkräftig unterstützt und dass sie die Zuwanderung nach Dänemark einschränken will.
Wer sind Mette Frederiksens größte Herausforderer?
Um dem Druck von rechts entgegenzuwirken und mit dem Hinweis auf einen möglichen Migrationsanstieg aufgrund des Iran-Krieges, kündigte Frederiksen in diesem Monat Vorschläge an, die eine mögliche "Notbremse" beim Asylrecht und strengere Kontrollen von Kriminellen ohne legalen Aufenthalt beinhalten.
Ihre Regierung hatte bereits einen Plan vorgestellt, der die Abschiebung von Ausländern vorsieht, die wegen schwerer Straftaten zu mindestens einem Jahr Haft verurteilt wurden.
Mette Frederiksen ist 49 Jahre alt, geschieden und wiederverheiratet. Sie hat zwei Kinder.
Zwei Mitte-Rechts-Herausforderer waren Frederiksens stärkste Gegner. Einer von ihnen gehört der derzeitigen Regierung an - Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen von der liberalen Partei Venstre, die in jüngerer Zeit mehrere Regierungen geleitet hat. Unter Anders Fogh Rasmussen war der inzwischen 49-jährige Poulsen schon 2007 Umweltminister, bevor er mehrere andere Ministerien leitete. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.
Der andere wichtige Herausforderer ist Alex Vanopslagh, 34, von der oppositionellen Liberalen Allianz (LA), die niedrigere Steuern und weniger Bürokratie fordert und dafür plädiert, dass Kopenhagen seine Weigerung, Atomkraft zu nutzen, aufgibt. Er ist schon seit 2019 Parteichef. Alex Vanopslagh ist der Sohn eines französischen Metzgers und einer Dänin, er wollte eigentlich Journalist werden, war nach seinem Politikstudium aber Lobbyist. Er selbst hat einen kleinen Sohn.
Wahlkampf konzentrierte sich auf innenpolitische Themen
Grönland, das in den letzten Monaten viel Energie der Regierung in Anspruch genommen hat, war im Wahlkampf kein wichtiges Thema, da über seinen Platz im Königreich weitgehend Einigkeit herrscht.
In dem wohlhabenden Land mit rund 6 Millionen Einwohnern konzentrierte sich der Wahlkampf stattdessen auf innenpolitische Themen wie die Inflation, den Wohlfahrtsstaat und die hohen Nitratwerte im Wasser durch die Landwirtschaft.