Die Dänen wählen in einer Stichwahl Mette Frederiksen für eine dritte Amtszeit. Umfragen sagen ein zersplittertes Parlament und ein enges Links-Rechts-Rennen voraus.
Die Wählerinnen und Wähler waren zu einer vorgezogenen Parlamentswahl aufgerufen, die Ministerpräsidentin Mette Frederiksen initiiert hatte. Die Sozialdemokratin strebt eine dritte Amtszeit an. Einer der Auslöser des vorgezogenen Urnengangs waren die Bestrebungen von US-Präsident Donald Trump die Kontrolle über Grönland zu gewinnen.
Den jüngsten Umfragen zufolge hat die Linkskoalition, die Frederiksen unterstützt, einen Vorsprung von neun Sitzen gegenüber dem Rechtsblock. Aber keine der beiden Zusammenschlüsse wird voraussichtlich die Mehrheit der 179 Sitze im dänischen Parlament, dem Folketing, gewinnen.
Mette Frederiksen ist seit 2019 im Amt. Sie wurde für ihre Führungsstärke gelobt, als sie sich Trumps wiederholten Forderungen nach einer Annexion Grönlands, eines halbautonomen Gebiets des Königreichs Dänemark, entgegenstellte. Die USA benötigten das Gebiet laut Trump aus Gründen der nationalen Sicherheit.
In ihrer zweiten Amtszeit hatte Frederiksen an Popularität eingebüßt, da die Lebenshaltungskosten stiegen - ein Thema, das zusammen mit den Renten und einer möglichen Vermögenssteuer im Wahlkampf wichtig war.
Frederiksen ist dafür bekannt, dass sie die Ukraine bei der Verteidigung gegen Russlands Angriffskrieg tatkräftig unterstützt und dass sie die Zuwanderung nach Dänemark einschränken will.
Wer will Mette Frederiksen ablösen?
Um dem Druck von rechts entgegenzuwirken und mit dem Hinweis auf einen möglichen Migrationsanstieg aufgrund des Iran-Krieges, kündigte Frederiksen in diesem Monat Vorschläge an, die eine mögliche "Notbremse" beim Asylrecht und strengere Kontrollen von Kriminellen ohne legalen Aufenthalt beinhalten.
Ihre Regierung hatte bereits einen Plan vorgestellt, der die Abschiebung von Ausländern vorsieht, die wegen schwerer Straftaten zu mindestens einem Jahr Haft verurteilt wurden.
Mette Frederiksen ist 49 Jahre alt, geschieden und wiederverheiratet. Sie hat zwei Kinder.
Zwei Mitte-Rechts-Herausforderer hoffen, Frederiksen als dänische Ministerpräsidentin abzulösen. Einer von ihnen gehört der derzeitigen Regierung an - Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen von der liberalen Partei Venstre, die in jüngerer Zeit mehrere Regierungen geleitet hat. Unter Anders Fogh Rasmussen war der inzwischen 49-jährige Poulsen schon 2007 Umweltminister, bevor er mehrere andere Ministerien leitete. Er ist verheiratet und hat eine Tochter.
Der andere wichtige Herausforderer ist Alex Vanopslagh, 34, von der oppositionellen Liberalen Allianz (LA), die niedrigere Steuern und weniger Bürokratie fordert und dafür plädiert, dass Kopenhagen seine Weigerung, Atomkraft zu nutzen, aufgibt. Er ist schon seit 2019 Parteichef. Alex Vanopslagh ist der Sohn eines französischen Metzgers und einer Dänin, er wollte eigentlich Journalist werden, war nach seinem Politikstudium aber Lobbyist. Er selbst hat einen kleinen Sohn.
Auf der rechten Seite könnte die einwanderungsfeindliche Dänische Volkspartei (DF) nach einem sehr schwachen Abschneiden bei der letzten Wahl 2022 Stimmen hinzugewinnen.
Wahlkampf konzentriert sich auf innenpolitische Themen
Grönland, das in den letzten Monaten viel Energie der Regierung in Anspruch genommen hat, war im Wahlkampf kein wichtiges Thema, da über seinen Platz im Königreich weitgehend Einigkeit herrscht.
In dem wohlhabenden Land mit rund 6 Millionen Einwohnern konzentrierte sich der Wahlkampf stattdessen auf innenpolitische Themen wie die Inflation, den Wohlfahrtsstaat und die hohen Nitratwerte im Wasser durch die Landwirtschaft.
Frederiksens scheidende Drei-Parteien-Regierung war die erste seit Jahrzehnten, die die politische Kluft überbrückte. Es bleibt abzuwarten, ob sich dies nach der aktuellen Wahl wiederholen wird.
Die vier Überseesitze der beiden halbautonomen Gebiete Dänemarks, zwei für Grönland und zwei für die Färöer, könnten bei einem sehr knappen Wahlergebnis den Ausschlag geben.
Die zentristische Partei der Moderaten oder M-Partei, die von Außenminister Lars Lokke Rasmussen, einem zweifachen ehemaligen Ministerpräsidenten, angeführt wird, könnte sich ebenfalls als entscheidend erweisen, wenn es bis zum Schluss spannend bleibt.