Stark steigende Versicherungskosten und strengere Kontrollen der Durchfahrt durch die Straße von Hormus zwingen Reedereien, ihre Routen neu zu planen; der Zugang wird mehr und mehr von Risiko, Kosten und Abstimmung bestimmt.
Schiffe, die die Straße von Hormus passieren wollen, stimmen sich zunehmend mit den iranischen Behörden ab. Gestiegene Risiken und explodierende Versicherungskosten verändern den Verkehr auf der Wasserstraße.
Für viele Schiffe ist die Durchfahrt längst keine Routine mehr.
Thailand teilte am Dienstag mit, einer seiner Öltanker des Konzerns Bangchak Corporation habe die Meerenge nach Gesprächen mit den iranischen Behörden passiert. Ein zweites Schiff wartet dagegen weiterhin gemeinsam mit anderen Tankern auf die Freigabe für eine sichere, geschützte Passage.
Jüngste Angriffe und die anhaltende Unsicherheit bringen Reeder dazu, überhaupt zu hinterfragen, ob sie die Wasserstraße anlaufen. Sie wägen inzwischen Sicherheitsrisiken und steigende Kosten gleichermaßen ab.
Die Prämien für Kriegsrisikoversicherungen sind seit Beginn der Eskalation am 28. Februar stark gestiegen und haben sich binnen weniger Wochen vervielfacht.
David Osler, Finanzredakteur bei Lloyd’s List, sagte: „Vor den Gefechten lagen die üblichen Sätze für die Straße von Hormus bei etwa 0,15 bis 0,25 Prozent des Schiffswerts für eine Police mit einer Laufzeit von einer Woche. Seit Beginn des Konflikts werden Sätze von bis zu fünf bis zehn Prozent des Schiffswerts aufgerufen.“
Für einen sogenannten Very Large Crude Carrier mit einem Wert von rund 100 Millionen Dollar (etwa 90 Millionen Euro) bedeutet das zusätzliche Kosten von mehreren Millionen Euro für eine einzige Passage.
Versicherungen sind zwar weiterhin erhältlich, doch die Prämien treiben die Kosten für eine Durchfahrt so stark in die Höhe, dass sie sich oft kaum noch rechtfertigen lassen.
„Wenn Reeder die Fahrt antreten wollen und eine Besatzung finden, die dazu bereit ist, scheitern sie nicht an fehlendem Versicherungsschutz“, sagte er.
Ausschlaggebend sind inzwischen vor allem Sicherheitsbedenken.
Der Seefahrtsexperte Mustapha Zehhaf erklärte, einige Reedereien mieden die Straße wegen der Risiken inzwischen vollständig.
Schiffe, die dennoch durchfahren, änderten ihre Routen und steuerten in manchen Fällen näher an die iranische Küste heran, sagte er.
Schifffahrt unter Druck
Gestiegene Versicherungskosten und Sicherheitsrisiken zwingen Reeder, eine Passage durch die Meerenge grundsätzlich neu zu bewerten.
Alternativen gibt es nur wenige. Pipelines wie die saudische Ost-West-Leitung oder die Fujairah-Pipeline der Vereinigten Arabischen Emirate umgehen die Straße von Hormus zwar teilweise, doch der Großteil der Ausfuhren ist weiter auf die Meerenge angewiesen.
Setzt sich die Entwicklung fort, droht nach Einschätzung des Energieanalysten Bill Farren-Price, Leiter des Gasprogramms am Oxford Institute for Energy Studies, ein Angebotsschock auf den weltweiten Energiemärkten.
Mit knapper werdendem Angebot dürften die Preise steigen und sich erste Engpässe bemerkbar machen, bevor die höheren Kosten schließlich die Nachfrage dämpfen.
Zugleich sieht er keine realistische militärische Option, die Straße vollständig zu sichern, und kaum Hinweise auf eine baldige diplomatische Lösung.
Viel schlimmer noch, sagte er, dieses Szenario sei von Beginn an der gefürchtete „Armageddon-Fall“ gewesen.