Tausende Ladenschließungen, schwacher Konsum und wachsender Druck durch den Onlinehandel: Russlands stationärer Handel steckt tief in der Krise. Steuererhöhungen und sinkende Realeinkommen verschärfen die Entwicklung zusätzlich.
Tausende Geschäfte haben in Russland geschlossen. Einen derart starken Rückgang gab es dort erstmals seit 25 Jahren. Darüber berichtet das russische Wirtschaftsmagazin Forbes unter Berufung auf eine Analyse des Beratungsunternehmens INFOLine.
In Moskau sank die Zahl der Einzelhandelsgeschäfte im vergangenen Jahr von 87.000 auf 82.500, in St. Petersburg von 44.000 auf 42.200. Analysten zufolge zeigt sich ein ähnlicher Trend in ganz Russland. Betroffen ist nahezu der gesamte stationäre Einzelhandel - von kleinen Nahversorgern, Supermärkten und Obstständen bis hin zu Mobilfunkläden und Bekleidungsgeschäften.
Als Hauptgründe nennen die von Forbes befragten Experten die schwächere Konsumnachfrage, den wachsenden Konkurrenzdruck durch Online-Marktplätze, steigende Kosten im Handel sowie die zum 1. Januar 2026 in Kraft getretenen Steuererhöhungen. Selbst Lebensmittelläden verlagern ihr Geschäft zunehmend ins Internet. Zuwächse bei Umsatz und Neueröffnungen gibt es derzeit nur im Segment der Hard-Discounter. Zugleich eröffnen große Handelsketten im Jahr 2025 rund ein Drittel weniger Standorte als 2024.
Bereits in der vergangenen Woche veröffentlichte die russische Wirtschaftszeitung Kommersant einen Überblick über den Restaurantmarkt. Daraus geht hervor, dass auch für diese Branche der Jahresbeginn der schwächste seit 25 Jahren war. Als entscheidenden Faktor für die sinkende Konsumtätigkeit nennen Experten ebenfalls die jüngste Steuererhöhung. Hinzu komme ein Rückgang der Realeinkommen. Selbst im Fast-Food-Segment geht die Zahl der Bestellungen zurück. Viele Büroangestellte greifen inzwischen lieber zu Fertiggerichten aus Supermärkten, statt in einem Café zu Mittag zu essen.
In den ersten drei Monaten dieses Jahres brach der Umsatz in Teilen der Gastronomie um bis zu 40 Prozent ein. Die Folge ist eine Welle von Schließungen. In den Großstädten sank die Zahl der Cafés und Restaurants je nach Segment um 2 bis 11 Prozent.