Der ukrainische Präsident Selenskyj ist am Sonntag zu seinem ersten offiziellen Besuch in Syrien seit dem Sturz des pro-russischen Assad-Regimes in Damaskus eingetroffen. Es geht um Sicherheitsabkommen und militärisches Know-how.
Die Ukraine und Syrien haben am Sonntag bei Gesprächen in Damaskus eine engere sicherheitspolitische Zusammenarbeit vereinbart. Kyjiw versucht, seine Beziehungen im Nahen Osten angesichts des russischen Angriffskriegs und des Konflikts mit dem Iran auszubauen.
Der Besuch von Präsident Wolodymyr Selenskyj in Syrien und sein Treffen mit syrischen Übergangspräsident Ahmad al-Scharaa markieren seine erste Reise in das Land seit dem Sturz von Machthaber Baschar al-Assad im Jahr 2024.
Zuvor war Selenskyj am Samstag in der Türkei und in der vergangenen Woche auf Reise durch die Golfregion. Vor dem Hintergrund des Iran-Kriegs ging es dabei auch um Sicherheitsabkommen sowie mögliche Deals, bei denen ukrainisches Drohnen-Know-how gegen Luftabwehrsysteme getauscht werden könnte.
Selenskyj betonte, die Ukraine habe Syrien bereits nach dem Sturz des Assad-Regimes unterstützt und sei bereit, weiter an Stabilität und Entwicklung mitzuwirken. Kyjiw und Damaskus wollten künftig enger zusammenarbeiten, damit beide Länder wirtschaftlich stärker werden. "Wir haben ausführlich darüber gesprochen, wie sich die Folgen des Krieges überwinden lassen – ebenso wie über den Verhandlungsprozess im russischen Angriffskrieg gegen unser Land", schrieb Selenskyj auf X.
Er dankte zudem für den Empfang in Syrien und unterstrich, dass die Ukraine zu den ersten Ländern gehört habe, die ein neues Syrien unterstützt haben. "Wir sind bereit, weiterhin zur Stabilität und Entwicklung beizutragen."
Auch al-Scharaa sprach von einem Fokus auf den Ausbau der wirtschaftlichen Zusammenarbeit und den Austausch von Know-how. Der Besuch zeige Syriens Bestreben, internationale Partnerschaften auszubauen, um Entwicklung und Stabilität zu stärken.
Syriens neue Partnerschaften
Anders als die Golfstaaten, die Selenskyj vergangene Woche besucht hat, verfügt Syrien nach aktuellem Stand nicht über moderne antiballistische Luftabwehrsysteme, die für Kyjiw interessant wären. Wie viele Länder in der Region ist auch Syrien bislang nicht in der Lage, iranische Drohnen oder Raketen effektiv abzuwehren.
Dafür hat das Land einen strategischen Faktor, den andere nicht bieten: aktive russische Militärstützpunkte auf seinem Gebiet. Der Kreml war ein zentraler Verbündeter von al-Scharaas Vorgänger Baschar al-Assad, der heute im Exil in Moskau lebt. Seit seinem Machtantritt vor etwas mehr als einem Jahr versucht al-Scharaa, Syrien nach Jahren des Kriegs und der internationalen Isolation außenpolitisch neu aufzustellen.
Dabei hält er offenbar auch den Draht nach Moskau aufrecht. Im Januar traf er Präsident Wladimir Putin – und hat Russland bislang nicht aufgefordert, seine Militärbasen in Syrien aufzugeben.
Russische Militärbasen in Syrien bleiben
Moskau hält weiterhin zwei wichtige Militärstützpunkte in Syrien: den Luftwaffenstützpunkt Khmeimim und den Marinehafen Tartus an der Mittelmeerküste. Beide gelten als strategisch zentral, weil sie Russland direkten Zugang zum Nahen Osten, nach Nordafrika und ins Mittelmeer sichern.
Der Hafen von Tartus, ursprünglich in den 1970er-Jahren von der Sowjetunion gebaut, wurde ab 2012 von Russland modernisiert. Seit 2013 ist dort die ständige Mittelmeerflotte der russischen Marine stationiert. Der Stützpunkt dient für Manöver, die Stationierung von Kriegsschiffen und auch für Atom-U-Boote. Als die Türkei im März 2022 den Bosporus für ausländische Kriegsschiffe sperrte, wurde Tartus noch wichtiger, um die russische Präsenz im Mittelmeer aufrechtzuerhalten. Der Luftwaffenstützpunkt Khmeimim ist seit 2015 in Betrieb und spielte eine zentrale Rolle bei russischen Luftangriffen zur Unterstützung von Baschar al-Assad.
Gleichzeitig dient er als logistisches Drehkreuz für Einsätze, unter anderem in Afrika. Russische Militärflugzeuge nutzen die Basis regelmäßig zum Auftanken. Im vergangenen Jahr forderte Syriens Übergangspräsident al-Scharaa die Auslieferung Assads, damit dieser sich in Syrien vor Gericht verantwortet – und stellte dies offenbar in Zusammenhang mit einem Fortbestand der russischen Militärpräsenz.
Moskau lehnte ab. Al-Scharaa räumte zugleich ein, dass Syrien weiterhin auf Russland angewiesen ist. "Alle Waffen in Syrien sind russisch", sagte er im April 2025 und verwies darauf, dass es bislang kaum Alternativen gebe, während Damaskus parallel neue Abkommen etwa mit der Türkei sondiert.