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Desinformation als Waffe: Koordinierte Angriffe treffen deutsche Unternehmen

Störche fliegen am 10. September 2024 um einen Schornstein des BASF-Chemiewerkes in Ludwigshafen
Störche fliegen am 10. September 2024 um einen Schornstein des BASF-Chemiewerkes in Ludwigshafen Copyright  AP Photo/Michael Probst
Copyright AP Photo/Michael Probst
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am
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Von angeblichen Werksschließungen bis zu manipulierten Kampagnen: Desinformation entwickelt sich zur neuen Bedrohung für deutsche Unternehmen – vergleichbar mit Cyberangriffen.

Deutsche Unternehmen geraten laut einer Studie des Verbands für Sicherheit in der Wirtschaft (VSW) vermehrt ins Ziel von gezielten Desinformationskampagnen.

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Als Beispiel nennen die Autoren Professor Dr. Martin Grothe und Dr. Christoper Nehring unter anderem den deutschen Chemiekonzern BASF, über den mit koordinierten Online-Kampagnen wiederholt Falschmeldungen verbreitet wurden. Dazu gehören Meldungen über angeblische Werksschließungen, Massenentlassungen oder Produktionsverlagerung.

Das Ziel solcher Falschbehauptungen ist jedoch nicht nur die Diskreditierung einzelner Unternehmen, sondern soll vor allem das Narrativ des angeblichen Niedergangs der deutschen Wirtschaft etablieren. Mit der gezielten Instrumentalisierung von Konzernen wie BASF, soll in der Gesellschaft Angst, Unsicherheit und Misstrauen geschürt werden.

Mechanismen der Angriffe folgen oft ähnlichen Mustern

In der Studie werden eine Vielzahl typischer Formen beschrieben, wie Desinformationskampagnen gegen Unternehmen durchgeführt werden. Darunter gehören Falschmeldungen über angebliche Insolvenzen oder Werksschließungen über koordinierte Boykottkampagnen bis hin zu manipulierten Online-Bewertungen oder Deepfake-Inhalten, in denen etwa Führungskräfte scheinbar für fragwürdige Produkte werben.

Auch Fake-Webseiten, Betrugsversuche oder gezielte Desinformation zur Beeinflussung von Aktienkursen gehören zum Repertoire. Entscheidend ist dabei: Häufig basieren diese Inhalte nicht vollständig auf Lügen, sondern greifen reale Informationen auf, die verzerrt oder aus dem Kontext gerissen werden.

Deutsche Unternehmen unterschätzen die Gefahr

Desinformation ist laut der Studie deswegen längst zu einer zentralen Bedrohung für Unternehmen geworden, vergleichbar mit klassischen Cyberangriffen. Anders als technische Attacken auf die Firmen sind Desinformationskampagnen schwerer greifbar. Inhalte im Internet lassen sich schnell verbreiten, sind günstig zu produzieren und können zudem schwer zurück verfolgt werden. Generell lassen sich Inhalte, die im Internet landen, schwer löschen: entweder, weil die eindeutige Rückverfolgung nicht möglich ist, oder der Inhalt reproduziert und weiterverbreitet worden ist.

Für Firmen können Desinformationskampagnen massive Schäden verursachen: von Reputationsverlust über sinkende Umsätze bis hin zu Auswirkungen auf den Aktienkurs. Dennoch wird die Gefahr der Studie zufolge in vielen Unternehmen weiterhin unterschätzt. Das würde vor allem an den veränderten Rahmenbedingungen liegen. Darunter fallen beispielsweise auch die geopolitischen Spannungen, zunehmend polarisierte Gesellschaften und eine digitale Öffentlichkeit, die stark von den sozialen Medien geprägt ist.

Hinzu kommt auch der technologische Fortschritt: KI-gestützte Inhalte, Bots und automatisierte Fake-News-Kanäle machen es einfacher denn je, Desinformation in großem Maßstab zu produzieren und zu verbreiten. Angriffe werden dadurch effezienter, indem sie schneller, professioneller und schwerer zu kontrollieren sind. All diese Faktoren machen Desinformation "billig, schnell, facettenreich, wirksam und schwer zu fassen".

Wer steckt hinter den Desinformationsattacken?

Für Unternehmen sind diese Auswirkungen wirtschaftlich und politisch spürbar: sie stehen vor Vertrauensverlust bei Kunden und Investoren und können bei möglichen Boykottaufrufen oder Falschinformationen direkte Umsatzeinbußen registrieren.

Doch nicht nur extern sind Desinformationskampagnen für Unternehmen spürbar, auch intern können sie durch Verunsicherung in der Belegschaft oder gezielter Politisierung von Themen für Unruhe sorgen.

Einen einzelnen Akteur gibt es nicht. Der Studie zufolge steht hinter solchen Kampagnen eine breite Palette von Akteuren, darunter staatliche ebenso wie politische Gruppen, Aktivisten, Cyberkriminelle oder spezialisierte Dienstleister. In einigen Fällen können sogar interne Akteure eine Rolle spielen.

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