Newsletter Newsletters Events Veranstaltungen Podcasts Videos Africanews
Loader
Finden Sie uns
Werbung

Libyen-Affäre: Sarkozy spricht von "Fehlern" seiner Vertrauten

Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla Bruni-Sarkozy vor Gericht in Paris
Der ehemalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und seine Frau Carla Bruni-Sarkozy vor Gericht in Paris Copyright  AP Photo
Copyright AP Photo
Von Jean-Philippe Liabot
Zuerst veröffentlicht am
Teilen Kommentare
Teilen Close Button

Nicolas Sarkozy ist in erster Instanz zu einer fünfjährigen Haftstrafe wegen krimineller Vereinigung verurteilt worden. Im Berufungsverfahren spricht er von Fehlern, die die damaligen Mitarbeiter des Ex-Präsidenten begangen hätten.

Der ehemalige französische Präsident hat vor einem Pariser Berufungsgericht erneut im Fall der mutmaßlichen libyschen Finanzierung seiner Präsidentschaftskampagne von 2007 ausgesagt. Dabei sprach Nicolas Sarkozy von Fehlern, die seine damaligen Mitarbeiter Claude Guéant und Brice Hortefeux bei ihren Besuchen in Libyen gemacht hätten. Der Ex-Präsident sagte, er bedaure dies.

WERBUNG
WERBUNG

Sarkozy ist in diesem 2011 eröffneten finanzpolitischen Dossier angeklagt, einen "Korruptionspakt" mit dem Regime von Muammar al-Gaddafi eingegangen zu sein. Dafür soll der libysche Machthaber Sarkozys siegreiche Präsidentschaftskampagne 2007 unterstützt haben. Der konservative Politiker bestreitet diese Vorwürfe und argumentiert, dass "es nie auch nur einen Cent libysches Geld" für seine Kampagne gegeben habe.

Nicolas Sarkozy war im September 2025 zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, von der ein Teil wegen krimineller Vereinigung festgesetzt wurde. Ende Oktober und Anfang November verbrachte er drei Wochen in Paris im Gefängnis.

Seit der Wiederaufnahme der Gerichtsverhandlung Mitte März zeigte der Politiker eine für ihn ungewöhnliche Zurückhaltung – im Gegensatz zu seinem Verhalten während des ersten Prozesses, in dem er sich medienwirksam in Szene gesetzt und sehr empört gezeigt hatte.

An diesem ersten Tag der Befragung schlug der ehemalige Präsident einen nüchternen Ton an und beantwortete die Fragen des Präsidenten des Pariser Berufungsgerichts, Olivier Géron, präzise.

Der Schatten des Anschlags auf die UTA DC-10

Zu Beginn seiner Vernehmung legte Sarkozy Wert darauf, seine Verteidigung in eine sowohl persönliche als auch erinnerungspolitische Dimension einzuordnen.

Der Ex-Staatschef erklärte, er wolle aufdas "Leid" reagieren, das die Familien der Opfer des Anschlags auf die DC-10 der UTA im Jahr 1989 erlitten hatten. Damals kamen auf dem Flug von Brazzaville, der Hauptstadt der Pepublik Kongo, nach Paris 170 Menschen ums Leben, darunter 54 Franzosen. Die Explosion der Maschine soll vom libyschen Geheimdienst unter Muammar al-Gaddafi verursacht worden sein.

Sarkozy sagte, er wolle dem Leid der Hinterbliebenen "die Wahrheit" seiner Unschuld in der Affäre um die mutmaßliche libysche Finanzierung seiner Präsidentschaftskampagne entgegenstellen.

Vor Gericht erkannte der ehemalige Präsident die Legitimität des Schmerzes der Angehörigen der Opfer an, die sich in den Tagen zuvor bei einer Anhörung geäußert hatten. Die Hinterbliebenen sprachen von Wut und dem Gefühl der Ungerechtigkeit. Sarkozy erklärte, dass er dieses Leid verstehe und behauptete, dass er an ihrer Stelle "dieselbe Wut" empfinden würde.

Er betonte jedoch, dass keine Worte einem solchen Drama gerecht werden könnten und dass nur die Wahrheit eine würdige Antwort sein könne.

In diesen weitverzweigten Vorwürfen wird Nicolas Sarkozy insbesondere verdächtigt, einige seiner engsten Mitarbeiter Ende 2005 Gespräche mit dem Regime von Muammar al-Gaddafi über eine verdeckte Finanzierung führen zu lassen.

An diesen angeblichen Verhandlungen soll insbesondere Abdallah Senoussi, der ehemalige Chef des libyschen Geheimdienstes, beteiligt gewesen sein, der wegen des Auftrags zum Anschlag auf den Flug zu lebenslanger Haft verurteilt wurde.

Trümmerteile der DC-10 der Fluggesellschaft UTA am 24. September 1989 in der Ténéré-Wüste im Süden Nigers
Trümmerteile der DC-10 der Fluggesellschaft UTA am 24. September 1989 in der Ténéré-Wüste im Süden Nigers AP Photo

Am Dienstag im Prozess wurde Nicolas Sarkozy erneut zu den libyschen Verbindungen seines engsten Mitarbeiters und Mitangeklagten Claude Guéant befragt. Er wiederholte seine Argumente aus der ersten Instanz fast bis auf das Komma genau.

Kernstück der Debatte bleibt ein Abendessen am 1. Oktober 2005 in Tripolis, bei dem Claude Guéant über den zwielichtigen Ziad Tiakeddine Abdallah Senoussi getroffen hatte.

"Claude Guéant erklärte, er habe sich spontan und ohne jede vorherige Vorbereitung auf dieser Party befunden. Ich habe keinen Grund, an seiner Version zu zweifeln", sagte Nicolas Sarkozy. Er fragte dann nach dem Grund für das Essen, ging aber nicht weiter darauf ein. Damit zog er die politische Entscheidung seines ehemaligen Mitarbeiters in Zweifel.

Zu seinen Verbindungen zum libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi erklärte Sarkozy schließlich: "Dass ich einen so unberechenbaren Mann wie Herrn Gaddafi, den ich später nicht mehr wiedersehen werde, als Finanzier meiner Kampagne auswähle? Ich kannte Libyen nicht, ich kannte die Libyer nicht. Ich habe mich 30 Minuten mit ihm ausgetauscht".

Nicolas Sarkozy trifft am Dienstag, den 7. April 2026, im Berufungsgericht in Paris, Frankreich, ein.
Nicolas Sarkozy trifft am Dienstag, den 7. April 2026, im Berufungsgericht in Paris, Frankreich, ein. AP Photo

Die anderen Angeklagten in der Libyen-Affäre

Nicolas Sarkozy steht wie im ersten Prozess neben einem Dutzend Mitangeklagten vor Gericht, die die Justiz verdächtigt, über internationale Mittelsmänner und undurchsichtige diplomatische Beziehungen verdeckte Finanzkreisläufe geschaffen zu haben. Zu den bekanntesten Personen in Frankreich gehören:

Claude Guéant, ein enger Vertrauter des Ex-Präsidenten, der in erster Instanz wegen mehrerer Straftaten, darunter Geldwäsche und Korruption, zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde. Sein Gesundheitszustand lässt es nicht zu, dass er zur Berufungsverhandlung erscheint.

Brice Hortefeux wurde ebenfalls wegen krimineller Vereinigung zu einer Haftstrafe verurteilt, deren Vollstreckungsmodalitäten angepasst werden können. Die Richter verdächtigen ihn und seine engsten Mitarbeiter, bei der Herstellung und Aufrechterhaltung von Beziehungen zu den Würdenträgern des libyschen Regimes eine Schlüsselrolle gespielt zu haben.

Der Geschäftsmann Alexandre Djouhri, der zu sechs Jahren Haft verurteilt wurde, soll an komplexen Finanzkonstruktionen beteiligt gewesen sein, ebenso wie der libysche Beamte Béchir Saleh, dem vorgeworfen wird, Geldtransfers erleichtert zu haben.

Ziad Tiakeddine, der in der Berufungsverhandlung fehlte, war laut der französischen Justiz die zentrale Figur in der Affäre und wurde beschuldigt, den französischen Mittelsmännern Koffer mit Bargeld übergeben zu haben.

Nicolas Sarkozy wird am Mittwoch sowie am Montag, den 13. April erneut angehört.

Das Berufungsverfahren soll bis zum 3. Juni dauern.

Zu den Barrierefreiheitskürzeln springen
Teilen Kommentare

Zum selben Thema

Tagebuch von Häftling 320535 oder Ende der Brandmauer? Sarkozy erwägt Bündnis mit Le Pen

Nicolas Sarkozy nach drei Wochen Gefängnis wieder zu Hause

Sarkozy im Gefängnis von Insassen verspottet und bedroht