Israel und die im Libanon verankerte Hisbollah haben mehrere Kriege geführt. In der jüngsten Eskalation will die Hisbollah ihre Abschreckung gegenüber Israel wiederherstellen und fordert, geplante Gespräche des Libanon mit Israel in den USA am Dienstag abzusagen.
Nach dem Scheitern der Verhandlungen für einen Frieden zwischen dem Iran und den USA, forderte auch der Hisbollah-Anführer Naim Qassem, ein geplantes Treffen des Libanon am Dienstag mit Israel in Washington abzusagen.
Qassem bekräftigte am Montag die Ablehnung direkter Verhandlungen mit Israel durch seine Gruppe. Israel hat im Zuge des US-Iran-Kriegs auch eine Offensive gegen die vom Iran unterstützte Hisbollah-Miliz im Libanon gestartet, dabei wurden unter anderem Hunderte Zivilisten getötet.
"Wir lehnen Verhandlungen mit der usurpierenden israelischen Einheit ab... Wir rufen zu einer historischen und heroischen Haltung auf, indem wir dieses Verhandlungstreffen absagen", sagte Qassem in einer Fernsehansprache. Die Hisbollah wird vom Iran unterstützt und befindet sich seit dem 2. März im Krieg mit Israel.
Direkte Gespräche zwischen Israel und Libanon?
Der libanesische und der israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten wollen sich am Dienstag in Washington treffen, um über die Aufnahme direkter Verhandlungen zwischen den beiden Ländern zu beraten.
Die libanesischen Behörden haben betont, dass Beirut zunächst einen Waffenstillstand im Krieg zwischen Israel und der Hisbollah herbeiführen will. Israel hat diese Aussicht jedoch zurückgewiesen und erklärt, es ziehe es vor, sich stattdessen auf formelle Friedensgespräche mit dem Libanon selbst zu konzentrieren, mit dem es sich technisch gesehen seit Jahrzehnten im Krieg befindet.
Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sagte am Samstag: "Wir wollen die Demontage der Waffen der Hisbollah und wir wollen ein echtes Friedensabkommen, das über Generationen hinweg Bestand hat."
Für Qassem sind "diese Verhandlungen sinnlos und erfordern eine libanesische Vereinbarung und einen Konsens".
Merz drängt Netanjahu auf ein Ende des Kriegs im Südlibanon
Bundeskanzler Friedrich Merz hat am Montagabend mit Netanjahu telefoniert. Er bekräftigte, dass die Bundesregierung Bemühungen um eine diplomatische Verständigung zwischen den Vereinigten Staaten und Iran nachdrücklich unterstützt.
Der Bundeskanzler ermutigte Netanjahu zur Aufnahme direkter Friedensgespräche mit der libanesischen Regierung, teilte das Kanzleramt mit. Merz plädierte für ein Einde der Kampfhandlungen im Süden des Libanon und forderte, dass die Hisbollah die Waffen niederlegen müsse.
Stunden nachdem Teheran und Washington am vergangenen Mittwoch einen Waffenstillstand verkündet hatten, schlug Israel mehr als 100 Mal im gesamten Libanon zu, darunter auch in dicht besiedelten Wohn- und Geschäftsvierteln im Zentrum Beiruts.
"Wir werden uns nicht ergeben", sagte Qassem, als seine Kämpfer den vorrückenden israelischen Truppen im Südlibanon gegenüberstanden. "Wir werden bis zu unserem letzten Atemzug im Feld bleiben".
Der Eintritt der Hisbollah in den Krieg
Israel und die Hisbollah haben mehrere Kriege geführt, seit die vom Iran unterstützte libanesische militante Gruppe in den 1980er Jahren als Guerillatruppe gegründet wurde, die gegen die damalige israelische Besetzung des Südlibanon kämpfte.
Die jüngste Eskalatiion begann am 2. März, zwei Tage nachdem Israel und die USA einen Krieg gegen den Iran begonnen hatten. Die Hisbollah schaltete sich in den Kampf ein und feuerte Raketen über die Grenze nach Israel ab. Israel antwortete mit Luftangriffen und einer Bodeninvasion.
Seitdem hat der Krieg mehr als eine Million Menschen im Libanon vertrieben und mehr als 2.000 Menschen getötet, darunter mehr als 500 Frauen, Kinder und medizinisches Personal.
Viele Libanesen machen die Hisbollah dafür verantwortlich, den Libanon in den Krieg hineingezogen zu haben, und beschuldigen sie, im Auftrag ihres Schutzherrn, des Iran, zu handeln.
Wafiq Safa, ein hochrangiges Mitglied des politischen Rates der Hisbollah, sagte, die Hisbollah habe präventiv gehandelt. Die führenden Personen der Miliz glaubten, dass "Israel sich auf eine zweite Schlacht mit dem Libanon vorbereite", um die Hisbollah zu vernichten.
Es sei "ein geeigneter Moment für die Hisbollah, um eine neue Gleichung aufzustellen" und die Abschreckung gegen Israel wiederherzustellen, sagte er und bestritt jegliche vorherige Abmachung mit Teheran, dass die Hisbollah in den Krieg eintreten würde, wenn der Iran angegriffen würde.
Nachdem ein von den USA vermittelter Waffenstillstand den vergangenen Krieg zwischen Israel und der Hisbollah im November 2024 beendet hatte, setzte Israel seine fast täglichen Angriffe im Libanon fort, um die Gruppe am Wiederaufbau zu hindern.
Die Hisbollah wolle eine Rückkehr zu diesem Status quo vermeiden, so Safa.