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Moskaus 9. Mai-Parade im Sparformat: Wie der Krieg Putins wichtigstes Ritual verändert

Große Militärshow vor einem Jahr:  Die traditionelle Parade zum Tag des Sieges in Moskau, 9. Mai 2025
Große Militärshow vor einem Jahr: Die traditionelle Parade zum Tag des Sieges in Moskau, 9. Mai 2025 Copyright  Copyright 2025 Photo host agency RIA Novosti
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Von Anka Kir
Zuerst veröffentlicht am
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Der anhaltende Krieg gegen die Ukraine und die zunehmenden ukrainischen Drohnenangriffe beeinträchtigen die Organisation der traditionellen Siegesparade in Moskau: Fehlende Proben, Sicherheitsprobleme und internationale Isolation verändern das Gesicht der Zeremonie.

Verstärkte Angriffe ukrainischer Drohnen und wachsende Spannungen an der russischen Heimatfront könnten in diesem Jahr den gewohnten Umfang und die Feierlichkeit der traditionellen Parade zum Tag des Sieges am 9. Mai beeinträchtigen. Zum ersten Mal seit vielen Jahren räumen nicht nur Experten, sondern auch Regierungsbeamte ein, dass die Zeremonie in Moskau möglicherweise in einem reduzierten Format stattfinden und in einigen Regionen sogar abgesagt werden könnte.

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Offiziell versichert der Kreml, dass er sich "auf die Feierlichkeiten vorbereitet": Am 22. April wurden auf dem Roten Platz bereits Dekorationen und Tribünen für die Gäste aufgebaut. Doch Indizien und Insiderberichte zeichnen ein anderes Bild.

Die Parade als politisches Symbol

Für den Kreml ist die Parade am 9. Mai nicht nur ein militärisches Ritual. Sie ist ein wesentliches Element der Staatsideologie, insbesondere in einem Krieg.

Eine Absage der Parade in Moskau würde ein Signal der Schwäche aussenden, so dass die Behörden wahrscheinlich versuchen werden, zumindest eine verkürzte Zeremonie abzuhalten - auch wenn diese bescheidener als je zuvor aussehen dürfte.

Der russische Präsidentensprecher Dmitri Peskow bekräftigte, dass die Parade zum Tag des Sieges am 9. Mai auf jeden Fall stattfinden werde. Er war jedoch noch nicht in der Lage, die Namen der ausländischen Staatsoberhäupter zu nennen, die am 27. April nach Moskau kommen werden.

"Wir werden dies später bekanntgeben", sagte Peskow.

Die ukrainischen Angriffe verschärfen sich: Moskau ist das Hauptziel

Die Angriffe auf russische Regionen haben in den vergangenen Monaten zugenommen. Öldepots, Kraftwerke, Flugplätze, Luftabwehranlagen und andere Infrastrukturen, die von der russischen Armee für ihre Angriffe auf die Ukraine genutzt werden, stehen im Visier.

Russische Militärquellen räumen ein, dass die ukrainische Armee am Festtag nicht nur Drohnen, sondern auch Marschflugkörper verschiedener Typen einsetzen könnte.

So erklärte der erste stellvertretende Vorsitzende des Verteidigungsausschusses der Staatsduma, Alexej Shurawljow, dass das ukrainische Militär seiner Meinung nach versuchen könnte, die Parade am 9. Mai durch den Abschuss eines Drohnenschwarms zu stören. Er bezeichnete die Abhaltung der Parade als "gefährliches Ereignis" im Kontext des Konflikts, erinnerte aber daran, dass im vergangenen Jahr alles ohne Zwischenfälle verlaufen sei. Shurawljow äußerte die Hoffnung, dass auch die diesjährige Parade ein Erfolg wird.

Moskau und die Region haben bereits die Luftabwehrsysteme verstärkt und die Hauptquartiere auf Rund-um-die-Uhr-Betrieb umgestellt.

"Verkürzte Parade": Insider sprechen von nie dagewesenen Änderungen

Laut der Journalistin Alexandra Prokopenko, die sich auf eigene Quellen beruft, wird die diesjährige Parade auf dem Roten Platz ohne militärische Ausrüstung stattfinden. Nur Fußkolonnen würden über den Platz ziehen. Einige hundert statt der üblichen tausenden Gäste würden anwesend sein und die Parade werde weniger als eine Stunde dauern.

"Die Propaganda wird behaupten, dass dies der Plan war und es nichts mit Drohnen zu tun hat", schreibt Prokopenko.

Diese Information wird indirekt dadurch bestätigt, dass die üblichen Proben ausbleiben. Normalerweise werden Mitte April die Straßen in Moskau gesperrt, spezielle Markierungen angebracht und die mechanisierten Kolonnen auf dem Übungsplatz Alabino trainiert. In diesem Jahr waren bis Ende April noch keine Proben angekündigt worden.

Sogar der Luftteil der Schau soll laut einigen Bloggern abgesagt worden sein: Die Militärs seien angewiesen worden, "bis zu besonderen Anweisungen" an ihre ständigen Einsatzorte zurückzukehren.

In den Grenzregionen wird das Format der Veranstaltungen bereits überarbeitet. In einigen Städten werden die Paraden möglicherweise abgesagt oder in geschlossene Bereiche verlegt. Die Entscheidungen werden je nach Einsatzlage getroffen, und zum ersten Mal wird dies von den Behörden offiziell anerkannt.

Parade ohne internationale Staatsgäste

Die Situation wird auch durch den diplomatischen Hintergrund kompliziert.

Der Vorsitzende der Regierungspartei "Union der Unabhängigen Sozialdemokraten" in der Serbischen Republik Bosnien und Herzegowina, Milorad Dodik, hat seine Teilnahme an der Siegesparade in Moskau angekündigt. Auch der weißrussische Präsident Alexander Lukaschenko bestätigte am 12. April in einem Telefongespräch mit Wladimir Putin seinen Besuch in der russischen Hauptstadt.

Der slowakische Ministerpräsident Robert Ficohatte ebenfalls einen Besuch in Moskau angekündigt, sah sich jedoch mit der Weigerung der baltischen Staaten konfrontiert, sein Flugzeug passieren zu lassen. Fico beantragte daraufhin einen Luftkorridor, um über Polen fliegen zu können, gab aber schließlich bekannt, dass er beschlossen habe, nicht an der Parade teilzunehmen. Gleichzeitig betonte er, dass er immer noch die Absicht habe, Moskau separat zu besuchen und am Grab des Unbekannten Soldaten Blumen niederzulegen.

Auch andere ausländische Staatsoberhäupter haben ihre Teilnahme nicht bestätigt.

Somit droht die Parade, die traditionell als Demonstration internationaler Unterstützung genutzt wurde, in diesem Jahr fast ohne ausländische Gäste stattzufinden.

Der Krieg, der alles veränderte

Nach nunmehr über vier Jahren Ukraine-Krieg haben die Feindseligkeiten auch das russische Territorium erfasst: Drohnenangriffe, Angriffe auf die Infrastruktur und die Grenzgebiete sind inzwischen an der Tagesordnung.

Diese neue Realität - die ständige Bedrohung durch Angriffe aus der Luft - ist zu einem wichtigen Faktor geworden, der die Entscheidung über die Durchführung öffentlicher Veranstaltungen, einschließlich der Parade am 9. Mai, beeinflusst.

Angesichts der zunehmenden Bedrohung durch Angriffe, fehlender Proben und diplomatischer Isolation stehen die russischen Behörden vor schwierigen Entscheidungen.

Die Parade am 9. Mai dürfte stattfinden, aber in einem Format, das eher einer symbolischen Geste als einer groß angelegten Militärshow ähneln wird. Die Führung Moskau will die Tradition bewahren, aber die Realität des Krieges diktiert ihre eigenen Regeln.

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