Die Vorfälle ereigneten sich in der Nacht von Freitag auf Samstag in drei Gemeinden im Großraum Barcelona sowie in der katalanischen Hauptstadt selbst. Die voläufige Bilanz: zwei Tote, drei Verletzte und mehrere Festnahmen.
Die Regionalpolizei der spanischen Region Katalonien ermittelt weiter zu den Vorfällen eines gewaltreichen Wochenendes, an dem es in Barcelona und im Umland zu vier Messerattacken kam. Zwei davon endeten tödlich.
Die katalanische Innenministerin Núria Parlon erklärte in den Sendern "Catalunya Ràdio" und "RAC1", die Haupthypothese der Ermittler zur tödlichen Messerattacke auf eine 41-jährige Frau in Esplugues de Llobregat im Viertel Finestrelles sei ein möglicher psychotischer Ausbruch des Angreifers. Ein geschlechtsspezifisches Motiv sowie ein terroristischer Hintergrund seien ausgeschlossen worden.
Parlon, früher Bürgermeisterin von Santa Coloma, wies Desinformationen zurück, die in sozialen Netzwerken und einigen Medien kursierten und die Tat mit dschihadistischen Motiven in Verbindung brachten. "Es ist leicht, solche Assoziationen zu wecken, um Angst zu erzeugen und Hass zu schüren", sagte sie.
Nach der Tat am Samstagabend floh der Angreifer in Richtung Barcelona. Wenige Minuten später wurde er von den Mossos auf der Avinguda Diagonal festgenommen. Er soll am Dienstag dem Haftrichter vorgeführt werden.
Messerangriffe in Barcelona und Umgebung
Die zweite tödliche Messerattacke ereignete sich nach Angaben der Polizei, auf die sich die Zeitung "Ara" beruft, am Samstagabend zwischen den Stadtvierteln Raval und Sant Antoni, rund sieben Kilometer von Esplugues entfernt. Demnach war der mutmaßliche Angreifer zuvor von einer Gruppe ausgeraubt worden. Der Minderjährige, der mit einer Begleitung unterwegs war, soll anschließend eine Auseinandersetzung provoziert und dabei ein Mitglied der Gruppe niedergestochen haben.
Ein Jugendgericht in Barcelona ordnete die Inhaftierung des Jugendlichen wegen eines mutmaßlichen Tötungsdelikts an. Der Minderjährige war kurz nach der Tat von der Guardia Urbana in Barcelona aufgegriffen worden. Das Opfer, ein erwachsener Mann, wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht und erlag später seinen Verletzungen.
Bei den beiden weiteren Messerattacken gab es Verletzte, jedoch keine weiteren Todesopfer. Der dritte Vorfall ereignete sich vor dem Gelände der Feria de Abril, die im Fòrum de Barcelona nahe der Gemeinde Sant Adrià de Besòs stattfand.
Dabei wurde ein Minderjähriger in der Nähe des Festgeländes niedergestochen. Er befindet sich weiterhin in schwerem Zustand im Krankenhaus, schwebt nach Angaben der Behörden aber nicht in Lebensgefahr. Festnahmen gab es bislang nicht. Die Hintergründe der Tat sind weiterhin unklar. Die Zeitung "El Caso" berichtet, der Angriff sei von einer Jugendbande verübt worden.
Weitere Verletzte und Kritik an Barcelonas Sicherheitslage
In L'Hospitalet de Llobregat nahmen die Mossos zudem einen 28-jährigen Mann fest. Er soll bei einer Auseinandersetzung im Stadtteil Torrassa einen anderen Mann mit einem Messer angegriffen haben. Der Vorfall ereignete sich bereits am Freitag. Beide Beteiligten wurden ins Krankenhaus eingeliefert, einer von ihnen in ernstem Zustand. Die katalanische Polizei ermittelt weiter zu den Umständen und schließt weitere Festnahmen nicht aus.
Die Sprecherin der Polizeigewerkschaft SAP-Fepol der Mossos, Imma Viudes, wies im katalanischen RTVE-Format "Cafè d'idees" nach den "zwei äußerst schweren Vorfällen" den Eindruck zurück, die Kriminalität in Barcelona sei außer Kontrolle geraten. "Dass es Sicherheitsprobleme gibt, ist aber ebenfalls Realität", sagte sie. Auch das Unsicherheitsgefühl der Bevölkerung müsse ernst genommen werden.
Die rechten Parteien Junts, PP und Vox kritisierten, Barcelona leide unter einer "äußerst ernsten und inakzeptablen Sicherheitslage", und machten die Stadtregierung von Jaume Collboni verantwortlich. Die Vorfälle reihen sich ein in ähnliche Fälle: Am Sonntag kam es in einem Nachtclub in Roquetes in der Provinz Tarragona zu einer weiteren Messerattacke, am Montag zu einem weiteren Vorfall im Süden der Stadt Valencia.