Jüngst hatte der Vorsitzende der linksradikalen Partei La France Insoumise, Jean-Luc Mélenchon, angekündigt, bei den Präsidentschaftswahlen 2027 einen vierten Anlauf zu wagen. Die gemäßigteren linken Parteien sind skeptisch. Sie wollen einen eigenen Kandidaten bestimmen.
Für viel kam es nicht überraschend: Der 74-jährige Jean-Luc Mélenchon will es noch ein Mal wissen und kandidiert für die französischen Präsidentschaftswahlen 2027. Angekündigt hat er dies bereits am 3. Mai. Es ist bereits das vierte Mal, dass Mélenchon in den Wahlkampf zieht, nach 2012, 2017 und 2022. Vor der letzten Präsidentschaftwahl hatte er noch angekündigt:
"Ewige Abschiedstournee" - Kritik an Mélenchons Kandidatur
"Es ist klar, dass dies meine letzte Kandidatur ist. Das ist sogar ein Argument für mich: Ich bin der einzige, der keine Karriere organisiert", so Mélenchon im Jahr 2021.
"Nach einem meisterhaften 'Machen Sie es besser' im Jahr 2022 kann Jean-Luc Mélenchon schließlich nicht widerstehen, ein viertes Mal bei den Präsidentschaftswahlen anzutreten", kommentierte der Sprecher der PS-Fraktion in der Nationalversammlung, Romain Eskenazi, auf X.
Jérôme Guedj, der ehemalige parlamentarische Assistent des Anführers der radikalen Linken sprach auf TF1 von einem "Nicht-Ereignis" an. "Es gibt nicht nur Jean-Luc Mélenchon im politischen Leben", sagte der sozialistische Abgeordnete, der selbst ein Kandidat für den Élysée-Palast ist.
"Niemand will mehr Jean-Luc Mélenchon, weder bei der Linken noch im Land", kritisierte Pierre Jouvet, Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS), am Montag auf franceinfo und sprach von einer "ewigen Abschiedstournee, die aufhören sollte und schließlich nicht aufhört". Er sei "der meistgehasste Politiker in diesem Land", tadelte er. "Er ist die beste Lebensversicherung der extremen Rechten", da er "das Land gespalten hat, er hat die Linke gespalten, er setzt sie permanent unter Spannung".
"Die Ablehnung der Person Mélenchons könnte ein Beschleuniger für den Sieg des RN sein", fügt Alexis Corbière, ein weiterer ehemaliger Verbündeter, hinzu. "Das Mandat, das die Leute geben werden, wird an jemanden gehen, der den RN im zweiten Wahlgang schlagen kann. Und Jean-Luc Mélenchon ist nicht derjenige, der diesen Imperativ optimiert. Er verkompliziert ihn", analysierte er in Le Parisien.
"Ich nehme es Jean-Luc Mélenchon übel, dass er seine Kandidatur durchsetzt", erklärte am Dienstag Clémentine Autain, Abgeordnete der Fraktion Ökologie und Soziales.
"Es gibt eine Passivität, die sich mit seinen antisemitischen Äußerungen, seinem Kommunitarismus, seinem Verhältnis zu den Ordnungskräften und der Beleidigung der politischen Führer verschärft hat. Er ist eine absolute Abschreckung für einige progressive Wähler", sagte Sacha Houlié, Abgeordneter der Fraktion der Sozialisten und Verwandten, und legte damit nach.
Linke sammelt sich gegen Mélenchon: Wer soll ins Rennen?
Die Gegner der Kandidatur des LFI-Chefs argumentieren, dass es ihm bei keinem seiner drei Versuche gelungen ist, in die Stichwahl einzuziehen. 2017 (19,58 %) und 2022 (21,95 %) fehlten ihm einige Hunderttausend Stimmen dafür.
Ein Totschlagargument: "JLM" ist derzeit der von der Wählerschaft am meisten abgelehnte Kandidat. 81 % der Wähler wären im Falle eines Sieges des "Insoumis" im Jahr 2027 unzufrieden, wie eine im April von Ipsos BVA durchgeführte Umfrage unter mehr als 10 000 Wählern ergab.
Offensichtlich von der sonntäglichen Ankündigung des starken Mannes der radikalen Linken überrumpelt, versucht die nicht-melenchonistische Linke, ihre Reihen zu organisieren.
Zum Jahrestag der Gründung des linken Parteienbündnisses Front populaire versammelten sich die Befürworter von Vorwahlen innerhalb der linken Kräfte. Ihr gemeinsames Vorgehen sehen sie als Strategie für einen Sieg im Jahr 2027.
"Die Frage ist, ob dieser 5. Mai der Schwanengesang oder der Aufbruch ist", sagte die Ex-Insoumise-Kandidatin Clémentine Autain (L'Après), die für die Vorwahl kandidiert. Dieser Prozess, der für den 11. Oktober vorgesehen ist, "hat Blei im Flügel", räumte sie ein, "aber ich sehe keine anderen demokratischen Lösungen".
Vor 1200 Personen, die nach Angaben der Organisatoren anwesend waren, versicherte die ehemalige Kandidatin Lucie Castets, dass "diese Vorwahl kein Hirngespinst" sei. "Wir sind bereit, wir haben eine Organisation und die Mittel, um Millionen von Wählern zu mobilisieren", bekräftigte sie.
François Ruffin (Debout!), ebenfalls ein Anwärter auf die Kandidatur, der bereits 100.000 Unterstützer für sich reklamiert, verteidigte ebenfalls die Einheit der Linken. "Auch heute sagen drei Viertel der Wähler der Linken: Wir wollen eine gemeinsame Kandidatur, die durch eine Vorwahl angeführt wird", versicherte er. "Wir werden eine gemeinsame Kraft brauchen".
"87 Prozent der Wähler der Sozialisten und 89 Prozent der Wähler der Ökologisten wollen die Vorwahl", bekräftigte ihrerseits die nationale Sekretärin der Ökologisten Marine Tondelier.