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Ukraine und Deutschland starten "Brave Germany" für Deep-Strike- und Hightech-Waffen

Fedorow und Pistorius in Kyjiw, 11.05.2026
Fedorow und Pistorius in Kyjiw, 11.05.2026 Copyright  Ukranisches Verteidigungsministerium
Copyright Ukranisches Verteidigungsministerium
Von Johanna Urbancik
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Mit "Brave Germany" wollen Berlin und Kyjiw gemeinsam neue Verteidigungstechnologien, KI-Waffen und Deep-Strike-Systeme entwickeln. Verteidigungsminister Boris Pistorius sprach in Kyjiw von zahlreichen neuen Projekten zur Stärkung der strategischen Partnerschaft.

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) und sein ukrainischer Amtskollege Mychajlo Fedorow haben heute in Kyjiw eine Vereinbarung zum Start von "Brave Germany" unterzeichnet. Dabei handelt es sich um ein gemeinsames Programm zur Entwicklung von Verteidigungstechnologien und zur Unterstützung innovativer Start-ups.

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Laut dem ukrainischen Nachrichtenportan Ukrinform sagte Fedorow, dass "Deutschland heute weltweit die Nummer eins bei der sicherheitspolitischen Unterstützung der Ukraine ist." Die Unterstützung Berlins würde etwa ein Drittel der gesamten Hilfe für die Ukraine ausmachen, so der Minister.

Fedorow und Pistorius in Kyjiw, 11.05.2026
Fedorow und Pistorius in Kyjiw, 11.05.2026 Ukrainisches Verteidigungsministerium

Pistorius ist heute zu einem Überraschungsbesuch in der ukrainischen Hauptstadt Kyjiw eingetroffen. Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) sagte er, dass es bei seinem Besuch über den Ausbau der Rüstungskooperationen gehe, sowie der Bau neuer Waffensysteme zusammen mit der Ukraine. Ziel bei seinem unangekündigtem Besuch sei laut der dpa diese Kooperation als Teil der strategischen Partnerschaft zu vertiefen.

"Deutschland und die Ukraine sind strategische Partner, die beide von der Kooperation profitieren. Daraus ergeben sich zahlreiche neue Projekte", so der Minister. "Im Fokus steht die gemeinsame Entwicklung modernster unbemannter Systeme in allen Reichweiten, gerade auch im Bereich deep strike. So stärken wir die Sicherheit unserer Länder."

Nach seinem Besuch in Berlin vergangenen Monat verkündete Fedorow auf Telegram, dass Deutschland und die Ukraine ein neues Verteidigungspaket im Wert von vier Milliarden Euro vereinbart haben. Das Paket umfasse die Finanzierung von mehreren hundert Patriot-Raketen sowie 36 IRIS-T-Startgeräten zur Stärkung der Luftverteidigung, Investitionen von 300 Millionen Euro in ukrainische sogenannte Deep-Strike-Fähigkeiten und eine gemeinsame Produktion von KI-gestützten sogenannten Mid-Strike-Drohnen, also Drohnen mit Mittelstrecken-Schlagfähigkeiten, von denen zunächst 5.000 für die ukrainischen Streitkräfte vorgesehen sind.

Bei der heutigen Unterzeichnung in Kyjiw nahm Fedorow darauf bezug und sagte, Deutschland habe begonnen, "Middle-Strike- und Deep-Strike-Fähigkeiten zu finanzieren, die für uns von enormer Bedeutung sind." "Wie unser Präsident sagt, sind das unsere 'Langstrecken-Sanktionen'. Middle Strikes ermöglichen es uns heute, die Logistik unseres Feindes zu unterbrechen. Auch das zeigt die Qualität der Unterstützung und die Finanzierung der aktuell wichtigsten Bereiche", fügte Fedorow laut Ukrinform hinzu.

Pistorius und Fedorow bei der Unterzeichnung in Kyjiw, 11.05.2026
Pistorius und Fedorow bei der Unterzeichnung in Kyjiw, 11.05.2026 Ukrainisches Verteidigungsministerium

"Deep-Strike"-Lücke bleibt

Zwar werden die deutschen Streitkräfte massiv aufgerüstet, doch eine wichtige Fähigkeit fehlt der Bundeswehr: die sogenannten "Deep Strike Capabilities". Darunter versteht man Präzisionsschläge aus großer Entfernung, also die Fähigkeit, hochrangige militärische und infrastrukturelle Ziele mehrere hundert bis tausende Kilometer hinter der Front präzise zu treffen.

Der damalige SPD-Bundeskanzler Olaf Scholz hatte mit dem damaligen US-Präsidenten Joe Biden ausgemacht, dass amerikanische Tomahawk-Marschflugkörper in Deutschland stationiert werden. Sie sollten der Abschreckung gegen Russland dienen.

Nachdem der aktuelle US-Präsident Donald Trump einen US-Truppenabbau von circa 5.000 Soldaten angekündigt hatte, stellte er auch die Stationierung der Tomahawks in Frage. Eigentlich sollten sie 2026 nach Deutschland gebracht werden. So wie es aussieht, wird es dazu jedoch nicht mehr kommen.

Einem Bericht der Financial Times (FT) zufolge plant Pistorius eine Reise nach Washington, um die Trump-Regierung von einem Verkauf von Tomahawk-Marschflugkörpern samt der dazugehörigen Typhon-Startsysteme zu überzeugen. Laut der FT hänge der Besuch jedoch davon ab, ob der deutsche Verteidigungsminister einen Termin mit seinem US-Kollegen, Kriegsminister Pete Hegseth vereinbaren könne. Angesichts der aktuellen Spannungen, die von Merz' Kommentaren zu Trumps Kriegsführung im Iran ausgingen, sei das jedoch "keineswegs sicher".

Momentan besitzt die Bundeswehr nur eine Waffe, die man in die untere bis mittlere Deep-Strike-Kategorie einteilen kann: den Taurus-Marschflugkörper, dermit über 500 Kilometern am unteren bis mittleren Ende dieser Waffengattung liegt.

Könnte die Ukraine bei "Deep-Strike-Capabilities" helfen?

Welche Waffen mithilfe deutscher Investitionen und Kooperationen geplant sind, ist unklar. Vergangenes Jahr hat Kyjiw jedoch eine Langstreckenrakete vorgestellt, die die "Deep-Strike"-Lücke schließen könnte: der "Flamingo". Der bodengestützten FP-5 Flamingo hat eine Spannweite von etwa sechs Metern, wiegt um die 6.000 Kilogramm und hat eine Nutzlast von 1.150 Kilogramm. Das System ist das erste ukrainisch-produzierte "schweren Raketensystem".

Die Gefechtsladung wiegt über 1.000 Kilogramm, was schätzungsweise 450–550 Kilogramm Sprengstoff entspricht und deutlich mehr ist als bei den bisher eingesetzten ukrainischen Drohnen und Klein-Marschflugkörpern, so der Militär- und Sicherheitsexperte Fabian Hoffmann in seinem Blog "Missile Matters".

Am Montag, dem 18. August 2025, sind in der geheimen Fabrik von Fire Point in der Ukraine Flamingo-Raketen zu sehen
Am Montag, dem 18. August 2025, sind in der geheimen Fabrik von Fire Point in der Ukraine Flamingo-Raketen zu sehen AP Photo/Efrem Lukatsky

Die hohe Endgeschwindigkeit in Kombination mit dem hohen Gewicht des Flamingos sorgt dafür, dass der Sprengkopf tiefer in das Ziel eindringt, bevor er explodiert, was die Zerstörungskraft erheblich steigert.

Zum anderen ermöglicht die große Sprengladung einen deutlich größeren tödlichen Wirkungsradius: Während er bei stark befestigten Zielen wie Betonbauten bei etwa 21 Metern liegt, erreicht er bei weicheren Strukturen wie Raffinerieanlagen rund 38 Meter, so Hoffmann.

Mit dem "Flamingo" greifen die ukrainischen Streitkräfte Ziele tief in Russland an, wie beispielsweise eine über 1.300 Kilometer entfernte Fabrik in Wotkinsk im Februar 2026. In dieser Industriestadt, die nahe der Stadt Ischewsk liegt, produziert Russland Berichten zufolge Iskander-Raketen.

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