Die Ukraine greift neben Raffinerien auch Militärobjekte im russischen Hinterland an. Dafür war sie lange auf Unterstützung der westlichen Verbündeten angewiesen. Nun bestätigte Selenskyj, dass der ukrainische Flamingo-Marschflugkörper erst vor kurzem in Russland eingesetzt wurde.
Bei einem Treffen mit Journalisten am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj, ein russischer Raketenangriff habe die Produktionslinie für den Flamingo-Marschflugkörper zerstört.
Mittlerweile ist die Produktion an einem anderen Ort wieder aufgenommen worden, so Selenskyj, der ergänzte, dass die ukrainischen Streitkräfte den Flamingo erst "vor wenigen Tagen" eingesetzt hätten. Angegriffen wurden ihm zufolge Produktionsstätten in Russland, in denen die russische mobile ballistische Mittelstreckenrakete Oreschnik produziert wird.
Der Flamingo-Marschflugkörper ist für eine Reichweite von bis zu 3.000 Kilometern ausgelegt und ist das erste ukrainisch-produzierte "schwere Raketensystem". Anders als bei manchen westlichen Systemen, die an die Ukraine geliefert wurden, unterliegen die ukrainischen Streitkräfte laut Selenskyj keinen Reichweitenbeschränkungen – zumindest wisse er von keinen.
Die Erwartungen an den "Flamingo" waren entsprechend hoch, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass Kyjiw weiterhin auf die Lieferung des deutschen Marschflugkörpers Taurus hofft.
Selenskyj bestätigte, dass Deutschland weiterhin keine Taurus-Marschflugkörper an Kyjiw liefert. Die Ukraine brauche die Marschflugkörper weiterhin und habe großes Interesse an einer Lieferung, so Selenskyj. Eine Entscheidung der Bundesregierung stehe ihm zufolge jedoch noch aus.
Am Freitag bekräftigte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) erneut, dass sich an der Entscheidung zum Taurus für die Ukraine bislang nichts geändert habe.
"Ich höre diese Frage nun schon seit fast drei Jahren und die Antwort ist immer noch dieselbe", so Pistorius, der damit die Haltung der Regierung widerspiegelt, den deutschen Marschflugkörper nicht an die Ukraine zu schicken.
Woher kommt das "nein" zum Taurus?
Die schwarz-rote Regierung unter Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) folgt damit der Entscheidung ihrer Vorgängerregierung unter dem SPD-Kanzler Olaf Scholz, der die Waffe aufgrund der Reichweite von rund 550 Kilometern nicht an Kyjiw liefern wollte.
Mit dem Taurus könnten die ukrainischen Streitkräfte strategisch wichtige Ziele tief im russischen Hinterland angreifen. Scholz argumentierte jedoch, dass eine Lieferung das Risiko berge, dass damit auch Ziele wie Moskau angegriffen werden könnten. Deutschland könnte ihm zufolge dadurch eine Kriegspartei werden
Das "nein" zur Taurus-Lieferung wurde auch im SPD-Wahlprogramm festgehalten.
Merz hatte sich im Wahlkampf noch offen gezeigt, die deutsche Waffe an die Ukraine zu liefern. Bei seinem ersten Besuch als Kanzler in Kyjiw verkündete er stattdessen, dass die deutschen Waffenlieferungen an die Ukraine von nun an geheim gehalten werden.
Der Grund ist strategische Ambiguität: Russland soll nicht bereits im Voraus erfahren, wann welche Waffensysteme an die Ukraine geliefert werden.
Statt eine Liste von Waffen, die an Kyjiw geliefert werden, wurde stattdessen im Mai vergangenen Jahres verkündet, dass die Bundesregierung in die Produktion weitreichender Waffen, darunter Drohnen und Raketen, in der Ukraine investieren werde.
Welche Waffensysteme genau mitfinanziert werden, ist jedoch unklar. "Die Bundesregierung beantwortet aus Gründen der militärischen Sicherheit keine Fragen zu einzelnen Waffensystemen, beziehungsweise der Unterstützung einzelner Wirtschaftsunternehmen in der Ukraine", bestätigte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums auf Anfrage von Euronews vom Mai vergangenen Jahres.