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Jeder dritte Deutsche betroffen: Was hinter sogenannten "Hitzeinseln" steckt

Hitzeinseln sind eine Gefahr des Sommers in Städten
Hitzeinseln sind eine Gefahr des Sommers in Städten Copyright  (c) Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
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Von Franziska Müller
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Hitzeinseln sind eine Gefahr für Stadtbewohner im Sommer. Rund 40 Prozent der Deutschen sind betroffen. Doch es gibt einige Tipps, die Abhilfe schaffen können.

Sommerliche Temperaturen um die 30 Grad wirken an verregneten Wintertagen oft verlockend. Doch die Realität sieht häufig anders aus: Hitze am Arbeitsplatz, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in den eigenen vier Wänden belastet viele Menschen. Auch der Schlaf leidet unter hohen Temperaturen.

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Besonders betroffen sind Menschen, die in sogenannten Hitzeinseln leben. Dabei handelt es sich um dicht bebaute Gebiete, die sich im Sommer besonders stark aufheizen. Insgesamt leben etwa 40 Prozent der Deutschen in diesen Gebieten.

Die Verbraucherzentrale erklärt, was jeder Einzelne tun kann, doch Initiativen und Vereine fordern insbesondere auch die Kommunen zu Maßnahmen auf.

42 Prozent der NRW-Bewohner wohnen auf Hitzeinseln

Großstädte und ihr Umland stellen in Deutschland einen zentralen Lebensraum dar. Die aktuellsten Auswertungen des Statistischen Bundesamts stammen aus dem Jahr 2022. 71 Prozent der Deutschen leben in Großstädten und ihrem Umland.

In 16 Großstadtregionen lebten mehr als eine Million Einwohner, darunter insbesondere Städte im Ruhrgebiet. Großstädte ohne Umland mit mehr als eine Million EInwohner gibt es nur vier: Berlin, Hamburg, München und Köln.

Allein in Nordrhein-Westfalen leben deshalb rund 7,5 Millionen Menschen auf sogenannten Hitzeinseln, wie eine Analyse des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) aus dem Jahr 2026 zeigt. Das sind rund 42 Prozent der Gesamtbevölkerung des Bundeslandes.

71 Prozent der Deutschen leben in Großstadtregionen.
71 Prozent der Deutschen leben in Großstadtregionen. Statistisches Bundesamt (DeStatis 2024) / BBSR Bonn 2024

Je höher die Bewohnerdichte, desto enger bebaut ist zwar kein Maßstab, der überall angewendet werden kann. Studien des Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) zeigen jedoch, dass Bevölkerungsdichte und bauliche Dichte (z. B. Geschossflächenzahl) in deutschen Städten stark korrelieren – insbesondere in gewachsenen Innenstädten.

Ist jede Großstadt eine Hitzeinsel?

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht nicht von Hitze-, sondern von Wärmeinseln. Der Fachbegriff aus der Forschung lautet Urban Heat Island, kurz UHI. Inzwischen wertet der DWD Wärmeinseln als typisches Merkmal des Stadtklimas.

Wenn die zwischen Gebäuden und versiegelten Flächen eingeschlossene heiße Luft nicht entweichen kann und sich auch nachts nicht abkühlt, beeinträchtigen die ständig hohen Temperaturen die Lebensqualität der Menschen und unmittelbar auch die Pflanzen- und Tiervielfalt.

Besonders heiß wird eine städtische Wärmeinsel bei wolkenfreien und windschwachen Wetterbedingungen während der Nacht. Während sommerlichen Hitzeepisoden ist es am wahrscheinlichsten, dass Hitzeinseln entstehen. Weil die Temperaturunterschiede zwischen Stadt und Umland tagsüber geringer sind als nachts, kommt es jedoch zu mehr Tropennächten als zu heißen Tagen, wie der DWD über die Jahre herausgefunden hat.

Anzahl der heißen Tage und Tropennächte an der Stadtklimastation Berlin-Alexanderplatz und der Umlandstation Berlin Brandenburg
Anzahl der heißen Tage und Tropennächte an der Stadtklimastation Berlin-Alexanderplatz und der Umlandstation Berlin Brandenburg Deutscher Wetterdienst (DWD)

So gab es im Zentrum von Berlin am Alexanderplatz im Jahr 2024 ganze 22 Tropennächte, während es in Brandenburg lediglich drei bis vier waren. An den Tagen gleicht sich die Kurve beider Orte jedoch an. Das liegt daran, dass sich Städte mit großen Betonflächen, hohen Gebäuden und engen Straßen stärker aufheizen und weniger schnell abkühlen als Orte mit mehr Grünflächen.

Vegetation, wie insbesondere Bäume und Sträucher und natürlicher Boden, die normalerweise einen kühlenden Effekt auf die Umgebung haben, würden in der Stadt fehlen, so der Deutsche Wetterdienst.

Demnach würden an ihre Stelle versiegelte Flächen treten, die Niederschlag nicht speichern können und oberirdisch ableiten. Bäume fehlen für Schatten und Verdunstung von Regenwasser ist nicht möglich.

Schlechter Schlaf, kaum Abkühlung: Leben auf einer Hitzeinsel

Wenn eine Stadt nachts nicht mehr abkühlt, wie etwa insbesondere im Jahr 2024 am Alexanderplatz in Berlin, kann sich das auch negativ auf die Gesundheit auswirken. Denn bei den Temperaturen von Tropennächten erholt sich der menschliche Körper auch während des Schlafes kaum. Schlafforscher empfehlen für einen guten Nachtschlaf eine Zimmertemperatur von 16 bis 18 Grad. Im Somme ist es dafür also schlichtweg zu heiß, wenn die Außentemperatur nachts darüber liegt.

Der Berliner Alexanderplatz ist zu großen Teilen zugepflastert und dadurch versiegelt. Im Sommer heizt sich der Platz besonders stark auf.
Der Berliner Alexanderplatz ist zu großen Teilen zugepflastert und dadurch versiegelt. Im Sommer heizt sich der Platz besonders stark auf. Copyright 2025 The Associated Press. All rights reserved

Das löst eine Kettenreaktion aus. Wer nicht genug oder erholsam schläft, dem fehlt schlussendlich die Konzentrationsfähigkeit. Außerdem kann es aufgrund von Hitze häufiger zu Unfällen kommen, wie eine Studie der Universitäten aus Passau und Bern zeigt. An Tagen mit Temperaturen über 30 Grad steigt demnach die Zahl der Arbeitsunfälle um 7,4 Prozent. In der Medizin spricht man dann außerdem von Hitzestress. Der ist besonders gefährlich für ältere Menschen, Menschen mit Vorerkrankungen und Kleinkinder.

Doch mit einigen Maßnahmen kann man auch vor der eigenen Haustür das Klima verbessern.

Wie man sich gegen die Hitze wappnen kann

"Hauseigentümer:innen und Mieter:innen sollten nicht auf Maßnahmen der Kommune warten. Vieles können sie selbst vorsorglich umsetzen", empfiehlt Fatma Özkan von der Verbraucherzentrale NRW. Dort leitet sie die Gruppe Klimaanpassung. Wichtig ist ihr zufolge "die Wohnung und das Haus gegen Überhitzung und gleichzeitig gegen weitere Wetterextreme widerstandsfähiger zu machen."

So wirken entsiegelte Flächen rund ums Haus besonders wirksam gegen sommerliche Überhitzung. Grund dafür ist einerseits das Wasser, das bei offenen Flächen in den Boden versickern kann. Wenn es verdunstet, bleibt der Boden länger frisch und kann nachts besser abkühlen. Durchlässige Flächen haben noch einen weiteren Vorteil: sie können Regenwasser auch besser speichern und beugen bei Starkregen somit Überschwemmungen vor.

"Vorgärten, Stellplätze, Auffahrten und Wege können dafür umgestaltet werden", empfiehlt die Vebraucherzentrale NRW. Pflaster, Schotter, Kies oder Splitt könnte in Eigenleistung entfernt werden, teilweise gebe es dafür sogar Prämien oder Unterstützung von den Kommunen.

Asphaltierte Straßen, eng gebaute Reihenhäuser... das Umfeld entscheidet darüber, wie heiß es im Sommer wird. Aber auch der Einzelne kann Maßnahmen ergreifen.
Asphaltierte Straßen, eng gebaute Reihenhäuser... das Umfeld entscheidet darüber, wie heiß es im Sommer wird. Aber auch der Einzelne kann Maßnahmen ergreifen. Copyright 2024 The Associated Press. All rights reserved

Statt Schotterflächen würden bodendeckende Stauden, Blühpflanzen und Bäume ein kühles Mikroklima schaffen, die Luft filtern und Lebensraum für Insekten bieten. Ein weiterer Hitzekiller: Bäume. Sie seien dabei besonders wertvoll, da sie Schatten spenden und CO2 binden. Doch wer mehr Mittel zur Verfügung hat, kann auch mit grünen Dächern und Fassaden eine natürliche Klimaanlage schaffen.

Besonders eingeschränkt in ihren Möglichkeiten sind jedoch Mieter. Doch auch für die hat die Verbraucherzentrale einige Hinweise. "Dazu gehört es, Räume möglichst vor starker Aufheizung zu schützen und vorhandene schattenspendende Elemente zu nutzen", heißt es in den Vorschlägen. Auch wenn bauliche Veränderungen nicht möglich sind, kann etwa Begrünung auf dem Balkon oder auf Fensterbereichen Abhilfe schaffen. Denn schon kleine Veränderungen können das Wohnklima spürbar verbessern, wie auch die Verbraucherzentrale in NRW bestätigte.

In einem sogenannten Klimakoffer stellt die Verbraucherzentrale außerdem weitere Maßnahmen vor, die jeder umsetzen kann.

Fraunhofer-Institut forscht an Hitzeinseln

Insbesondere städtische Umgebungen seien für sogenannte Urbane Hitzeinseln (UHI) anfällig, wie auch das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB) festgestellthat. Mit Geo-Intelligence lassen sich die Orte in Deutschland, an denen die Hitze besonders spürbar ist, anhand von verschiedenen Daten ermitteln.

Mit Hilfe von Sensordaten aus der Luft wird die Landschaft in einem digitalen 3D-Zwilling rekonstruiert. Dabei wird aus den Daten insbesondere herausgelesen, wo Flächen bebaut sind und sogar Einzelbäume detektiert. In dieser sogenannten Szeneanalyse wird nach Erklärungen des Fraunhofer-Instituts jedem Flächenstück eine Klasse mit mathematischen und physikalischen Eigenschaften zugewiesen.

Hinzu kommen Wetterdaten und eine Modellierung der Oberflächentemperatur. Dadurch wird das Ganze sogar 4D. Am Ende soll das Modell der Geo Intelligence Einheit des IOSB einen Temperaturwert für jedes Flächenstück zu jeder gegebenen Zeit ermöglichen.

Die Bewertung macht Hitzeinseln sichtbar. Und schafft letztendlich den ersten Schritt für eine Veränderung.

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