Derweil sorgt der Einsatz der "Oreschnik"-Rakete international für Aufsehen. Nach Angaben Moskaus kann die Mittelstreckenrakete Ziele in weiten Teilen Europas erreichen.
Im Rahmen der nächtlichen russischen Angriffe auf die ukrainische Hauptstadt Kyjiw wurde auch das zentral gelegene Studio des öffentlich-rechtlichen Senders ARD schwer beschädigt und teilweise zerstört. Nach Angaben des Senders dürfte eine massive Druckwelle die Schäden verursacht haben. Dabei zerbarsten Fensterscheiben, die Räume des Studios wurden verwüstet.
Verletzt wurde bei dem Vorfall niemand. Zum Zeitpunkt des Angriffs befanden sich keine Mitarbeitende im Gebäude.
Die ARD teilte mit, dass nun zunächst die Statik des Gebäudes überprüft werden müsse. Die Berichterstattung aus der Ukraine solle dennoch ohne größere Einschränkungen fortgesetzt werden.
Russland setzt "Oreschnik" ein
Der Angriff auf Kyjiw war Teil einer groß angelegten russischen Offensive in der Nacht auf Sonntag. Nach Angaben der ukrainischen Luftstreitkräfte setzte Moskau dabei 90 Raketen und Marschflugkörper sowie rund 600 Drohnen ein. Zwar seien zahlreiche Ziele abgefangen worden, dennoch habe es dutzende Einschläge gegeben.
Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte zudem, Russland habe erneut die Mittelstreckenrakete "Oreschnik" eingesetzt, diesmal auch erstmals nahe der Hauptstadt Kyjiw.
Die russische Staatsagentur Interfax bestätigte den Einsatz unter Berufung auf das Verteidigungsministerium. Moskau sprach von einem Vergeltungsschlag für ukrainische Angriffe in der Region Luhansk. Kyjiw bestreitet einen gezielten Angriff auf Zivilisten und erklärte, Ziel sei eine russische Drohneneinheit in der Region Starobilsk gewesen.
Scharfe internationale Reaktionen
Der Einsatz der "Oreschnik"-Rakete durch Russland hat international scharfe Reaktionen ausgelöst.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sprach auf der Social-Media Platform X von einer "rücksichtslosen Eskalation" und verurteilte den Angriff deutlich. Deutschland stehe weiterhin fest an der Seite der Ukraine.
Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron reagierte mit deutlichen Worten. Die erneuten russischen Angriffe hätten erneut zivile Ziele in der Ukraine getroffen. Der Einsatz der ballistischen "Oreschnik"-Rakete zeige vor allem die Sackgasse von Russlands Angriffskrieg und eine gefährliche Eskalation. Frankreich werde seine Unterstützung für die Ukraine sowie die Bemühungen um einen gerechten und dauerhaften Frieden fortsetzen.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, der massive russische Angriff zeige "die Brutalität des Kremls und dessen Missachtung von Menschenleben sowie Friedensverhandlungen". Terror gegen Zivilisten sei "keine Stärke, sondern Verzweiflung". Die Europäische Union werde die Ukraine weiter unterstützen und insbesondere ihre Luftverteidigung stärken.
EU-Außenbeauftragte Kaja Kallas sprach von "abscheulichen Terrorakten" gegen die ukrainische Zivilbevölkerung. Russland habe militärisch eine Sackgasse erreicht und greife deshalb gezielt Stadtzentren an. Besonders alarmierend sei der mutmaßliche Einsatz von Mittelstreckenraketen des Typs "Oreschnik", die ursprünglich für nukleare Sprengköpfe ausgelegt seien. Dies sei eine "gefährliche nukleare Einschüchterungstaktik". Die EU-Außenminister wollen kommende Woche über weiteren Druck auf Russland beraten.
Reichweite von bis zu 5.500 Kilometern
Ein Grund für die besonders scharfen internationalen Reaktionen ist die Bedeutung der "Oreschnik"-Rakete selbst. Dabei handelt es sich um eine russische Mittelstreckenrakete, die nach Angaben Moskaus Ziele in weiten Teilen Europas erreichen und moderne Luftabwehrsysteme umgehen kann.
Ihren ersten bekannten Einsatz hatte die Rakete 2024 bei einem Angriff auf die ukrainische Stadt Dnipro. Seitdem gilt das Waffensystem als eines der aufmerksam beobachteten Projekte des Kremls.
Russlands Präsident Wladimir Putin bezeichnete die "Oreschnik" als "hochmoderne" Rakete, die mehrere Sprengköpfe tragen und mit Hyperschallgeschwindigkeit fliegen könne.
Nach russischer Einstufung gehört die Rakete zur Kategorie der Mittelstreckenraketen. Sie soll Ziele in einer Entfernung von 3.000 bis 5.500 Kilometern treffen können.
Auch Belarus soll nach Angaben des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko inzwischen über die Rakete verfügen.