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Steckersolar boomt in Europa: lohnt es sich mehr als klassische Dachanlagen?

Giorgio Trovato über Unsplash.
Foto: Giorgio Trovato/Unsplash. Copyright  https://unsplash.com/photos/brown-and-white-concrete-house-mIlvCv21W1s
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Von Liam Gilliver
Zuerst veröffentlicht am
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Solarenergie entlastet viele Europäer von den steigenden Kosten fossiler Brennstoffe. Fachleute warnen jedoch: Wegen des Rebound-Effekts könnten die Stromrechnungen trotzdem weiter steigen.

Solarenergie gilt als „leuchtender Stern“ der europäischen Energiewende und federt für viele Haushalte die Preisschocks bei fossilen Brennstoffen ab.

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Der Krieg gegen den Iran hat die Öl- und Gaspreise in die Höhe getrieben. In ganz Europa versuchen Menschen, unabhängiger von diesen Importen zu werden.

In Deutschland verzeichnete der Ökostromanbieter Enpal BV seit Beginn des Konflikts zwischen den USA und Israel im Nahen Osten rund 30 Prozent mehr Anfragen für Solaranlagen. Auch die Marke 1KOMMA5° GmbH meldet nahezu doppelt so großes Interesse an Solarstrom.

Im Vereinigten Königreich registrierte der Energiekonzern EON zwischen dem 23. Februar und dem 1. März ein Plus beim Interesse an Solarenergie von 23 Prozent. Zwischen dem 2. und dem 8. März stieg es noch einmal um 63 Prozent.

Gefragt sind nicht mehr nur klassische Solarmodule auf dem Dach. Der Branchenverband SolarPower Europe, der die europäische Photovoltaikindustrie vertritt, berichtet, dass auch der Verkauf von Steckersolaranlagen in ganz Europa zunimmt. Konkrete Zahlen sind jedoch schwer zu erheben.

Steckersolar in Europa: Warum die Technik an Boden gewinnt

Deutschland gilt seit Langem als Vorreiter beim Ausbau von Plug-in-Solar. Zwischen 2022 und 2025 wurden mehr als eine Million Systeme installiert. Der Boom hängt vor allem mit staatlichen Förderprogrammen zusammen, die Käuferinnen und Käufer von Steckersolaranlagen über Einspeisevergütungen belohnen. Für jede Kilowattstunde, die ins Netz geht, gibt es einen festgelegten Preis.

Der Wegfall der Mehrwertsteuer und deutlich gesunkene Preise machen die Technik zusätzlich attraktiv. In vielen anderen europäischen Ländern verlief die Einführung von Steckersolar bisher schleppend. Gesetzesänderungen könnten das nun ändern.

Belgien erlaubte im vergangenen April selbst installierte Module. Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer können seitdem Plug-in-PV-Anlagen kaufen, ohne eine Fachfirma beauftragen zu müssen. Auch in Spanien ziehen die Verkaufszahlen an: Das Unternehmen Tornasol Energy stattete im vergangenen Jahr mehr als 1.300 Haushalte mit Solarkits aus.

Das Vereinigte Königreich ist das jüngste europäische Land, das die Regeln für Steckersolar lockert. Kürzlich kündigte die Regierung an, dass günstige Module bei Billiganbietern wie Lidl und Iceland erhältlich sein werden.

Von den 27 EU-Mitgliedstaaten verbieten nur Schweden und Ungarn weiterhin selbst installierte Steckersolargeräte.

Steckersolar oder Dachanlage: Welche Lösung lohnt sich?

Die Kosten für eine Dachsolaranlage schwanken in Europa stark. Sie hängen von der Größe des Systems und davon ab, ob zusätzlich ein Stromspeicher installiert wird. Die Preise reichen von etwa 7.000 bis 30.000 Euro – allerdings gewähren mehrere Länder Zuschüsse, die die Investition abfedern.

Auch die Amortisationszeit von Dachanlagen hängt von mehreren Faktoren ab. Entscheidend sind die Ausrichtung der Module, die Sonneneinstrahlung und das eigene Verbrauchsverhalten.

Nach Berechnungen des britischen Energy Saving Trust kann ein Haus in London mit Dachsolaranlage – ohne Einnahmen aus der Einspeisung einzurechnen – pro Jahr rund 650 Pfund (750 Euro) sparen, wenn die Bewohnerinnen und Bewohner den ganzen Tag zu Hause sind. Sind sie an den meisten Tagen erst ab 18 Uhr daheim, sinkt die Ersparnis auf 530 Pfund (611 Euro).

Am meisten profitieren somit Menschen, die tagsüber viel Strom verbrauchen – etwa Rentnerinnen und Rentner oder Personen, die im Homeoffice arbeiten.

„Eine typische Dachanlage kann die Stromrechnung deutlich senken, besonders in Haushalten mit hohem Tagesverbrauch durch das Laden von E-Autos oder den Betrieb von Wärmepumpen“, sagt Kian Milroy, Elektroingenieur für erneuerbare Energien beim Unternehmen Heatable (Quelle auf Englisch), gegenüber Euronews Earth.

„Die Anschaffung ist natürlich teurer und die Amortisation dauert länger, insgesamt ist der Gegenwert aber höher.“

Milroy beschreibt Steckersolaranlagen – die im Vereinigten Königreich ab etwa 400 Pfund (461 Euro) auf den Markt kommen – eher als „Top-up-Produkt“, also als Ergänzung. Sie eignen sich besonders für Mieterinnen und Mieter, Wohnungen oder alle, die keine Dach-PV-Anlage installieren können.

„Steckersolar hat seine Vorteile, bleibt aber begrenzt“, erklärt er. „Die Systeme sind deutlich einfacher zu montieren, erzeugen jedoch nicht genug Strom, um die Rechnung stark zu drücken.“

Im Gegensatz zu Deutschland sind Haushaltssteckdosen im Vereinigten Königreich in der Regel nicht für rückgespeiste Stromerzeugung ausgelegt. Haushalte mit Steckersolaranlagen können ihre Überschüsse daher nicht ins Netz einspeisen, anders als bei Dachanlagen.

Steckersolar soll ohnehin keine großen Strommengen liefern. Die Anlagen sind eher dafür gedacht, Dauerverbraucher wie Kühlschränke, WLAN-Router und andere Geräte im Stand-by-Betrieb zu versorgen.

Natalie Mathie, Energieexpertin bei Uswitch.com (Quelle auf Englisch), sagt Euronews Earth, dass Steckersolarmodule mit 400 bis 500 Watt energieeffiziente Geräte wie Schongarer (die je nach Größe etwa 300 Watt benötigen) betreiben können. Für besonders stromhungrige Geräte wie mobile Klimageräte oder Heißluftfritteusen reicht die Leistung jedoch nicht.

Eine Analyse von Carbon Brief (Quelle auf Englisch) zeigt, dass Steckersolarmodule einem typischen Haushalt im Vereinigten Königreich über ihre 15-jährige Lebensdauer rund 1.100 Pfund (etwa 1.261 Euro) einsparen können. Dachanlagen kommen im gleichen Zeitraum auf Einsparungen von bis zu 15.000 Pfund (17.316 Euro) oder mehr; bei den meisten Systemen liegt die Amortisationszeit zwischen sechs und zehn Jahren.

Kann Solarstrom die Rechnung sogar erhöhen?

Viele Europäerinnen und Europäer investieren in Solarenergie, um ihre Stromkosten zu senken. Manchmal passiert jedoch das Gegenteil.

Fachleute sprechen dann vom Solar-Rebound-Effekt. Er tritt auf, wenn Haushalte mehr Strom verbrauchen als zuvor, weil sie ihre Solaranlage als quasi unerschöpfliche Gratisquelle wahrnehmen.

„Eine kleine Plug-in-Anlage erzeugt vielleicht ein paar hundert Watt. Im Kopf der Eigentümerinnen und Eigentümer wird das aber zu kostenloser Energie – und sie fangen an, mehr Strom zu nutzen“, sagt Milroy.

Dieser Solar-Rebound-Effekt, der auch bei Haushalten mit Dachanlagen auftreten kann, führt oft dazu, dass die Stromrechnung trotz Solaranlage zunimmt. Die Zeit bis zur vollständigen Refinanzierung der Investition verlängert sich.

Wer seinen Verbrauch bewusst stabil hält, kann diesen Effekt jedoch weitgehend ausgleichen.

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