Das US-Zentralkommando eröffnete das Feuer auf den unter Palau-Flagge fahrenden Tanker Settebello, nachdem die Crew Befehle ignoriert hatte, und traf den Maschinenraum, als das Schiff trotz US-Blockade iranisches Öl transportieren wollte.
Ein US-Kampfjet hat im Golf von Oman auf einen Tanker geschossen und ihn manövrierunfähig gemacht. Das Schiff soll versucht haben, entgegen einer US-Blockade Öl aus dem Iran zu transportieren, teilte das US-Militär am Mittwoch mit.
Das Flugzeug habe „Präzisionsmunition in den Maschinenraum des Schiffs abgefeuert, nachdem die Besatzung wiederholt den Anweisungen der amerikanischen Streitkräfte nicht nachgekommen war“, erklärte das Zentralkommando der US-Streitkräfte (Centcom) auf der Plattform X. Demnach handelt es sich um den unter Flagge des Pazifikstaats Palau fahrenden Tanker MT Settebello.
Indien bestellte daraufhin am Mittwoch den ranghöchsten US-Diplomaten in Neu-Delhi ein, um nach dem Angriff scharf zu protestieren. Drei indische Besatzungsmitglieder gelten seitdem als vermisst.
Einundzwanzig weitere indische Seeleute wurden von dem Handelsschiff gerettet. Das Außenministerium verurteilte den Angriff in einer Erklärung. Die britische Seefahrtsbehörde UKMTO hatte zunächst von einem Toten und zwei Vermissten an Bord gesprochen.
Die britische maritime Sicherheitsfirma Vanguard Tech meldete zunächst, das als palauischer Tanker Settebello identifizierte Schiff habe einen Notruf abgesetzt. Demnach sei sein Maschinenraum von einer Rakete getroffen worden, als es vor der Küste bei Sohar im Golf von Oman unterwegs gewesen sei, und an Bord sei ein Feuer ausgebrochen.
Später meldete UKMTO einen Zwischenfall 20 Seemeilen nordöstlich von Sohar im Oman.
Lokale Behörden berichteten demnach, auf einem Tanker sei im Maschinenraum ein Feuer ausgebrochen; Einsatzkräfte seien vor Ort und unterstützten die Evakuierung der Besatzung, hieß es.
Das Schiff melde einen Toten und zwei Vermisste. Auswirkungen auf die Umwelt gebe es nicht, fügte die Behörde hinzu.
Sohar liegt nahe dem Eingang zur Straße von Hormus, in einem Seegebiet, in dem es seit Beginn des Kriegs mit Iran am 28. Februar immer wieder zu Zwischenfällen mit Schiffen gekommen ist.
Rivalisierende Blockaden lösen Serie von Zwischenfällen aus
Der Angriff ist der jüngste in einer Reihe von Raketen- und Drohnenangriffen auf Handelsschiffe in der Meerenge, die seit Monaten unter zwei konkurrierenden Blockaden steht.
Teheran hat den Verkehr von Frachtschiffen durch die wichtige Wasserstraße fast vollständig zum Erliegen gebracht. Die USA haben ihrerseits eine Blockade gegen alle iranischen Schiffe und Häfen verhängt.
Am 1. März griff Iran einen Tanker nördlich des Hafens Khasab an und beschoss zudem den Hafen Duqm, beide im Oman.
Ende Mai meldete UKMTO eine Explosion auf einem anderen Tanker rund 60 Seemeilen östlich der omanischen Hauptstadt Maskat.
Am Montag feuerte das US-Zentralkommando eine Hellfire-Rakete in den Maschinenraum des unter botswanischer Flagge fahrenden Tankers MT Lexie, der trotz der US-Seeblockade zu einem iranischen Hafen unterwegs war.
Am selben Tag griff ein US-Kampfflugzeug vom Typ F/A‑18 Super Hornet vom Flugzeugträger USS Abraham Lincoln den ebenfalls unter Palau-Flagge fahrenden Tanker MT Marivex im Golf von Oman an und setzte ihn außer Gefecht.
Sohar selbst war bereits früher im Krieg Ziel iranischer Drohnenangriffe. Zudem brachte Iran mehrere Schiffe im Golf von Oman auf, darunter im Mai den Tanker Ocean Koi. Die Regierung in Teheran warf ihnen vor, iranische Ölexporte und Interessen zu stören.
Trotz der Vorfälle tritt Oman weiterhin als Vermittler zwischen Teheran und Washington auf.
Die Straße von Hormus ist an ihrer engsten Stelle rund 38 Kilometer breit. Iran und Oman kontrollieren dort gemeinsam die Wasserstraße, über die normalerweise rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssigerdgaslieferungen sowie andere Fracht laufen.
Teheran hatte zuvor angekündigt, Durchfahrtsgebühren für vorbeifahrende Schiffe zu erheben, und angedeutet, die Abgaben gemeinsam mit Oman einzutreiben. Die Regierung in Maskat wies dies umgehend zurück und betonte, für die Straße von Hormus könnten rechtlich keine Gebühren verlangt werden, weil es sich um eine natürliche und nicht künstlich geschaffene Passage handele.
Ende Mai veröffentlichte Iran zudem eine Karte, auf der es Regulierungsbefugnisse über einen Abschnitt der Straße von Hormus beansprucht, der tief in die Hoheitsgewässer der Vereinigten Arabischen Emirate und Omans hineinreicht. Fünf Golfstaaten warnten daraufhin Reedereien über die Internationale Seeschifffahrtsorganisation IMO ausdrücklich davor, diesen Vorgaben zu folgen.