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Illegale Zigaretten in der EU auf 10-Jahreshoch: Europa verliert gegen Schwarzmarkt

Schwarzmarkt für Schmuggelzigaretten in Europa
Markt für illegale Zigaretten in Europa Copyright  Patrick Sison
Copyright  Patrick Sison
Von Jan Bolanowski
Zuerst veröffentlicht am Zuletzt aktualisiert
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Die Grauzone im Tabakmarkt wächst: Der Anteil illegaler Zigaretten in der EU steigt laut KPMG erstmals seit 2014 über zehn Prozent. Staaten entgehen rund siebzehn Milliarden Euro im Jahr.

Die Ergebnisse des 20. jährlichen KPMG-Berichts über illegale Tabakprodukte in Europa zeigen: Die Schattenwirtschaft verlagert sich aus Randregionen der EU in die wohlhabendsten Staaten Westeuropas.

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Im Jahr 2025 rauchten die Einwohner der Europäischen Union 41,8 Milliarden Zigaretten aus illegalen Quellen. Damit blieb mehr als jede zehnte Zigarette – genau 10,3 Prozent – ohne Steuern und ohne staatliche Kontrolle.

Wird die Analyse auf 38 europäische Länder ausgeweitet, wird das Ausmaß noch deutlicher: Der Konsum illegaler Zigaretten stieg auf 55,3 Milliarden Stück und erreichte damit 11,1 Prozent des Gesamtmarkts. Zum Vergleich: Der legale Zigarettenmarkt in Polen kam im selben Jahr auf 43,45 Milliarden Stück.

Anders ausgedrückt: In Europa wurden mehr illegale Zigaretten geraucht, als beispielsweise der gesamte legale Zigarettenmarkt in Polen umfasst.

Bemerkenswert: Der mit Abstand größte Markt für illegale Zigaretten in Europa ist inzwischen Frankreich. Laut Bericht wird fast jede zweite Schmuggelzigarette oder illegal hergestellte Zigarette in der EU an der Seine geraucht.

Konsum illegaler Zigaretten in ausgewählten europäischen Ländern
Konsum illegaler Zigaretten in ausgewählten europäischen Ländern KPMG

Nach KPMG-Daten stammen bereits 41,4 Prozent aller von Franzosen konsumierten Zigaretten aus illegalen Quellen. Insgesamt lag der illegale Konsum bei 20,5 Milliarden Zigaretten, knapp die Hälfte davon waren Fälschungen. Allein im Jahr 2025 wuchs das Volumen des illegalen Konsums um weitere 1,8 Milliarden Stück.

Zum Vergleich: In Großbritannien, das auf Rang zwei liegt, wird der Markt für illegale Zigaretten auf 7,3 Milliarden Stück geschätzt, in der Ukraine auf 5,1 Milliarden. Innerhalb der Europäischen Union folgt auf Frankreich mit großem Abstand Belgien mit 2,1 Milliarden Stück, vor den Niederlanden mit 2,1 Milliarden und Polen mit zwei Milliarden.

Markt für illegale Zigaretten in Europa
Markt für illegale Zigaretten in Europa KPMG

Illegale Zigaretten: Hohe Steuerausfälle

Die wachsende Beliebtheit von Schmuggelware und Produkten aus illegalen Fabriken hat handfeste finanzielle Folgen. Die Haushaltsverluste der EU-Mitgliedstaaten werden auf 16,7 Milliarden Euro beziffert. Das entspricht fast einem Zehntel des EU-Haushalts für 2026. Für alle 38 untersuchten Länder zusammen steigen die Steuerausfälle auf 22,4 Milliarden Euro.

„Die Länder der Europäischen Union verlieren in ihren Budgets fast 17 Milliarden Euro pro Jahr. Dieses Geld könnte in Sozialprogramme fließen, und zusätzliche Mittel könnten den legalen Markt stärken. Stattdessen profitieren Kriminelle“, sagte Christos Harpantidis, Direktor für Unternehmensangelegenheiten bei PMI, bei der Präsentation des Berichts.

Die Daten aus Europa stellen die Verantwortlichen vor die Frage, wie weit eine Steuerpolitik gehen kann, die tatsächlich wirkt. Hohe Steuern gelten als eines der wichtigsten Instrumente, um den Tabakkonsum zu senken. Zu schnelle und starke Erhöhungen können jedoch enorme Preisdifferenzen zwischen legalem und illegalem Markt schaffen und damit die Attraktivität der Schattenwirtschaft steigern. Der KPMG-Bericht legt nahe, dass genau dieser Mechanismus den Anstieg des illegalen Konsums in vielen westeuropäischen Staaten erklärt.

Frankreich setzt seit Jahren auf stark steigende Tabaksteuern. Befürworter verweisen auf gesundheitspolitische Ziele. Der Bericht zeigt jedoch, dass ein Teil der Konsumenten in die Schattenwirtschaft ausweicht.

Ähnliche Entwicklungen beobachten Experten in Irland und Belgien. In Irland, das zu den Ländern mit den höchsten Tabaksteuern in Europa gehört, liegt der Anteil des illegalen Konsums bei 35 Prozent. In Belgien stammt jede vierte Zigarette aus illegalen Quellen, der Anteil der Schattenwirtschaft stieg binnen eines Jahres um rekordverdächtige 9,5 Prozentpunkte.

Auch die Niederlande verzeichnen einen sprunghaften Anstieg des Problems. Im Jahr 2025 entfielen bereits 22 Prozent des Marktes auf illegale Zigaretten – ein Niveau, wie man es dort seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr gesehen hat.

„Entscheidend ist eine gute oder schlechte Politik. In letzter Zeit sehen wir immer mehr Steuern, Restriktionen und Verbote. Das treibt die Konsumentinnen und Konsumenten auf den Markt für illegale Produkte. Die Politik sollte hingegen mit Augenmaß regulieren. Es gibt in Europa einige Länder – etwa Griechenland –, die diesen Markt und seine Rahmenbedingungen verstehen“, sagte Harpantidis.

Profiteure sind Kriminelle und Drittstaaten

Der wachsende illegale Handel bedeutet nicht nur Milliardenverluste bei den Steuern. Er wird auch zu einem ernsthaften Gesundheitsrisiko und verschafft der organisierten Kriminalität erhebliche zusätzliche Mittel.

„Illegale Geldflüsse passen sich oft viel schneller an als der Handel mit illegalen Waren. Es ist sehr schwierig, solchen Transfers vorzubeugen. Die Gelder können über unterschiedliche Kanäle fließen, etwa unter Nutzung von Kryptowährungen. Häufig kommen auch gefälschte Rechnungen zum Einsatz, um illegale Aktivitäten zu finanzieren. Europa braucht eine besser integrierte Vorgehensweise, um wirksam dagegen anzugehen“, sagte Michele Riccardi, stellvertretender Direktor des Forschungszentrums Transcrime, bei der Präsentation des Berichts in Brüssel.

Er ergänzte, dass am Handel mit illegalen Zigaretten sogenannte hybride Organisationen beteiligt sind, vor denen Europol warnt. Dabei geht es um kriminelle Gruppen, die von Drittstaaten unterstützt werden und politischen Druck auf EU-Länder ausüben sollen.

„Russland und seine Satellitenstaaten sind die Hauptbedrohung“, fügte er hinzu.

Illegale Zigaretten in Polen: Warnsignale

Im europäischen Vergleich bleibt Polen ein Land mit relativ begrenzter Tabak-Schattenwirtschaft. Im Jahr 2025 lag der Anteil illegaler Zigaretten bei 5,3 Prozent – deutlich weniger als etwa in Frankreich oder Belgien.

Gleichzeitig weist der Bericht auf eine bedenkliche Trendwende hin. Im Jahr 2023 sank der Anteil des illegalen Konsums noch auf den Rekordtiefstand von 3,6 Prozent. Seither steigt der Wert kontinuierlich.

Das Volumen illegaler Zigaretten überschritt 2025 die Marke von zwei Milliarden Stück, die Haushaltsverluste werden auf rund 1,9 Milliarden Zloty (441 Millionen Euro) geschätzt.

Der legale Zigarettenkonsum in Polen fiel 2025 auf 43,45 Milliarden Stück und damit um etwa 13 Prozent im Jahresvergleich. Ähnliche Rückgänge verzeichnen auch andere Tabakkategorien.

Die Branche verweist als Hauptgrund auf deutliche Erhöhungen der Verbrauchsteuer, die 2024 beschlossen und seit Anfang 2025 umgesetzt wurden. Bei Zigaretten stieg der Steuersatz um 25 Prozent, für manche nikotinhaltige Produkte fiel der Anstieg noch höher aus.

Die tatsächlichen Einnahmen des Staatshaushalts blieben deshalb hinter den Prognosen zurück. Statt der erwarteten 37,1 Milliarden Zloty (ca. 8,7 Miilliarden Euro) nahm der Staat rund 33,6 Milliarden Zloty (etwa 7,9 Milliarden Euro) an Tabaksteuern ein.

Gleichzeitig bleibt Polen Spitzenreiter im europäischen Kampf gegen illegale Produktion. Im Jahr 2025 legten die Behörden 42 illegale Zigarettenfabriken still – mehr als jedes andere EU-Land.

Illegale Zigaretten in der EU: Ende der Schmuggelära aus dem Osten

Zu den wichtigsten Ergebnissen des Berichts gehört ein grundlegender Wandel in der Struktur der europäischen Schattenwirtschaft.

Lange Zeit stammte der Großteil illegaler Zigaretten aus Schmuggel außerhalb der EU, vor allem über die Ostgrenze der Union.

„Als Land mit einer 700 Kilometer langen Grenze zu Belarus kämpfen wir seit Langem mit dem Schmuggel von Zigaretten. Seit 2023 ist die gesamte Grenze mit Sperranlagen und Überwachungssystemen samt Wärmebildkameras gesichert. Inzwischen laufen 84 Prozent des Schmuggels nach Litauen über die Luft – mithilfe von Ballons und Drohnen“, sagte Donatas Skarnulis, stellvertretender Leiter des litauischen Zolldienstes.

Er erklärte, dass die stärkere Sicherung der Außengrenze zu einem Anstieg der illegalen Produktion gefälschter Zigaretten im Landesinneren geführt hat.

Dieser Trend zeigt sich in ganz Europa. Im Jahr 2025 machten gefälschte, innerhalb der EU hergestellte Zigaretten bereits 44 Prozent des illegalen Konsums aus.

Damit sehen sich die europäischen Behörden mit einer neuen Form der Bedrohung konfrontiert. Die illegale Produktion findet zunehmend näher an den Endkundinnen und Endkunden statt. Kriminelle Organisationen verkürzen ihre Lieferketten, senken so das Entdeckungsrisiko und steigern die Profitabilität.

Besonders deutlich ist dies in Frankreich, Belgien und den Niederlanden. Diese Länder entwickeln sich zu den wichtigsten Drehscheiben für illegale Tabak- und Nikotinprodukte in Westeuropa.

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