Aus Sorge vor neuen Ausschreitungen verschärfen mehrere französische Städte die Regeln für Jugendliche. In einigen Gemeinden gelten während der Fußball-Weltmeisterschaft bereits nächtliche Ausgangssperren.
Während der Fußball-Weltmeisterschaft verhängen immer mehr französische Städte nächtliche Ausgangssperren für Minderjährige. Hintergrund sind Ausschreitungen nach dem Champions-League-Sieg von Paris Saint-Germain und die Sorge vor neuen Krawallen rund um WM-Spiele.
Nach mehreren größeren Städten wie Toulouse und Clermont-Ferrand hat nun auch Moulins mit seinen rund 19.000 Einwohnern am Freitag eine nächtliche Ausgangssperre für Jugendliche unter 16 Jahren eingeführt.
Frankreich reagiert auf Ausschreitungen
Die Maßnahme folgt auf mehrere Gewalttaten im öffentlichen Raum in den vergangenen Wochen, insbesondere nach dem Champions-League-Triumph von Paris Saint-Germain.
In Toulouse treten die Einschränkungen erstmals an diesem Samstagabend in Kraft, wenn Brasilien bei der Weltmeisterschaft auf Marokko trifft.
Die von Bürgermeister Jean-Luc Moudenc geführte Stadtverwaltung erklärte, Ziel sei es, „die Sicherheit der Einwohnerinnen und Einwohner von Toulouse sowie der Minderjährigen zu gewährleisten“. Die Verordnung sieht eine Ausgangssperre von 22 Uhr bis 5 Uhr in einem erweiterten Bereich der Innenstadt vor und wurde nach Angaben der Stadt in Abstimmung mit der Präfektur und der nationalen Polizei erlassen.
Ausnahmen gelten für Jugendliche, die von ihren Eltern oder einer erziehungsberechtigten Person begleitet werden. Auch in Notfällen dürfen sie sich weiterhin im öffentlichen Raum aufhalten.
Gleichzeitig versucht die Stadt, Fußballfans entgegenzukommen. Parallel zur Ausgangssperre kündigte Toulouse die Einrichtung einer Fan-Zone für bis zu 18.000 Besucher an. Sie soll auf der Île du Ramier entstehen und öffnen, falls die französische Nationalmannschaft das Viertelfinale, Halbfinale oder Finale erreicht.
Kritik kommt von der linken Opposition. Der Abgeordnete François Piquemal von La France Insoumise (LFI), einstiger Konkurrent Moudencs bei den Kommunalwahlen, bezeichnete die Maßnahme als „Wahn“. Die Jugend werde während des gesamten Turniers „besonders bestraft“, erklärte er.
150 Euro Strafe und keine Fan-Zone
Noch weiter geht Clermont-Ferrand in Zentralfrankreich. Dort kündigte Bürgermeister Julien Bony von den konservativen Republikanern (LR) die bislang strengsten Maßnahmen an.
Neben einer Ausgangssperre von 23 Uhr bis 7 Uhr droht Jugendlichen bei Verstößen ein Bußgeld von 150 Euro. Zudem wird es in der Stadt keine Fan-Zone geben – „selbst wenn Frankreich das Finale erreicht“, wie die Stadtverwaltung betont.
Bony forderte darüber hinaus Bars und Restaurants, die die Spiele übertragen, dazu auf, ihre Bildschirme nach innen zu richten. So sollen größere Menschenansammlungen auf Straßen und Plätzen vermieden werden.
Die Behörden begründen die Maßnahmen mit Ausschreitungen nach dem Champions-League-Finale am 30. Mai sowie weiteren Vorfällen Anfang Juni. Zudem seien in sozialen Netzwerken Aufrufe zu neuen Krawallen verbreitet worden.
Großstädte zurückhaltend bei Fan-Zonen
In Marseille sind nach Angaben lokaler Medien keine Fan-Zonen geplant. In Paris steht eine Entscheidung noch aus. Die Stadtverwaltung hat bislang lediglich signalisiert, grundsätzlich eine öffentliche Übertragung einrichten zu wollen.
Auch in Lyon gibt man sich zurückhaltend. Das von den Grünen geführte Rathaus erklärte gegenüber Euronews, eine Fan-Zone sei zwar möglich, hänge aber vom Abschneiden der französischen Nationalmannschaft ab. Vorerst verweist die Stadt auf Bars, Bistros und Restaurants, die die Spiele übertragen.
Andere Kommunen setzen dagegen bewusst auf ein öffentliches Fußballerlebnis. In Straßburg werden die Spiele der französischen Nationalmannschaft auf Großleinwänden und den Terrassen der Bars gezeigt.
In Vénissieux bei Lyon plant Bürgermeister Idir Boumertit von La France Insoumise sogar ein umfangreiches Begleitprogramm. Auf der Plattform X versprach er einen „schönen, volkstümlichen Sommer“ mit öffentlichen Übertragungen, Getränkeständen und Grillbereichen.
Nach Angaben der Stadt sollten ursprünglich Spiele von Mannschaften aus allen Teilen der Welt gezeigt werden. Viele Partien finden wegen der Zeitverschiebung zu den Gastgeberländern USA, Kanada und Mexiko jedoch mitten in der Nacht statt.