Am Dienstag läuft Ultimatum für UniCredits feindliches, hochpolitisches Übernahmeangebot an die Commerzbank ab. Italiens zweitgrößte Bank peilt damit eine ehrgeizige paneuropäische Bankenfusion an.
Die in Mailand ansässige Bank hat Anfang Mai ein Übernahmeangebot im Wert von 35 Milliarden Euro gestartet. Sie will damit die Kontrolle über ihren deutschen Rivalen übernehmen und ihre Stellung als europäisches Schwergewicht festigen.
Das Angebot von UniCredit läuft offiziell am Dienstag um 23.59 Uhr (21.59 Uhr GMT) aus, sofern es nicht verlängert wird.
Die italienische Bank begrüßte am Montag, dass sie die selbst gesetzte Schwelle von 30 Prozent für dieses Übernahmeangebot überschritten hat.
Viele halten den Angebotspreis für zu niedrig. Dennoch setzt UniCredit mit dem Vorstoß seine anhaltende Jagd auf die Commerzbank fort. Die Pläne stoßen bei der Bank selbst und bei mehreren deutschen Politikern auf heftigen Widerstand.
Kommt die Offerte durch und stimmt die Europäische Zentralbank zu, könnte UniCredit ihren Anteil an der Commerzbank schrittweise ausbauen und sie mit der deutschen Tochter HypoVereinsbank zusammenführen.
UniCredit will vor allem das internationale Filialnetz der Commerzbank zurückfahren und das Institut stärker auf das Geschäft in Deutschland ausrichten.
Deutschland lehnt Angebot ab
In Deutschland stößt das Angebot auf rundweg Ablehnung.
Die Bundesregierung veröffentlichte am Dienstag eine Erklärung, in der sie das Angebot zurückweist und ihre Kritik an der aus ihrer Sicht unzureichenden Prämie auf den Commerzbank-Aktienkurs bekräftigt.
„Der Lenkungsausschuss unterstützt die Strategie der Eigenständigkeit der Commerzbank AG und lehnt das aggressive Vorgehen der UniCredit S.p.A. ab“, teilte der staatliche Finanzmarktstabilisierungsfonds mit.
„Die Commerzbank AG spielt eine wichtige Rolle bei der Finanzierung der deutschen Wirtschaft und des Mittelstands ... Als großer Arbeitgeber ist das Institut zudem von Bedeutung für den Finanzplatz Frankfurt“, hieß es weiter.
Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte im Mai, das Angebot zerstöre das „Vertrauen“ in die zweitgrößte Privatbank Deutschlands.
In der Hoffnung, den Angriff abzuwehren, stellte Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp einen Strategieplan vor. Er soll die Profitabilität bis 2030 steigern und sieht auch Stellenstreichungen vor, um die Bank schlanker und für Aktionäre attraktiver zu machen.
Neben dem Streit über Strategie und Preis geraten die beiden Banken auch darüber aneinander, wie UniCredit während der Angebotsfrist Teile der Aktionärsbasis auf ihre Seite gezogen hat.
Anfang des Monats bat die Commerzbank die deutsche Finanzaufsicht BaFin, „möglicherweise irreführende Angaben von UniCredit“ zu ihrem Anteil an der deutschen Bank zu prüfen.
UniCredits Berichte über eine nach und nach steigende Annahmequote des Angebots führten dazu, dass die Commerzbank dem Rivalen vorwarf, die Zahlen künstlich aufzublähen.
UniCredit veröffentlicht regelmäßig die Annahmequote für das Commerzbank-Angebot. Am Montag lag sie bei 11,9 Prozent. Hinzu kommt ein Anteil von 26,7 Prozent, den die Bank bereits gehalten hat, als sie ihre Übernahmeofferte ankündigte.
Die italienische Bank schlägt zu dieser Summe weitere 13,2 Prozent des Kapitals hinzu, die über bar erfüllte Derivate gehalten werden, sowie 3,2 Prozent über aktienbasierte Derivate.
Die Commerzbank erklärt, ihr lägen keine Hinweise vor, dass eigene institutionelle Investoren das Angebot annehmen. Es scheine fast ausschließlich von Banken und Finanzinstituten zu kommen, die mit UniCredit verbunden sind.
Juristische Schritte
Am Freitag erteilte der zentrale Gesamtbetriebsrat der Commerzbank seinem Vorsitzenden das Mandat, Strafanzeige wegen mutmaßlicher Marktmanipulation durch unbekannte Akteure zu erstatten.
Die Staatsanwaltschaft Frankfurt teilte am Montag mit, sie habe ein Vorermittlungsverfahren wegen „möglicher Marktmanipulation“ eingeleitet.
UniCredit, das nach eigenen Angaben ebenfalls die BaFin eingeschaltet hat, erklärte am Montag, man weise die Vorwürfe und Unterstellungen zu den eigenen Veröffentlichungen und zum Ablauf des Angebots „weiterhin entschieden zurück“.
„UniCredit hat zu keinem Zeitpunkt die verschiedenen Kategorien vermischt, die nach den geltenden Vorschriften offenzulegen sind“, hieß es weiter. Dem Management der Commerzbank warf der Konzern dagegen vor, genau dies zu tun – „offenbar mit dem Ziel, eine irreführende Erzählung zu erzeugen“.
UniCredit argumentiert zudem, dass der Konzern mit dem Überschreiten der Schwelle von 30 Prozent der Stimmrechte das Recht habe, alle Anteilseignervertreter im Aufsichtsrat zu benennen. Dort sitzen derzeit noch zwei Vertreter des deutschen Staates.
Orlopp widerspricht dem. Sie verweist auf eine Vereinbarung mit Berlin, die der Commerzbank das Recht zusichert, die Vertreter des Staates für den Aufsichtsrat vorzuschlagen.