Auf dem G7-Gipfel stellt US-Präsident Trump stellt das Vorgehen von Israels Regierungschef infrage. Trump kritisiert den israelischen Luftangriff auf Beirut vom Wochenende und sieht Syriens Präsidenten als fähigsten Gegner der Hisbollah.
US-Präsident Donald Trump hat Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu aufgefordert, sich "verantwortungsvoll im Umgang mit dem Libanon“ zu verhalten. Er solle Syrien die Aufgabe berlassen, "mit der Hisbollah fertigzuwerden“. Das sagte Trump vor Reportern auf dem G7-Gipfel im französischen Evian.
An diesem Dienstag sprach der US-Staatschef bei einem bilateralen Treffen mit dem Emir von Katar, Tamim bin Hamad Al Thani. Er vermittelt zwischen den USA und dem Iran für ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs.
Trump sagte, die Hisbollah bleibe ein Problem für die Region. Zugleich deutete er an, Israels Reaktion sei zu weit gegangen und könne die Stabilität im Nahen Osten gefährden.
Am Sonntag griff die israelische Armee (IDF) ein Gebäude in der libanesischen Hauptstadt Beirut an. Mehr als ein Dutzend Menschen wurden verletzt, drei kamen ums Leben. Nach israelischen Angaben zielte der Einsatz auf ein Kommandozentrum der Hisbollah.
"Israel kämpft schon zu lange gegen die Hisbollah"
Die USA standen gleichzeitig kurz davor, ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Kriegs mit Teheran zu verkünden. Trump räumte ein, dass die Hisbollah ein Problem sei, stellte jedoch Netanjahus Vorgehen infrage.
"Israel kämpft schon viel zu lange gegen die Hisbollah, und es sterben zu viele Menschen“, sagte er vor Reportern im französischen Évian, wo derzeit der G7-Gipfel tagt.
"Man muss nicht jedes Mal ein ganzes Wohnhaus zum Einsturz bringen, wenn man nach jemandem sucht. In diesen Wohnungen leben viele Menschen, und sie gehören nicht alle zur Hisbollah.“
Lob von Trump für Syriens al-Scharaa
Trump erklärte, Syriens Präsident Ahmed al-Scharaa sei "sehr fähig“, mit der Hisbollah umzugehen, und nannte ihn "für mich sehr gut“. Falls Israel seine Einsätze nicht durchführen könne, "ohne alle anderen zu töten, wird er (al-Scharaa) die Aufgabe übernehmen“.
Auf die Frage, ob ihn Netanjahus Vorgehen frustriere, verneinte Trump.
"Wir haben ein großartiges Verhältnis. Mir gefiel nicht, dass er einen Angriff wegen kleiner Drohnen auf den Libanon fliegen ließ ... das war brutal. Das war zu viel“.
Und Trump verlangte: "Jetzt muss Bibi im Umgang mit dem Libanon verantwortungsbewusster sein.“
Der US-Präsident sagte, von allen vom Konflikt betroffenen Ländern sei der Libanon „am schlechtesten behandelt worden, und die Menschen dort können sich nicht verteidigen“.
Zuvor hatte das Portal Axios berichtet, Trump habe Netanjahu nach dem Schlag gegen Beirut scharf angegangen und ihm vorgeworfen, er habe „kein verdammtes Urteilsvermögen“.