Die Industrieproduktion in Usbekistans Sonderwirtschaftszonen stieg in den ersten neun Monaten 2025 um 42,7 Prozent. Neue Vorhaben vom Logistikdrehkreuz Navoi bis zum Handel über Termez ziehen Hersteller und Investoren aus der ganzen Region an.
Von Industrieparks, die Exportgüter herstellen, bis zu Logistikdrehscheiben zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten: Das Netz Usbekistans aus Sonderwirtschaftszonen zählt inzwischen zu den wichtigsten Instrumenten des Landes, um ausländische Investitionen anzuziehen und die Produktionskapazitäten auszubauen.
Nach Regierungsangaben erreichte die Industrieproduktion in den Sonderwirtschaftszonen in den ersten neun Monaten 2025 fast 3,12 Milliarden Euro. Das sind 42,7 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Gleichzeitig steigen die Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen. Die Behörden erweitern Infrastruktur und industrielle Kapazitäten, um die wachsende Nachfrage internationaler Unternehmen zu bedienen.
Usbekistan betreibt derzeit 31 Sonderwirtschaftszonen sowie Hunderte kleinerer Industrieareale und Technoparks. Die Nachfrage internationaler Unternehmen ist vor allem in den Bereichen Logistik, exportorientierte Produktion und regionaler Handel groß.
„Die jährlichen Zuflüsse ausländischer Direktinvestitionen wachsen um rund 20 bis 25 Prozent“, sagte Sahib Saifnazarov, Leiter der Abteilung für Freie Wirtschafts- und Sonderwirtschaftszonen im Ministerium für Investitionen, Industrie und Handel.
Mit dem größeren Interesse der Investoren steigt die Nachfrage nach Industrieflächen, Verkehrsinfrastruktur und Energieversorgung. Zugleich fördern die Behörden Projekte im Bereich erneuerbare Energien und werben um mehr Engagement erfahrener internationaler Managementgesellschaften.
„Heute achten wir nicht mehr nur auf Infrastruktur, sondern auch auf grüne Energie“, sagte Saifnazarov. „Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt besteht darin, erfahrene ausländische Unternehmen in das Management dieser Zonen einzubinden.“
Navoi baut Produktions- und Logistikkapazitäten aus
Unter den größten Industriezentren des Landes hat sich die Freie Wirtschaftszone Navoi zu einem wichtigen Produktions- und Logistikknoten entwickelt.
Nach Angaben von Ma’murjon Murodullajew, stellvertretender Direktor der Zonenverwaltung, sind dort derzeit mehr als 90 Projekte mit einem Volumen von rund 2,2 Milliarden Euro angesiedelt. 73 davon sind bereits in Betrieb und bieten mehr als achttausend Menschen Arbeit.
„73 Projekte sind bereits gestartet und haben mehr als achttausend Arbeitsplätze geschaffen“, sagte er. „Zwischen 2026 und 2029 planen wir weitere 18 Großprojekte. Sie sollen noch einmal knapp zweitausend Jobs bringen.“
Die Zone exportierte 2025 Waren im Wert von fast 132 Millionen Euro in GUS-Staaten, nach Europa und nach China. Im kommenden Jahr sollen die Ausfuhren auf mehr als 141 Millionen Euro steigen.
Neben der Produktion positioniert sich Navoi als multimodaler Verkehrsknoten zwischen Europa, Asien und dem Nahen Osten. Nach Angaben von Alischer Klichow, Direktor des internationalen Flughafens Navoi, laufen derzeit große Infrastrukturprojekte, um wachsende Frachtmengen und den Transitverkehr zu bewältigen.
„Unser strategisches Ziel ist es, in Navoi ein zentrales eurasisches Transitdrehkreuz aufzubauen, das mit großen Hubs in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Kasachstan und im Kaukasus konkurrieren kann“, sagte Klichow.
Geplant sind ein neues Frachtterminal, Spezialanlagen für Expresssendungen sowie ein Wartungs- und Lackierzentrum für Flugzeuge, das bis 2029 den Betrieb aufnehmen soll.
Internationale Hersteller bauen Präsenz in Region Taschkent aus
Die Sonderwirtschaftszone in der Region Taschkent hat sich ebenfalls zu einem wichtigen Standort für ausländische Produzenten entwickelt.
Nach Angaben von Eldor Ko’chimov, leitender Fachmann der Zonenverwaltung, sind dort derzeit 71 ausländische Unternehmen aktiv; den größten Anteil stellen Investoren aus China.
„Chinesische Unternehmen halten mit 31 Projekten den größten Anteil, 14 Projekte werden von Investoren aus Russland getragen“, sagte er. „Mit japanischen und koreanischen Partnern laufen ebenfalls Verhandlungen.“
Seit Gründung der Zone im Jahr 2012 wurden 119 Betriebe mit einem Gesamtvolumen von 1,3 Milliarden Euro aufgebaut. Derzeit entstehen weitere 112 Projekte mit einem Wert von rund 1,2 Milliarden US-Dollar; sie sollen mehr als elftausend zusätzliche Arbeitsplätze schaffen. Die industrielle Produktion hat fast 870 Millionen Euro erreicht, und die in der Zone hergestellten Waren gehen in fast 30 Länder.
Zu den Investoren gehört Showaib Mirzoi. Sein Unternehmen entwickelt in Angren ein Projekt zur Getränkeproduktion.
„Unsere geplanten Investitionen liegen bei rund 112 Millionen Euro und dürften weiter steigen“, sagte er. „Wir wollen zusätzliche PET-Abfülllinien, Glaslinien, eine CO₂-Gasproduktion und Anlagen für Kunststoffverpackungen aufbauen.“
Mirzoi erklärte, sein Unternehmen betreibe bereits ähnliche Aktivitäten in Afghanistan. Usbekistan habe er wegen der industriellen Entwicklungsperspektiven und des wachsenden Marktes gewählt.
Termez stärkt Handelsverbindungen
Weiter südlich entwickelt sich das Internationale Handelszentrum Termez nahe der afghanischen Grenze zu einem immer wichtigeren Handelstor.
Das Zentrum, das im August 2024 eröffnet wurde, beherbergt nach Angaben seines Leiters Mirkhamid Mirpolatow inzwischen mehr als 255 Unternehmerinnen und Unternehmer, darunter 129 afghanische Staatsbürger. Es sind bereits mehr als 1.300 Arbeitsplätze entstanden.
Unternehmen aus Usbekistan, Russland, Kasachstan, Kirgisistan und Tadschikistan haben dort Niederlassungen aufgebaut; auch chinesische Firmen drängen inzwischen auf den Markt.
Mirpolatow betonte, dass der Standort den Firmen direkten Zugang zu Handelsrouten über Afghanistan bietet.
„Unser Zentrum liegt sehr günstig, um Waren über Afghanistan in andere Länder zu transportieren“, sagte er. „Das Interesse internationaler Unternehmen wächst täglich.“
Zu den Nutzern gehört der Unternehmer Schamsiddin Taganov, der Süßwaren nach Afghanistan exportiert.
„Wir exportieren vor allem Süßigkeiten, Schokolade, Kekse und ähnliche Produkte aus usbekischer Produktion“, sagte er. „Die Logistikzentren helfen uns, Lieferungen nach Kabul und Masar-i-Scharif zu organisieren.“
Er fügte hinzu, dass logistische Unterstützung und Steueranreize es lokalen Unternehmen erleichtern, benachbarte Märkte zu erreichen.