Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt, die AfD führt in Umfragen ungebrochen mit großem Vorsprung. Auch in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hat der Wahlkampf begonnen, Plakate säumen die Straßen. Ein Überblick.
Rund einen Monat vor den Landtagswahlen liegt die AfD in Sachsen-Anhalt in den Umfragen mit mehr als 15 Prozentpunkten Vorsprung deutlich vorn. Zustimmungswerte von über 40 Prozent gelten dort inzwischen nicht mehr als Überraschung. Ganz anders in Berlin, wo derzeit die Linke auf Platz Eins der Umfragen steht, allerdings mit weitaus weniger Abstand zur darauffolgenden CDU und AfD.
Insbesondere die hohen Umfragewerte der AfD nähren die Debatte darüber, ob die Partei trotz der Ablehnung durch andere Parteien künftig Regierungsverantwortung beanspruchen könnte. Parallel warnen deutsche Sicherheitsbehörden vor Desinformationskampagnen und möglicher russischer Einflussnahme auf den Wahlkampf über soziale Netzwerke.
Ein Lagebild einen Monat vor den Landtagswahlen.
6. September: Landtagswahl in Sachsen-Anhalt
Aktuelle Umfragewerte. Die bisherige Koalition aus CDU, SPD und FDP scheint bereits begraben. Die Zustimmung für die Liberalen ist so gering, dass sie in Umfragen teilweise unter die Sonstigen mit anderen Parteien zusammengefasst werden. Die Fünf-Prozent-Hürde bleibt auch ein neuralgischer Punkt für die Grünen und die SPD. Lediglich Linke, CDU und AfD schneiden in den vergangenen Umfragen mit Werten ab, die einen Einzug in die Landesregierung relativ sicher machen.
Welche Themen dominieren den Wahlkampf? Unsicherheit prägt die große Region im Osten Deutschlands. Sowohl Zukunftsfragen als auch Migration bestimmen thematisch den Wahlkampf. Denn das Bundesland mit derzeit rund 2,12 Millionen Einwohnern ist deutlich älter als der Durchschnitt, der demografische Wandel könnte zunehmend zu Fachkräftemangel führen.
Migration gehört zu den emotionalsten Wahlkampfthemen. CDU-Spitzenkandidat Sven Schulze betont dennoch, dass Sachsen-Anhalt auf Arbeitsmigration angewiesen sei: "Wir brauchen Zuwanderung in den Arbeitsmarkt". Den Fachkräftemangel könne man ohne zusätzliche Zuwanderung lösen, argumentiert dagegen AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Ihm zufolge müsste lediglich das heimische Arbeitskräftepotenzial besser genutzt werden, wie er beim Wahlforum RND vor Ort erklärte.
17.000 Stellen sind derzeit unbesetzt. Wie sieht ein möglicher Lösungsansatz für den Fachkräftemangel und die Sicherung von Industriearbeitsplätzen aus? Sachsen-Anhalt ringt darum, seinen Standort wettbewerbsfähig zu halten. Auch die gesundheitliche Versorgung im ländlichen Raum ist eines der zentralen Themen. Viele klagen über fehlende Infrastruktur.
20. September: Knappes Rennen in Berlin
Aktuelle Umfragewerte. In Berlin hat keine Partei die Nase so deutlich vorn wie in Sachsen-Anhalt. Eine aktuelle Befragung des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag des Tagesspiegels ergibt ein knappes Rennen der Linken (21%), CDU (19%) und AfD (18%). Eine Umfrage des Instituts Insa im Auftrag des Portals Nius wiederum ergab, dass die AfD an erster Stelle stehe. Die vergangene Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap kam wiederum zu einem anderen Ergebnis.
Für fünf Parteien ist der Einzug in das Berliner Abgeordnetenhaus so gut wie sicher.
Die Themen, die Berlin bewegen. Die deutsche Hauptstadt ringt nicht nur um ihren Ruf, sondern auch um bezahlbaren Wohnraum und darum, besser zu funktionieren. Steigende Mieten beschäftigen Berliner bereits mehrere Jahre, doch der Wohnraummangel hat die Sorge akut verstärkt. "Mieten deckeln gegen Abzocke" ist etwa das Motto des SPD-Wahlkampfs.
"Ich kenne die Probleme dieser Stadt nicht aus den Schlagzeilen, sondern aus dem Alltag", erklärt die Spitzenkandidatin der Linken Elif Eralp. "Als Anwältin kann ich nicht hinnehmen, dass meine Nachbarn aus ihren Wohnungen verdrängt werden", heißt es in ihrem Statement zur Wahlkampagne. Doch bei der Vergesellschaftung des Wohnungsbaus sind sich SPD und Linke uneins, insbesondere Enteignungen will die SPD nicht mittragen.
Der Stromausfall im Südwesten Berlins Anfang des Jahres hat Spuren hinterlassen. Über mehrere Tage waren Zehntausende ohne Strom, Grund dafür war ein linksextrem motivierter Anschlag auf Kabel, die nicht ausreichend abgesichert waren. Der Vorfall löste eine Debatte über den Schutz kritischer Infrastruktur und die Krisenvorsorge aus.
Auch der Anschlag auf den CSD Ende Juli hat erneut die Sicherheit in den Mittelpunkt gestellt. Es ist der erste Programmpunkt der Berliner CDU-Kampagne, bei der AfD steht er an zweiter Stelle. Die Union fordert mehr Videoüberwachung und will die Polizei stärken. Die AfD plädiert für die Einführung einer Bezirkspolizei, mehr Kontrollen und ebenso Videoüberwachung. Sie setzt außerdem auf gesonderte Erfassung von Straftätern mit Migrationshintergrund.
Eine weitere große Debatte ist die Verkehrspolitik, das Thema polarisiert. Die Interessen von Autofahren konkurrieren mit Plänen zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, eine echte Lösung ist bisher auf der Strecke geblieben.
20. September: Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern
Aktuelle Umfragewerte. Die jüngste Umfrage zeigt weiterhin die AfD in Führung, auf diesem Niveau sind die Werte bisher stabil geblieben. Die derzeit regierende SPD legt um zwei Prozentpunkte zu und verringert damit den dennoch deutlichen Abstand zur AfD. Weiter dahinter folgen die Linke mit zwölf Prozent und die CDU mit neun Prozent. Die Grünen liegen direkt an der Schwelle zum Einzug in den Landtag, während BSW und FDP diesem nach aktuellem Stand verpassen würden.
Was Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Im Nordosten Deutschlands spiegeln sich viele Themen aus Sachsen-Anhalt wieder. Auch die Region Mecklenburg-Vorpommern sorgt sich um Ärztemangel und lange Wege zur medizinischen Versorgung. Das Bundesland verfügt über eine geringe Industriedichte und will durch wirtschaftliche Entwicklung Arbeitsplätze sichern. Derzeit profitiert Mecklenburg-Vorpommern mit seiner etwa 1.700 Kilometer langen Ostsee-Küste als Tourismus-Region.
Manuela Schwesig, Spitzenkandidatin der SPD, stellt in ihrer Kampagne die wirtschaftliche Entwicklung, den sozialen Zusammenhalt und die Stabilität des Landes in den Mittelpunkt. Sie wirft der AfD Polarisierung vor.
Die AfD ist mit Forderungen bei den Themen Migration, Energie und Sicherheit in den Wahlkampf gezogen. So schlug beispielsweise Spitzenkandidat Leif-Erik Holm eine eigene Grenz- und Rückführungspolizei sowie spezielle Abschiebeeinrichtungen im eigenen Bundesland vor.
Nach Angaben des BAMF wurden im ersten Halbjahr 2026 in Mecklenburg-Vorpommern 809 Asylerstanträge gestellt – der drittniedrigste Wert aller Bundesländer. Migration zählt dennoch zu den zentralen Themen des Wahlkampfs.
Übergreifend zeigen sich drei dominante Themen. Die Sicherheit der Arbeitsplätze, die Zukunft deutscher Industrien sowie Fachkräftemangel sorgen für Fragezeichen in der Wirtschaft. Zugleich wird die innere Sicherheit diskutiert und auch soziale Alltagsthemen beschäftigen die potenziellen Wähler, etwa die Gesundheitsversorgung und Infrastruktur oder insbesondere in der Hauptstadt das Wohnen.
Für die AfD sind die Umfrageergebnisse in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern so hoch, dass eine Regierungsbeteiligung auf Landesebene zum ersten Mal für die Partei in Frage kommt. Doch viele andere Parteien schließen eine Zusammenarbeit mit der AfD, die im Jahr 2013 gegründet wurde, aus.