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Vierzigmal größer als Pentagon: Ägypten eröffnet größten Militärkomplex der Welt

Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi trifft US-Präsident Donald Trump am Rande des G7-Gipfels in Évian-les-Bains, Frankreich, am Mittwoch, 17. Juni 2026.
Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi trifft US-Präsident Donald Trump am Rande des G7-Gipfels am Mittwoch, 17. Juni 2026, in Évian-les-Bains, Frankreich. Copyright  AP Photo/Julia Demaree Nikhinson
Copyright AP Photo/Julia Demaree Nikhinson
Von Ekbal Zein & يورونيوز
Zuerst veröffentlicht am
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Manche halten das Projekt angesichts der schwierigen Wirtschaftslage in Ägypten für „überflüssig“ und verweisen darauf, dass rund 66 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze leben.

Die Eröffnung des neuen strategischen Führungszentrums der Streitkräfte durch Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi, des sogenannten „Octagon“ mit achteckigem Grundriss, hat national wie regional für viel Diskussion gesorgt. Mehrere israelische Medien äußerten offen ihre Sorge über das Großprojekt.

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Bei der Einweihung trat al-Sisi in Uniform auf. Es war sein erster öffentlicher Auftritt in Militärkleidung seit rund acht Jahren und der sechste seit seiner Machtübernahme im Jahr 2014. Sein Auftritt verlieh dem Ereignis starke Symbolkraft. Politische Beobachter sehen darin eine „Machtdemonstration“ in einer angespannten regionalen Lage, andere nur eine Militärshow in einem Land, das derzeit unter einer schweren Wirtschaftskrise leidet.

Israels Blick auf das Projekt

In diesem Kontext zitierte die Zeitung „Jerusalem Post“ den auf arabische Angelegenheiten spezialisierten israelischen Forscher Elie Dekel. Nach seiner Einschätzung ist das Verhältnis zwischen Ägypten und Israel kein voller Frieden, wie es israelische Stimmen gern darstellen, sondern eher eine Art „Kalter Krieg“ ohne Schusswechsel.

Dekel verweist darauf, dass sich der Ton in ägyptischen Medien und bei offiziellen Stellungnahmen deutlich verschärft hat. Feindseligkeit und Hass hätten seit dem Gaza-Krieg stark zugenommen und sich seit dem Beginn des Krieges mit dem Iran weiter verstärkt.

Israelische Experten sehen im „Octagon“-Projekt das Signal, dass Kairo seine militärischen Fähigkeiten in beispiellosem Tempo ausbaut – in einer Phase, in der die gesamte Region von Instabilität geprägt ist.

Demnach markiere der riesige Komplex einen Wandel im regionalen Kräfteverhältnis. Die Beziehungen könnten sich damit von klassischer Sicherheitskoordination zu einer Art Wettbewerb der Kräfte unter bestimmten Regeln entwickeln – einem Wettbewerb, der jederzeit eskalieren könnte, zumal die Differenzen über Gaza im Besonderen und die Palästina-Frage insgesamt anhalten.

Das Octagon: umstrittenes Megaprojekt in Ägypten und der Region

Der Komplex erstreckt sich über eine Fläche von rund 22.000 Feddan, das entspricht etwa 92 Quadratkilometern. Er umfasst ein integriertes System zur Führung und Steuerung der Streitkräfte und gliedert sich in 13 strategische Zonen. Dazu gehören acht Außenbauten in oktogonaler Form, die zwei zentrale Hauptgebäude im Kern umschließen. Ergänzt wird das Ganze um logistische Einrichtungen und Unterstützungsbereiche.

In seinem Design erinnert das Projekt sowohl an das US-„Pentagon“ aus dem Jahr 1943 als auch an das 2014 eröffnete Nationale Zentrum für die Leitung der Landesverteidigung in Russland. Es übertrifft beide Anlagen jedoch bei weitem und gilt mit einer Gesamtfläche von etwa 4,6 Millionen Quadratmetern als größter Militärkomplex der Welt. Das Pentagon bringt es zum Vergleich auf rund 117.000 Quadratmeter.

Ägyptische Regierungsvertreter begründen das Projekt mit einer seit Langem bestehenden Schwachstelle der Armee. Über Jahrzehnte waren die Kommandostrukturen auf veraltete Standorte innerhalb Kairos verteilt. Das habe die Abstimmung der Teilstreitkräfte erschwert und den Schutz der Einrichtungen in einer Metropole mit mehr als 20 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern zu einer großen Herausforderung gemacht.

Kritiker halten das Vorhaben hingegen für „nicht nötig“ – in einem Land, in dem nach lokalen und internationalen Schätzungen etwa 66 % der Bevölkerung unter der Armutsgrenze leben. Die offiziellen Militärausgaben Ägyptens liegen bei nur 1,1 % des Bruttoinlandsprodukts und damit im regionalen Vergleich am unteren Ende, während andere Staaten deutlich höhere Anteile investieren.

Offizielle Zahlen zu den Kosten des „Octagon“ gibt es nicht. Schätzungen zufolge hat allein der Bau der neuen Verwaltungshauptstadt, in der der Komplex liegt, rund 58 Milliarden Dollar verschlungen.

Der auf Verteidigungsfragen spezialisierte Autor Tyler Rogoway beschreibt Ausmaß und Komplexität des Projekts als „erstaunlich“. Eine verlässliche Kostenschätzung liege zwar nicht vor, doch er betont, das Vorhaben sei „extrem teuer“. Finanziert werde es durch Milliardensummen aus Golfstaaten und aus China, durch ausländische Investitionen sowie durch Erlöse aus dem Verkauf von Grundstücken.

Analysten sehen zwischen den Großprojekten in der neuen Verwaltungshauptstadt und der sich zuspitzenden Schuldenkrise in Ägypten einen direkten Zusammenhang. Die Gesamtverschuldung des Landes hat inzwischen 380 Milliarden Dollar überschritten. Die Ausgaben für diese Vorhaben hätten den finanziellen Druck erhöht, während viele Bürger mit immer schwierigeren Lebensbedingungen zu kämpfen haben.

Al-Sisi setzt andere Prioritäten

Trotz der Dimension des „Octagon“ bleibt die israelische Sorge derzeit begrenzt. Ein zentraler Grund ist, dass beide Staaten ihre sicherheitspolitische Abstimmung bislang aufrechterhalten, trotz politischer Spannungen. Weder Kairo noch Tel Aviv kann sich einen Zusammenbruch der Beziehungen leisten.

Hinzu kommt, dass sich die aktuellen ägyptischen Drohszenarien nicht gegen Israel richten. Al-Sisi ist an anderen Fronten gebunden, darunter Sudan, Libyen und Äthiopien. Zudem gilt die Modernisierung der ägyptischen Streitkräfte nicht automatisch als Vorbereitung auf einen Krieg, und auch Israel sieht sich in der Region mit anderen, akuteren Bedrohungen konfrontiert.

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