Sorge um Rente und Job - in einer aktuellen Umfrage ist das Vertrauen in den Staat auf einen neuen Tiefststand gesunken. Doch trotz aller Klagen gibt es noch Zuversicht in Deutschland, insbesondere bei der jungen Generation.
Einstürzende Brücken, verspätete Züge und Exportweltmeister ist Deutschland auch schon lange nicht mehr. Da mag die aktuelle Forsa-Umfrage, die besagt, dass 79 Prozent der Befragten in Deutschland den Staat bei der Bewältigung seiner Aufgaben für "überfordert" halten, kaum erstaunen.
Nur noch 17 Prozent sagen, der Staat sei in der Lage, seine Aufgaben und Probleme zu erfüllen. In Ostdeutschland ist die Unzufriedenheit noch größer, was dem heftig in die Kritik geratenen Bundeskanzler Friedrich Merz vor den Landtagswahlen im September Sorgen bereiten dürfte.
Vertrauen in den Staat auf neuem Tiefstwert
Angesichts der neuen Tiefstwerte spricht Volker Geyer, der Chef des Deutschen Beamtenbundes (dbb), der die Forsa-Umfrage in Auftrag gegeben hat, von "einer Katastrophe" und von einem "Weckruf". "Das ist extrem alarmierend. So kann und darf das nicht weitergehen. Und ein solcher Vertrauensverlust ist eine Gefahr für unsere Demokratie", meint Geyer.
Wirtschaft bereitet die größten Sorgen
Bei den Themen, die den Deutschen auf den Nägeln brennen, liegen mit 55 Prozent die sozialen Sicherungssysteme und Rente vorn.
54 Prozent der Befragten sorgen sich um die wirtschaftliche Entwicklung und um die Arbeitsplatzsicherheit. Die staatliche Arbeit an der Infrastruktur - besonders Straßen und Schienen - halten 53 Prozent für verbesserungsbedürftig.
Anders als in den Vorjahren sorgen sich nur noch 16 Prozent der Befragten um die Themen Migration und innere Sicherheit. Der Chef des Beamtenbundes sieht darin eine "Botschaft an die Politik". Und Volker Geyer erklärt: "Durch konsequentes Handeln kann der Negativtrend in den Umfragen tatsächlich gestoppt werden."
Allerdings sieht Forsa-Gründer Manfred Güllner das in der FAZ anders. Ein Kurswechsel in der Migrationspolitik sei kaum geeignet, um die politische Stimmung insgesamt zu drehen. Die Unionsparteien und Bundeskanzler Friedrich Merz hätten dies "falsch eingeschätzt". Das zentrale Thema der Zeit ist laut Güllner die wirtschaftliche Lage mit allen Folgen für Arbeitsplätze, Sozialstaat und Finanzen.
Besonders Befragte, die älter als 60 Jahre sind, halten zudem den öffentlichen Dienst für zu teuer für den Steuerzahler.
Junge Leute sind zuversichtlicher
Anders als in der Forsa-Umfrage zum Vertrauen in den Staat zeigen sich junge Menschen laut der aktuellen YouGov-Umfrage deutlich optimistischer als viele Ältere.
Nur 31 Prozent der 18- bis 29-Jährigen sind unzufrieden mit dem Funktionieren des politischen Systems. Bei den 40- bis 49-Jährigen sind es 44 Prozent.
Laut der YouGov-Umfrage glauben aber dennoch 52 Prozent der Menschen in Deutschland, dass es zukünftigen Generationen in Deutschland schlechter gehen wird als den heutigen.
Bei allen Parteien zeigen die Befragungen, dass sie ihre Zukunftsmodelle nicht gut genug vermitteln. Handlungsbedarf sehen die Forscher vor allem darin, politische Entscheidungen stärker an den Bedürfnissen zukünftiger Generationen auszurichten.
Die Bertelsmann-Stiftung kommt für das Jahr 2026 zu dem Mut machenden Ergebnis: "Junge Menschen wollen sich engagieren und richten den Blick nach vorn."