Einer neuen Studie zufolge könnten Tempolimits jedes Jahr Millionen Euro sparen. Die durchschnittliche Pendelstrecke würde sich nur um 54 Sekunden verlängern.
Wer sich an das Tempolimit hält, kann den Kraftstoffverbrauch und die Treibhausgasemissionen deutlich senken – und dabei jedes Jahr Milliarden Euro sparen.
Forscher der University of Minnesota Twin Cities haben mehr als 120 Millionen reale Autofahrten in den USA ausgewertet, um die tatsächlichen Folgen von Geschwindigkeitsüberschreitungen zu verstehen.
Die Studie, veröffentlicht im Fachjournal Communications Sustainability (Quelle auf Englisch), zeigt: Wenn Autofahrer in den gesamten USA die ausgeschilderten Tempolimits einhalten würden, ließen sich im Durchschnitt jeden Tag 22 Millionen Dollar (rund 19,26 Millionen Euro), über 25 Millionen Liter Kraftstoff und 57.000 Tonnen Kohlendioxid einsparen.
Die Berechnungen gelten für leichte Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor wie Pkw und kleine Lieferwagen. Sie stehen in den USA für 14,6 Prozent des gesamten Energieverbrauchs.
Laut einem Bericht aus dem Jahr 2024 von Odyssee-Mure, einem von der EU geförderten Projekt zur Beobachtung der Energieeffizienz, verbrauchen diese leichten Fahrzeuge in Europa etwa die Hälfte der Energie im Straßenverkehr.
Reale Spritersparnis möglich
Zu den finanziellen und klimatischen Effekten, die durch die nach dem Krieg gegen Iran stark gestiegenen Gaspreise weiter wachsen könnten, kommt ein Zeitfaktor: Das Einhalten des Tempolimits verlängerte die durchschnittliche tägliche Pendelzeit laut Studie um weniger als eine Minute.
„Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich effizienter geworden, gleichzeitig aber wesentlich leistungsstärker“, sagt William Northrop, Professor für Maschinenbau an der University of Minnesota und korrespondierender Autor der Studie.
„Schnelles Fahren ist heute so einfach wie nie. Unsere Studie untersucht eine naheliegende, aber schwer umsetzbare Maßnahme, mit der sich viel Kraftstoff sparen lässt, ohne dass wir unsere Autos ersetzen müssen: langsamer fahren.“
Als nächsten Schritt will das Forschungsteam seinen Ansatz auf unterschiedlichere Straßentypen ausweiten und prüfen, wie sich „aggressive Beschleunigungen“ auf Kraftstoffverbrauch und Emissionen auswirken.
„Wenn wir sowohl geringere Geschwindigkeiten als auch weniger starke Beschleunigungen betrachten, erhalten wir ein noch vollständigeres Bild des realen Einsparpotenzials“, sagt Northrop.
E-Auto-Verkäufe steigen in der EU stark
Der Krieg gegen Iran bringt die weltweiten Energiemärkte durcheinander und hat in Europa einen Boom bei Elektroautos ausgelöst. Immer mehr Fahrer verabschieden sich von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor.
Neuzulassungen von batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) sind in der EU im März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 48,9 Prozent gestiegen, wie der Verband der europäischen Automobilhersteller (ACEA) mitteilt.
Elektro-Pkw erreichten im März mehr als 20 Prozent Anteil am gesamten EU-Markt und im ersten Quartal 19,4 Prozent. Im ersten Quartal 2025 lag ihr Marktanteil noch bei 15,2 Prozent.
Der ACEA-Bericht führt den starken Schwenk hin zu Elektroautos vor allem auf neue und überarbeitete Steuervergünstigungen sowie andere Förderprogramme in wichtigen europäischen Ländern zurück.
Elektroautos gewinnen schnell an Boden, doch Hybrid-Elektrofahrzeuge (HEV) halten mit 38,6 Prozent weiterhin den größten Einzelmarktanteil. Ihre Neuzulassungen überschritten im ersten Quartal die Marke von 1 Million.
Parallel dazu verlieren klassische Verbrenner an Beliebtheit. Die Zulassungen von Benzinern gingen im ersten Quartal EU-weit weiter zurück und fielen deutlich von 28,7 Prozent im Vorjahr. Diesel folgte einem ähnlichen Trend, sein Anteil schrumpfte auf nur 7,7 Prozent.
Spitzenreiter war Italien mit einem Plus von 65,7 Prozent bei BEV-Neuzulassungen im ersten Quartal, gefolgt von Frankreich und Deutschland.
Wie viel spare ich mit einem E-Auto?
Nach Angaben des britischen Energy Saving Trust (Quelle auf Englisch) ermöglicht eine Vollladung eines Elektroautos typischerweise eine Reichweite von rund 220 Meilen (354 Kilometer) und kostet bei Ladung zu Hause etwa 17 Pfund (19,91 Euro).
Die gleiche Strecke mit einem Benzin- oder Dieselauto zu fahren, kostet mehr als das Doppelte: rund 45 Pfund (52,69 Euro).
Elektroautos stoßen aus dem Auspuff überhaupt keine Emissionen aus. Fahrer senken damit ihren CO2-Fußabdruck deutlich.
Der Energiekonzern EDF (Quelle auf Englisch) berechnet, dass herkömmliche Benziner rund 165 Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen, Dieselwagen etwa 170 Gramm CO2 pro Kilometer. Elektroautos kommen im Schnitt auf nur 50 Gramm CO2 pro Kilometer, eingerechnet die Stromerzeugung.
Die Herstellung von Elektroautos verbraucht allerdings viel Energie. Die dabei entstehenden Emissionen liegen meist über denen von Benzinern, vor allem wegen der Produktion der Lithium-Ionen-Batterien, die klimaschädliche Treibhausgase freisetzen.
Technische Fortschritte machen diesen Prozess nach und nach effizienter. Wer umsteigt, kann zudem zu einem gebrauchten E-Auto greifen, das preislich häufig mit Benzinmodellen mithält.