Bei der Schießerei starben drei Menschen, einer davon inzwischen als Täter identifiziert. Vier weitere wurden verletzt, darunter ein zweijähriger Junge, so die Polizei in Seattle.
Bei der Schießerei auf einem gut besuchten Food-Festival nahe der Space Needle in Seattle waren nach Angaben der Polizei mindestens drei Tatverdächtige beteiligt. Einer von ihnen gehört zu den Todesopfern.
In einem Schriftsatz an das Jugendgericht in Seattle im US-Bundesstaat Washington, bei dem ein festgenommener 15-Jähriger am Montag auf seine erste Anhörung verzichtete, erklärten die Ermittler, sie gingen inzwischen von mindestens drei Schützen statt von zwei aus: dem Jugendlichen, einem Bekannten, der am Tatort getötet wurde, sowie "mindestens einem weiteren unbekannten Verdächtigen".
Nicole Powell, stellvertretende Leiterin der Kriminalpolizei in Seattle, sagte auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag, die Tat könnte einen Bandenhintergrund haben. Demnach hätten sich zwei Gruppen gegenseitig beschossen. Der getötete Schütze war 19 Jahre alt.
Ein Richter ordnete an, dass der 15-Jährige vorerst in einer Jugendhaftanstalt bleibt. Gegen ihn wird wegen Verstößen gegen das Waffenrecht sowie wegen Körperverletzung ersten Grades ermittelt. Die Staatsanwaltschaft des King County erwartet, den Fall am Mittwoch von der Polizei zu übernehmen und anschließend über eine Anklage zu entscheiden.
Die Schüsse fielen am Sonntag gegen 18 Uhr Ortszeit in den letzten Stunden des Food-Festivals "Bite of Seattle", einer beliebten jährlichen Veranstaltung in der Stadt. Drei Menschen kamen ums Leben, mindestens vier weitere, darunter ein Kleinkind, wurden verletzt.
Das dreitägige Festival bringt jedes Jahr Hunderte Gastronomiebetriebe, Einzelhändler und Künstler auf das Gelände des Seattle Center, eines weitläufigen Parks am Fuße der Space Needle. Während der drei Veranstaltungstage besuchen Hunderttausende Menschen das Festival.
Die Information, dass mindestens drei Tatverdächtige an der Schießerei beteiligt gewesen sein sollen, folgte auf eine Reihe widersprüchlicher Aussagen von Stadtvertretern. Am Sonntag vergingen fünf Stunden, bevor die Polizei von Seattle öffentlich mitteilte, dass ein mutmaßlicher Schütze festgenommen worden sei und nach einem weiteren gefahndet werde.
Zuvor hatte Bürgermeisterin Katie Wilson erklärt, zwei Personen seien in Gewahrsam. Diese Aussage nahm sie später zurück. Bei einer Pressekonferenz vor der Gerichtsanhörung am Montag sagte Polizeichef Shon Barnes, die Ermittler wüssten nicht, ob sich der zweite Schütze unter den Todesopfern befinde. Weder Barnes noch die Bürgermeisterin erwähnten weitere mögliche Tatverdächtige.
Stadtverwaltung und Polizei verteidigten ihr Vorgehen. Angesichts der chaotischen Lage habe man bewusst nur bestätigte Informationen veröffentlicht. Das Büro des Gerichtsmediziners des King County gab am Montag die Namen der drei Todesopfer bekannt: Carlos Israel Sanchez Villalba (44), Ashley Whitehead (56) und Junior Cee Niko Semo (19).
Unter den vier Verletzten sind ein zweijähriger Junge, zwei Männer im Alter von 23 und 27 Jahren sowie eine 39-jährige Frau. Alle konnten inzwischen aus dem Krankenhaus entlassen werden, teilte eine Sprecherin der Klinik mit.
Am Montagmorgen durften die Standbetreiber auf das Festivalgelände zurückkehren, um ihre Ausrüstung abzuholen.
Auf den Grills lagen noch aufgespießte Tintenfische, in den Öfen befanden sich geröstete Enten, und Teller mit Essen standen noch dort, wo sie zurückgelassen worden waren, als die Besucher bei den ersten Schüssen in Panik flohen. Zurückgekehrte Händler berichteten zudem von einem großen Fleck auf dem Boden, bei dem es sich offenbar um Blut handelte. Für Montagabend ist an der International Fountain im Seattle Center eine Kerzenmahnwache zum Gedenken an die Opfer der Schießerei geplant.