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Digitaler Tauschhandel per App: mit Zeit statt mit Geld zahlen

Eine Person nutzt ihr Handy.
Person nutzt ihr Handy. Copyright  difisher vía Pixabay
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Von David Del Valle
Zuerst veröffentlicht am
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Eine neue App bringt Menschen zusammen: Sie tauschen Wissen und Fähigkeiten ohne Geld und reagieren so auf Inflation, steigende Lebenshaltungskosten und den Trend zur Sharing-Ökonomie.

Der Tauschhandel, die älteste Form des Austauschs unter Menschen, erlebt eine unerwartete zweite Jugend. In einem Umfeld, das von der Inflation und den steigenden Lebenshaltungskosten sowie wirtschaftlicher Unsicherheit geprägt ist, suchen immer mehr Menschen nach Möglichkeiten, Dienstleistungen ohne den Einsatz von Geld zu nutzen.

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Die Antwort kommt, paradoxerweise, aus der Welt der Technologie: eine neue Generation von Apps knüpft an den Geist des klassischen Tauschhandels an und ersetzt Geld durch Zeit, Wissen und Fähigkeiten. Was über Jahrhunderte der direkte Austausch von Produkten oder Gefälligkeiten unter Nachbarn war, verlagert sich nun in den digitalen Raum.

Statt für eine Dienstleistung zu bezahlen, tauschen die Nutzer das ein, was sie selbst gut können. Ein Steuerexperte hilft bei der Einkommensteuererklärung und erhält dafür Kochkurse in japanischer Küche. Jemand mit Erfahrung in künstlicher Intelligenz bekommt Reiseberatung. Und eine Sprachlehrerin oder ein Sprachlehrer lernt Fotografie, ohne einen einzigen Euro auszugeben.

Zeit als Währung

Diese Rückkehr zum Tauschhandel setzt in einer Phase ein, in der die Sharing Economy weiter wächst und viele Haushalte neue Wege suchen, ihre Ressourcen besser zu nutzen. Im Gegensatz zur klassischen Konsumlogik setzen diese Plattformen auf einen Rohstoff, den fast alle besitzen: Wissen.

Die Idee dahinter: Zeit wird zur Währung. Die App SACO haben zwei spanische Unternehmer entwickelt. Ihr Konzept durchbricht gängige Modelle des Kaufs und Verkaufs von Dienstleistungen. Geld spielt hier keine Rolle. Die Basiseinheit sind Minuten. Jedes Mal, wenn ein Nutzer eine Dienstleistung erbringt, sammelt er Zeitguthaben. Später kann er diese Minuten einsetzen, um die Hilfe einer anderen Person aus der Community zu erhalten.

Das System erleichtert den Austausch von Wissen, ohne dass eine direkte Bezahlung nötig ist. „Es ist eine Rückkehr des Tauschhandels, in einer modernen, digitalen Version“, erklärt einer der Mitgründer, der spanische Psychiater mit japanischen Wurzeln, Kazuhiro Tajima.

Auf der Plattform finden sich sehr unterschiedliche Profile. Von privaten Lehrkräften für Sprachen oder Musik über Fachleute für Grafikdesign, künstliche Intelligenz und Steuerberatung bis hin zu Angeboten rund um Sport, Kochen oder Reisen. Selbst alltägliche Fähigkeiten, die man normalerweise nicht als Beruf betrachtet, können für andere Nutzer zu einem wertvollen Service werden.

Talent wird zur Währung

Die Grundidee: Fast jede Person verfügt über eine Fähigkeit, die für andere nützlich sein kann. Sehr oft wird dieses Wissen jedoch nie zu Geld gemacht. Entweder, weil sich die Person nicht als Profi versteht, oder weil sie bislang keinen einfachen Weg gefunden hat, ihr Können anzubieten. „Jeder Mensch hat eine angeborene Stärke, der er keinen Wert beimisst oder die er aus Angst oder Scham nicht zu Geld macht“, sagt der App-Entwickler Kazuhiro Tajima.

Statt Einnahmen zu generieren, machen diese Plattformen Wissen zur Tauschware. So erhalten Nutzer Zugang zu anderen Dienstleistungen, ohne Geld auszugeben. Tauschhandel ist nie vollständig verschwunden. Nach Einschätzung der Initiatoren erlebt er jedoch vor allem in wirtschaftlich schwierigen Zeiten ein Comeback.

„Tauschhandel ist die erste Form von Wirtschaft und er ist nie ganz verschwunden. In Krisenzeiten erlebt er immer einen Aufschwung“, betont Tajima. Die wirtschaftliche Unsicherheit und der Wunsch, Ausgaben zu senken, verstärken das Interesse an Modellen, in denen der Zugang zu bestimmten Leistungen stärker von persönlichen Fähigkeiten als von der Kaufkraft abhängt.

Die Entwicklung passt zudem zum Aufschwung der zirkulären und kollaborativen Wirtschaft. Gemeinsame Nutzung von Ressourcen, Wiederverwertung von Wissen und das Ausschöpfen bislang ungenutzter Fähigkeiten werden immer attraktiver.

Der Faktor Mensch

Das Wachstum solcher Plattformen verweist auch auf ein anderes Bedürfnis: den Wunsch, den menschlichen Faktor zu bewahren in einer Zeit, die stark von künstlicher Intelligenz geprägt ist. Zwar beantworten Tools wie ChatGPT oder virtuelle Assistenten viele Anfragen in Sekundenschnelle. Doch sie ersetzen nicht die praktische Erfahrung, den persönlichen Kontext oder das direkte Lernen von Mensch zu Mensch.

Die Macher von SACO sind überzeugt, dass solche Tauschgeschäfte nicht nur beim Sparen helfen, sondern auch neue soziale Kontakte schaffen und den Wert von Fähigkeiten sichtbar machen, die oft im Verborgenen bleiben. Um Vertrauen aufzubauen, verfügt die Plattform über ein Bewertungssystem, ähnlich wie andere Anwendungen der Sharing Economy.

In einer Zeit, in der Technologie viele klassische Formen des Miteinanders verdrängt, zeigt das Comeback des Tauschhandels, dass einige der ältesten Ideen der Wirtschaft gerade dank digitaler Innovation neues Leben gewinnen. Statt Münzen, Scheine oder Karten zählt nun eine andere Währung: Zeit, Erfahrung und Wissen.

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