Die New York Times begleitet seit Jahren die Veröffentlichung von UFO- Akten aus den USA. Die neu zugänglichen Unterlagen beschäftigen sich nicht nur mit Sichtungen unbekannter Flugobjekte. Sie reichen bis in den Zweiten Weltkrieg zurück – und dabei taucht auch Deutschland immer wieder auf.
Leuchtende Objekte am Himmel, geheimnisvolle Militärberichte und jahrzehntelang unter Verschluss gehaltene Akten: Neue UFO-Dokumente geben Einblicke in einige der rätselhaftesten Fälle der vergangenen Jahrzehnte.
Ein Schwerpunkt der historischen Akten sind Berichte alliierter Piloten aus den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs. Sie schilderten leuchtende, sich mit hoher Geschwindigkeit bewegende Flugobjekte, die ihre Maschinen über Deutschland begleiteten. Diese Erscheinungen wurden später unter dem Namen „Foo Fighters“ bekannt.
In der Akte (Quelle auf English) heißt es wortwörtlich:
In der Nacht des 22. Dezember 1944 stiegen zwei Lichter vom Boden nahe einem Flugzeug des 415th Night Fighter Squadron auf, flogen auf dessen Höhe, setzten sich für etwa zwei Minuten hinter das Heck und „lösten sich dann wieder ab“ – nach Angaben der Besatzung stets unter „vollständiger Kontrolle“. Das Bodenradar bestätigte: Es befanden sich keine feindlichen Flugzeuge in der Umgebung.
Solche Begegnungen wiederholten sich mehrfach. Über einen Zeitraum von sechs Wochen berichteten Besatzungen der 415th über Deutschland und Frankreich von roten, grünen, orangefarbenen und bernsteinfarbenen Lichtern, die in Formation mit ihren Maschinen flogen, Ausweichmanöver mitmachten und sich bis auf etwa 30 Meter näherten. Die Piloten nannten diese Erscheinungen „Foo Fighters“.
Das britische Air Ministry untersuchte die Berichte und kam in einem als geheim eingestuften Memorandum vom März 1945 zu dem Schluss, dass „die gesamte Angelegenheit weiterhin etwas rätselhaft“ sei.
Unabhängig davon meldeten Piloten auch die Sichtung eines etwa 3,6 Meter langen Aluminiumzylinders in rund 2.700 Metern Höhe. Beim Beschuss durch die Flugzeuge verlor das Objekt teilweise seine Form und zeigte eine rote Leuchterscheinung, zerfiel jedoch nicht. Der Nachrichtendienst stufte es als wahrscheinlich deutsche „Flak Bombe“ ein.
Für die mysteriösen Lichter hatte damals niemand eine eindeutige Erklärung, heißt es abschließend. Die Akte blieb 80 Jahre lang unter Verschluss.
Die Militärs prüften mehrere Erklärungsansätze. Eine Möglichkeit war, dass es sich um bislang unbekannte deutsche Geheimwaffen oder experimentelle Flugzeuge mit neuartigen Raketen- oder Düsenantrieben handeln könnte. Einen eindeutigen Beleg dafür fanden die Untersuchungen jedoch nicht.
Freigegebene FBI-Berichte, „Nazi-UFOs“
Zu den veröffentlichten Unterlagen zählen auch historische FBI-Dokumente aus den 1940er- und 1950er-Jahren, in denen Berichte über angebliche deutsche Entwicklungen von scheibenförmigen Fluggeräten auftauchen. Einige dieser Hinweise beziehen sich auf mögliche geheime Forschungsprojekte im Raum Berlin sowie in Regionen nahe der österreichischen Grenze.
Die Berichte stammen jedoch nicht aus technischen Untersuchungen oder bestätigten Militärakten, sondern beruhen überwiegend auf Aussagen von Informanten, Gerüchten und nachrichtendienstlichen Hinweisen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit. Sie spiegeln damit vor allem wider, welchen Meldungen die Behörden damals nachgingen.
Belege dafür, dass Nazi-Deutschland tatsächlich einsatzfähige „Flugscheiben“ mit außergewöhnlichen Flugleistungen entwickelte, liefern die Dokumente nicht.
In den SHAEF- und Air-Ministry-Memoranden von 1944/45 werden wiederholt unter anderem rote, grüne, orangefarbene und bernsteinfarbene Lichter beschrieben, die sich scheinbar kontrolliert bewegten, Formationen mit den Maschinen flogen und sich ihnen teilweise bis auf kurze Distanz näherten.
Manche Beobachter berichten von pfeilförmigen Objekten. Trotz dieser Vielfalt gibt es wiederkehrende Muster: Viele der beschriebenen Flugkörper scheinen keine erkennbaren Tragflächen, Rotoren oder herkömmlichen Antriebe zu besitzen. Zudem werden ihnen ungewöhnliche Eigenschaften zugeschrieben – etwa ein scheinbar regungsloses Verharren in der Luft, plötzliche Beschleunigungen oder Flugmanöver, die sich nur schwer mit bekannten Technologien erklären lassen.
Leuchtende Formen, unbekannte Flugmanöver
Auch spätere Untersuchungen wie das US-Luftwaffenprogramm Project Blue Book (1947-1969) dokumentierten eine große Bandbreite an Sichtungsberichten. Beobachter beschrieben unter anderem leuchtende geometrische Formen, scheibenförmige oder pfeilartige Objekte sowie Erscheinungen ohne erkennbare Tragflächen, Rotoren oder herkömmliche Antriebssysteme. Einige Berichte schilderten Objekte, die scheinbar regungslos in der Luft verharren, abrupt beschleunigen oder Flugmanöver ausführen konnten, die sich mit den damals bekannten Flugtechnologien nur schwer erklären ließen.
Neben den historischen Dokumenten enthalten die Archive zahlreiche Unterlagen aus jüngerer Zeit. Seit der öffentlichen Enthüllung des Pentagon-Programms AATIP (Advanced Aerospace Threat Identification Program) im Jahr 2017 haben die USA ihre Untersuchungen zu sogenannten UAP (Unidentified Anomalous Phenomena) ausgeweitet.
Das Verteidigungsministerium etablierte neue Strukturen zur Erfassung und Bewertung ungewöhnlicher Beobachtungen durch Militärangehörige. Zudem veröffentlichte das Pentagon mehrere zuvor nicht freigegebene Aufnahmen von unbekannten Flugobjekten, darunter Videos von Navy-Piloten aus den Jahren 2004 und 2015, deren dargestellte Phänomene zunächst nicht eindeutig identifiziert werden konnten.
In einigen Dokumenten berichten Militärangehörige nach Begegnungen aus nächster Nähe außerdem von körperlichen Beschwerden wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Hautreizungen oder neurologischen Symptomen.
Was hinter den ungeklärten Beobachtungen steckt?
Hansjürgen Köhler, Gründer von Deutschlands einziger UFO-Meldestelle CENAP, hat eine Erklärung dafür: "Damals, wo die Allierten die Lufthoheit über Deutschland hatten, gab es das Problem, dass viele Bomber von den Deutschen abgeschossen wurden, diese ausgefallenen Luftstreitkräfte mussten ersetzt werden." Demnach flogen viele weniger erfahrene Piloten Nachteinsätze über Deutschland.
Und die wunderten sich oftmals, denn was viele nicht wussten: Von Ende 1944 bis Mitte 1945 setzten die Deutschen auch ihre neuen Düsenjets ein, obwohl bis dato offiziell nur bekannt war, dass es einen Prototyp gab. Wie beispielsweise die Me 262.
Die Messerschmitt Me 262 war der wichtigste deutsche Düsenjäger im Zweiten Weltkrieg. Sie wurde ab dem Sommer 1944 eingesetzt und war das erste serienmäßig produzierte strahlgetriebene Jagdflugzeug der Welt. Insgesamt entstanden rund 1.400 Maschinen. Aufgrund von Treibstoffmangel, fehlenden Ersatzteilen und eines Mangels an erfahrenen Piloten waren jedoch meist nur einige Dutzend gleichzeitig einsatzbereit. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, alliierte Bomberverbände abzufangen.
Die Maschine war mit rund 870 km/h deutlich schneller als alliierte Propellerjäger wie die North American P-51 Mustang oder die Supermarine Spitfire.
"Wenn dann so ein Düsenjet an der Propellermaschine der Amerikaner vorbeiflog, sahen die Piloten nur Lichtstreifen – und reagierten entsprechend erstaunt", erklärt Köhler.
Auch für das Phänomen der F/A-18 am 21. Januar 2015 hat Köhler eine irdische Erklärung. Sein Fazit: "Das Flugzeug hat einen Ballon ins Visier genommen, aber durch die Eigengeschwindigkeit des Flugzeugs erscheint es so, als wenn das Objekt schnell vorbeifliegt."
Zwischen Geschichte und Spekulation
Die neu veröffentlichten Akten zeigen vor allem eines: Das Interesse an ungewöhnlichen Flugphänomenen reicht weit zurück und ist auch eng mit historischen Ereignissen wie dem Zweiten Weltkrieg verbunden.
Aber: Die Unterlagen des Pentagon liefern keinen Beweis für außerirdische Raumschiffe oder geheime deutsche „Flugscheiben“. Das, was den amerikanischen Piloten damals unerklärlich erschien, war höchstwahrscheinlich nichts anderes als ein Düsenjet der Marke Messerschmitt.