Fachleute drängen auf einen schnellen Ausbau der Recyclingtechnologien, denn in den kommenden Jahren werden Millionen E-Auto-Batterien ausgedient haben.
Bis 2030 könnten weltweit mehr als 1 Million Batterien aus Elektrofahrzeugen das Ende ihrer Lebensdauer erreichen. Sie würden damit zu einem der weltweit „am schnellsten wachsenden Abfallströme“.
Der weltweite Absatz von Elektroautos ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen. Mittlerweile sind mehr als 20 Millionen Fahrzeuge verkauft, sie stehen für rund 25 Prozent aller neu zugelassenen Pkw. Rückenwind erhält der Boom auch durch den Krieg gegen Iran, der Öl- und Gaspreise weiter in die Höhe treibt.
Allein in Europa wurden im ersten Halbjahr 2026 mehr als 1,24 Millionen reine Elektroautos verkauft. Das entspricht einem Plus von 33,7 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres.
Sind Elektroautos klimafreundlicher als Verbrenner?
Elektroautos starten häufig mit einer höheren „CO₂-Schuld“ als Benzin- oder Dieselwagen. Für ihre Herstellung braucht die Industrie deutlich mehr Energie.
Ein großer Teil entfällt auf die Batterieproduktion. Dafür ist sehr viel Strom nötig, um die hohen Temperaturen im Fertigungsprozess zu erzeugen. Dieser Strom kann zwar aus erneuerbaren Quellen stammen, viele Länder setzen jedoch weiterhin auf klimaschädliche fossile Energieträger.
Auch Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel, die in den Batterien stecken, werfen ökologische und soziale Fragen auf.
Ein Bericht von Amnesty International aus dem Jahr 2023 zeigt, dass der Abbau dieser kritischen Mineralien zu zahlreichen Menschenrechtsverletzungen geführt hat – darunter Zwangsräumungen und körperliche Gewalt.
Moderne Bergbauverfahren bleiben umstritten. Studien zeigen dennoch: Die Umweltvorteile von Elektrofahrzeugen überwiegen den hohen Energieeinsatz bei ihrer Herstellung.
Ein Bericht der Organisation Transport & Environment (T&E) (Quelle auf Englisch) aus dem Jahr 2020 kommt zu dem Ergebnis, dass Elektroautos Diesel- und Benzinfahrzeuge in allen untersuchten Szenarien übertreffen. Selbst in Ländern mit besonders CO₂-intensiven Stromnetzen wie Polen stoßen sie rund 30 Prozent weniger Emissionen aus als herkömmliche Autos.
Im günstigsten Fall fährt ein Elektroauto mit sauberem Strom und nutzt eine Batterie, die ebenfalls mit sauberem Strom produziert wurde. Dann sind E-Autos bereits etwa fünfmal klimafreundlicher als vergleichbare Verbrenner.
„Entscheidend ist: Die Daten zeigen, dass Elektroautos mit durchschnittlichem Strommix ihre ‚CO₂-Schuld‘ aus der Batterieproduktion nach etwas mehr als einem Jahr ausgleichen und über ihre Lebensdauer mehr als 27 Tonnen CO₂ im Vergleich zu einem herkömmlichen Fahrzeug einsparen“, heißt es in dem Bericht.
„Elektrofahrzeuge, die viele Kilometer zurücklegen – etwa Carsharing-Autos, Taxis oder Fahrdienste nach dem Uber-Modell – sparen über ihre Lebensdauer bis zu 77 Tonnen CO₂ gegenüber Dieselfahrzeugen“, so der Bericht.
Elektroauto-Batterien: Abfall wird zum Wachstumsproblem
Die meisten Elektrofahrzeuge werden von Lithium-Ionen-Batterien (LIBs) angetrieben. Dieselben Batterietypen stecken auch in Alltagsgeräten wie Smartphones, Laptops oder Spielkonsolen.
Nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA (Quelle auf Englisch)) wird die Zahl der Lithium-Ionen- und ähnlichen Batterien, die das Ende ihrer Lebensdauer erreichen, ab Mitte der 2030er-Jahre stark ansteigen. Eine Batterie gilt dann als ausgedient, wenn sie Energie nicht mehr effizient speichern oder abgeben kann, weil sie über die Zeit gealtert ist.
Schon in den nächsten vier Jahren könnten rund 1,2 Millionen Autobatterien zu Abfall werden. Bis 2040 dürfte diese Zahl auf beeindruckende 14 Millionen steigen.
Gleichzeitig wächst die Nachfrage nach LIBs. Das erhöht den Druck, mehr kritische Mineralien zu kritische Mineralien abzubauen und birgt das Risiko eines künftigen Lithium-Mangels.
Zwar lassen sich Elektroauto-Batterien recyceln, doch das gilt als aufwendig und teuer. Bevor eine Batterie überhaupt in die Wiederverwertung geht, muss sie in einer zeitintensiven Vorbereitungsphase entladen, zerlegt und in ihre Einzelteile getrennt werden.
Hinzu kommen Sicherheitsrisiken durch die chemischen Prozesse beim Recycling. Dabei können giftige Stoffe wie Flusssäure entstehen. Solche Verbindungen gefährden die Gesundheit der Beschäftigten und können sogar die Anlagen beschädigen.
Deshalb fordern Fachleute einen „deutlichen Ausbau“ der Recyclinginfrastruktur. Sie soll künftig die wachsenden Abfallmengen bewältigen und wertvolle Materialien für neue Batterien sicher zurückgewinnen.
„Elektrofahrzeuge sind ein entscheidender Baustein beim Übergang zu einer CO₂-ärmeren Wirtschaft. Ihr langfristiger Erfolg hängt jedoch davon ab, wie gut wir die anschließenden Abfallströme steuern und gleichzeitig die Versorgung mit kritischen Mineralien stärken“, sagt James Skifmore von der Umweltberatung Valpak.
„Die Kapazität und Effizienz kreislauforientierter Infrastruktur zu erhöhen, ist entscheidend, um wertvolle Materialien zurückzugewinnen, Lieferketten zu stärken, die Abhängigkeit vom Abbau neuer Rohstoffe zu verringern und die langfristige Nachhaltigkeit des Umstiegs auf Elektrofahrzeuge zu sichern.“
In ganz Europa arbeiten Unternehmen mit Hochdruck daran, genau dieses Ziel zu erreichen.
Elektroauto-Batterien: Effizienteres Recycling möglich?
Das ReLiB-Projekt unter Leitung der Universität Birmingham in Großbritannien entwickelt neue Recyclingtechnologien. Sie sollen das Land an die „Spitze“ von Forschung und Entwicklung auf diesem Gebiet bringen.
Die Forschenden wollen Verfahren entwickeln und hochskalieren, mit denen sich aus Altbatterien deutlich mehr Material zurückgewinnen lässt. Die Quote soll von heute etwa 50 Prozent auf 90 Prozent steigen – durch schnellere und effizientere Demontage- und Trennprozesse.
Auch die EU finanziert ein vierjähriges Projekt, das vom Technologiezentrum LEITAT in Spanien koordiniert wird. Ziel ist es, die langsame, manuelle Demontage durch halbautomatisierte Systeme zu ersetzen, die Batterien sicher zerlegen und dabei rund 95 Prozent der Komponenten zurückgewinnen.
Das EU-Projekt BATRAW (Quelle auf Englisch) soll Batterien zudem ein zweites Leben ermöglichen. Manche Akkus haben nicht mehr genügend Kapazität für den Antrieb eines Autos, eignen sich aber weiterhin für weniger anspruchsvolle Speicheraufgaben – statt direkt im Recycling zu landen.
Das Projekt entwickelt bessere und sichere Transportwege für alte Batterien. Gleichzeitig untersucht es, wie neue Batterien konstruiert werden können, damit sie sich leichter reparieren und recyceln lassen.